Eierkarle

Ja, es war schon eine Idylle beim Eierkarle. Bei ihm hatte ich einen alten Hühnerstall gemietet, den ich zum Entenstall und Werkstatt umfunktionierte. Wer Eierkarle nicht kennt, muß ihn sich so vorstellen: Weit über 70, immer im blauen Kittel mit einem Eimer Hühnerfutter über den Hof wackelnd, zwischen seinen Bienenstöcken durch und sich an den Enten abstützend. Als er mich dann sah meinte er immer : “Au, dr Endäsepp isch widder do “ !

Er ließ dann seine Hühner raus, die sich um mich gesellten, als ich unter di-versen Enten lag. Schon heftig, wenn man gerade schweißt und genau vor dem Gesicht pickt ein Huhn in den Schrauben rum. Nicht selten kamen dann Kumpels vorbei und wir lagen im Gras und tranken Becks. Diese Idylle vermissen einige Menschen ( Sorry, Veit ! ), als ich dann nach Berlin ging. Eierkarle hatte immer irgendwas zu beanstanden, aber er war doch sehr froh, das es mich gab, da er alleine wohnte und sich oft mit mir lange über Gott und die Welt unterhielt oder ich ihm wieder mal ein 50 kg-Honigeimer in die Wohnung hochschleppte. Jochen erging es mal so, daß er ankam und fragte, ob er ihm kurz helfen könne einen Eimer hochzutragen. Als er dann bei ihm im Keller stand und fragte, welcher von den drei Eimern, meinte Eierkarle: “Ha, alle drei, awwer i hans em Kreiz, i darf net so schwer trage“.

Oder er fuhr mit seinem Passat auf den Hof, die Hinterachse sehr tief und ich ahnte schon was jetzt kommen würde. Als er ausstieg sagte er nur: “Trag mir doch gschwenn des Heahnerfuddär end Scheier“. Der Passat war bis unters Dach voll mit 10-12 Hühnerfuttersäcken á 50 kg. Ächz, schuft, kult. Die Scheune war richtig schön versteckt zwischen den Vereinigten Hüttenwerke des Eierkarles. Ich schwelge heute noch in Erinnerungen daran, war eine schöne Zeit, mit Eierkarle, den Bienen, den Hühnern und all meinen Enten, eine perfekte Symbiose.

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