Die Ente als Feuerwehrauto

Wie schon erwähnt war ich in Mühlacker bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wenn der Alarm-Piepser losging hieß es dann so schnell wie möglich zur Feuerwache zu fahren. Wenn die Leute im Dorf die Feuerwehrleute zur Wache düsen sahen haben es die meisten auch geblickt, da man sich im Dorf ja kennt, bzw. die meisten Feuerwehrleute auf dem Dach einen Dachaufsetzer, so mit Feuerwehr im Einsatz drauf hatten. Allerdings gestaltete sich das bei der Ente etwas problematischer, da es noch keinen Stoffmagneten gibt. Ich habe mir dann ein Holzbrett zum Einhängen in den Queue gebastelt, daß die Leute, wenn ich sie überholt hatte wenigstens dann sahen, warum die Ente jetzt so komisch fährt. Bald war ich aber bekannt wie ein bunter Hund und die Leute machten mir Platz, wenn ich wieder mal mit Warnblinker, Fernlicht und Nebelschein-werfer angeflogen kam. Zweimal habe bei dieser Gelegenheit meine Ente etwas ihrer Form beraubt.

Jugendliche, ungestüme Fahrweise und die Hektik der Alarmierung waren damals dafür ausschlaggebend. Freitag nachmittags fuhr ich nach einer Alarmierung in Mühlacker die Haupteinkaufstraße runter und mußte hinter einer Kolonne von ca. 5 Autos anhalten. Ich habe nicht so richtig erkannt, warum die Autos da jetzt stehen und zog auf die Gegenspur, um an der Kolonne vorbeizufahren. Was ich nicht erkannte, war, daß der erste in der Schlange nach links in eine Einfahrt wollte und dort aber auch einer rausfahren wollte. Es kam, wie es kommen mußte. Ich rasierte die Front eines Mercedes-Coupes und die linke Seite eines Audi 100. Rumms, da stand ich, stieg aus, sammelte das Nummernschild des Mercedes und die Zierleisten des Audis von der Straße auf und übergab sie ihren Besitzern. Die waren gar nicht begeistert, konnte sie aber be-ruhigen, so von wegen, klar meine Schuld und alles halb so wild, ist ja gar nicht viel passiert und so. Als der Audifahrer aber meine Ente begutachtete wurde es mir ganz anders.

Die Mercedes-Stoßstange ist doch so stabil, wie es immer heißt, denn meine Achse war auf der linken Seite komplett reingedrückt. Wir konnten die Ente nicht mal schieben. Mit vereinten Kräften von einigen Passanten trugen wir sie dann in eine freie Parklücke und ich dachte mir, daß ich am Wochenende in Ruhe den Schwingarm hier auf der Straße wechseln könne. Allerdings war da an diesem Wochenende in dieser Straße der Martini-Markt, so mit Freßbuden und Nippes-Händlern. Halteverbot ab Freitag 18 Uhr und es war gerade so gegen 17.30 Uhr. Oh no !

Es wurde dann ganz schön hektisch auf die Schnelle einen Abschlepper zu organisieren und so. Gottseidank war die Ente damals auf meine Mutter zugelassen und die ist im ADAC und es wurde dann nicht teuer. Schlußendlich und auch ärgerlich für mich, als Feuerwehrmann war, daß die Alarmierung einem brennenden Strohhaufen gegolten hat und die Hektik in oben beschriebener Art und Weise gar nicht nötig gewesen wäre. Aber bei einer Alarmierung geht einfach nur der Piepser los und man weiß nicht, ob ein Wohnhaus in Flammen steht mit Menschenleben in Gefahr oder nur eine Mülltonne vor sich hinkokelt. Einmal bin ich zu einem Hochwasser-Einsatz alarmiert worden und fuhr mit Luise, meiner ersten Ente durch einen wahren Platzregen Richtung Feuerwache. Dazu mußte ich die tiefste Stelle Mühlackers passieren und fuhr so voll in einen See, so ca. 75 cm tief.

Trotz Scheibenwischer konnte man die Straße nur noch ahnen und es waren nur noch die Feuerwehrleute auf der Straße unterwegs, der Rest stand. Ich auch, und zwar schlagartig, denn als ich in diesen See fuhr knallte ich wie gegen eine Betonwand. Ich legte den Rückwärts-gang ein und wollte aus der Pfütze wieder raus. Da meine Reifen doch so abgefahren waren und aus der Kanalisation der ganze Sumpf und Schlick mit hochgedrückt wurde, ging erst mal gar nix. Ok, dachte ich, wenn du nicht in die Richtung willst, probierens wir in die andere und fuhr weiter in den See, weil so hoch wirds ja schon nicht werden, dachte ich. Falsch gedacht, blubb blubb blubb ging der Motor aus und durch die Rostlöcher drückte das Wasser die Bodenmatten hoch. Ich konnte das nicht mit ansehen und machte die Tür auf. Schwapp, bis ca. 1,5 cm unterm Radio stand die Suppe.

Ich machte mich zu Fuß auf den Weg zur Feuerwache, es waren ja nur noch 150 m. Mit mir in dem See stand noch ein hellblauer Käfer mit ‘nem nassen, jungen Mädel drin. Mit Hilfe von einingen THW-Helfern schoben wir die beiden Tiere aus dem See bis hinter die Feuerwache.


   

Ich war dann noch die ganze Nacht im Einsatz zwecks Kellerauspumpen und so. Jaja, der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt. Am nächsten Tag bin ich dann zur Feuerwache runterge-laufen, um meine Luise wieder flott zumachen. In der Ente stank es, wie wenn ein toter Indiander im Koffer-raum liegen würde. Der ganze Dreck aus der Kanalisation in meiner Ente und dann knallte auch noch die Sonne drauf.

Reizend. Naja, ich schraubte die Zündkerzen raus und der Anlasser übernahm die Aufgabe einer Lenzpumpe, denn beim Durchdrehen des Motors spritzte ab-wechselnd links und rechts das Wasser aus den Kerzenlöchern im hohen Bogen raus. Ich legte alles trocken und Luise sprang auch wieder an. Allerdings war ich damals mit der Motorentechnik noch nicht so vertraut, denn es wäre mindestens ein Ölwechsel dringend erforderlich gewesen. Jedenfalls fuhr Luise und ich dachte, dann ist ja alles gut. Nach ca. 2 Monaten war der Motor aber hinüber, da eine Emulsion aus Wasser und Öl nicht das beste Mittel ist, um den Entenmotor zu schmieren und zu kühlen.

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