Mit Enten lernt man Menschen kennen

Das ist tatsächlich so. Nicht nur, daß man im Entenclub oder auf Treffen Menschen kennenlernt, sondern so richtig, ich meine damit echte Freundinnen und Freunde. Das mit den Freundinnen habe ich auch konse-quent durchgezogen. Wenn ich so meinen Lebenslauf in punkto Lebensabschnittsparterin ( so heißt das jetzt ja, finde ich irgendie abgedreht, trifft den Kern der Sache aber eigentlich sehr genau ) so durchchecke, sind da zu 92,87 % Frauen mit Enten. Die Frauen, die das betrifft und jetzt mein Buch in der Hand haben, wissen was ich meine. Völlig out of space ist die Begegnung mit Walburga und die Weiterentwicklung unserer Freundschaft. Als ich noch in Mühlacker war und in der Scheune an Enten rumbastelte hatte Uli, meine damalige Freundin ( natürlich auch mit Ente, Bj. 74, dunkelblau. . .

die Ente eine Untermieterin, die im Nachbarort in einer Klinik arbeitete. Dort arbeitete auch Walburga, die damals in Karlsruhe wohnte und eine rote Ente hatte. Durch ihre Kollegin und Uli usw. erfuhr sie, daß es da jemanden gibt, der sich mit Enten auskennt. Irgendwann rief sie mich auch an und stand dann in meiner Werkstatt in der Scheune. So lernte ich Walburga kennen. Aber es geht noch weiter. Da die rote Ente von Walburga nicht die beste war und der TÜV-Termin anstand, mußte ich, was ich selten mache, ein Todes-urteil aussprechen. Walburga war sehr erschüttert über mein Urteil, konnte ihr aber eine sofortige Alter-native anbieten. Eine gelb-schwarze Charleston-Ente, die ich eigentlich für Kerstin als Pick-Up umbauen wollte stand da noch so rum. Kerstin war damals nicht mehr für mich da, aber das ist eine andere Geschichte . . .

Jedenfalls war da noch die Charlie und Walburga begab sich ca. eine Stunde in die Garage und ließ die Ente auf sie wirken. Es wirkte und Walburga hatte dann eine gelb-schwarze Charleston-Ente. Sie hat sie wirklich lieb gehabt und hat alles erdenkliche getan, um ihr nicht das gleiche Schicksal angedeihen zu lassen, wie ihrer vorherigen, roten Ente. Sie und ihr Freund Gunnar haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Vorder-türen waren ziemlich marode und sie haben die die Türen der alten, roten Ente umlackiert. Farben an-mischen lassen und gepinselt, aber so gepinselt, wie ich es mit der Sprühdose nicht besser gekonnt hätte, akribische Kleinarbeit bis ins Detail, einfach Wahnsinn.

Walburga und Gunnar zogen dann nach Rittersbach bei Nürnberg, aber der Kontakt brach nicht ab, bei Entenproblemen konnte ich telefonisch helfen oder Adressen aus ihrer Umgebung geben, wo Entenbastler ansässig sind. Walburga half auch mir in dieser Zeit, aber nicht mit Problemen mit Enten, aber das bleibt unter uns, Walburga. Ich zog dann nach Berlin und Walburga und Gunnar besuchten mich dort mal, nicht nur, weil die Achsschenkelbolzen gewechselt werden mussten. Zu der Zeit war auch gerade Dunja bei mir in Berlin und kam mit Walburga ins Gespräch. Da sie beide einigermaßen gleichgeartete Berufszweige hatten, nämlich die Arbeit mit Behinderten, und Dunja gerade in Alt-Schönow eine solche Einrichtung ausfindig gemacht hat, war Walburga irgendwie gleich Feuer und Flamme.

Aber ob der Entfernung für Walburga war das kein Thema sofortige Maßnahmen einzuleiten. Aber das sollte sich ändern. Grund dafür war der Super-GAU, ein Golf knallte Walburga in die Ente, vorne rechts, volle Breitseite, peng. Walburga hat den Golfkrieg besser überstanden wie ihre Ente. Rahmenknick und der übliche Blechschaden vornerum. Sie hatte lediglich ein leichtes HWS-Syndrom (Scheudertrauma) und ein paar kleinere Blessuren, gottseidank. Jedenfalls rief sie mir ziemlich verzweifelt an, so wegen Unfall, Ente tot, Gutachten, Versicherung und so. Das hat sie dann auch ganz gut geregelt gekriegt und ich habe ihr dann angeboten meine UNSAFE zu überlassen, da ich gerade meine schwarze Ente namens Mephisto zugelassen hatte.

Da ich sowieso gerade mit meinen ganzen Enten aus den Südstaaten nach Berlin umzog bot es sich an, Walburga auf einem dieser Trips mit nach Berlin zu nehmen, um Ihr die UNSAFE zu geben. Und dieser Trip hatte es in sich. In Berlin hatte ich über einen Freund? einen Ford Transit ausgeliehen, dann noch einen Autohänger gemietet und ab ging die Post in die Südstaaten. Dort den Transit mit brauchbaren Teilen aus meiner Scheune vollgestopft und auf den Hänger meine alte Ente Bj. 55 drauf-geschnallt. Eigentlich wollten wir Walburga’s Golf-Krieg-Ente mit dieser Aktion auch nach Berlin schaffe, aber zeitlich reichte es nur die Ente vom Hof des Abschleppers zu zerren, damit keine weiteren Stand-gebühren anfallen. Aber trotzdem heftige Umladeaktion, 55er runter, ins Nachbardorf, die Charlie auf den Hänger, wieder abladen, die 55er wieder drauf, oh-oh. . .

Walburga und ich fuhren an diesem Abend dann noch nach Berlin, was heißt abends, die ganze Nacht durch und luden irgendwann morgens in Neukölln den Transit aus und meine alte Ente ab. Den Transit mußten wir nach Zepernick bringen, im Norden von Berlin, also quer durch die Stadt ( ca. 50 km ) um danach mit einem auseinanderfallendem Citroën GSA eines Freundes? wieder nach Neukölln zurück. Walburga und ich waren mehr als am Ende. Am Alex passierte es dann, Walburga war sich irgendwie sicher, daß ich das alles gedeichselt kriege und war so am Ende, daß sie einfach nicht mehr wollte. In diesem Augenblick schlief ich an der Roten Ampel ein. Jetzt mußte sie agieren und so hielten wir uns irgendwie bis Neukölln am Leben, mit hektischen Brems- und Ausweichmanövern.

Weiß der Geier, wer uns da geholfen hat heil durchzu-kommen. In Neukölln angekommen beschlossen wir weitere automobilistische Aktivitäten zu unterlassen und stiegen in die U-Bahn. Schon der Weg dahin war geprägt von übersteigerten, akustischen Wahrneh-mungen aufgrund unserer absoluten Übermüdigkeit. In der U-Bahn haben wir nur noch Blödsinn gelabert und ich nahm nur wahr, daß es so ähnlich sein muß, wenn man kurz vor dem Tod ist. So von wegen alle Geräusche ultraübersteuert wahrnehmen und ein intensives Gefühl des Leben, weil totale Übermüdig-keit vorherrscht und man sich konzentrieren muß wach zu bleiben. Bei mir im Wedding angekommen saßen wir glockenwach in der Küche und überlegten uns, wie wir jetzt einen Zustand der Müdigkeit annehmen können.

Ich fand noch eine Flasche Wein, aber keinen Korken-zieher. Aber eine Akku-Bohrmaschine war vorhanden, wie aus der Tabasco-Flasche träufelten wir den Wein in irgendwelche Kaffee-Becher. So schlummerten wir dahin und abends gingen wir um die Ecke in die Pizzeria und mußten Schwerstarbeit leisten, um zu essen, so alle waren wir. Walburga blieb dann noch ein paar Tage und hat sich die Location, die Dunja ihr erzählt hat mal angeguckt.

Sie war sehr angetan und es dauerte nicht lange, bis sie eine, ihr angebotene Probe-woche dort zu arbeiten annahm. Sie war äußerst angetan von dem Job, so daß sie kutzerhand wieder nach Berlin kam und eine Wohnung suchte, was auch sehr flott klappte, das mit dem Job auch. So war der Um-zug perfekt, ich mietete einen 7,5to-LKW in Berlin, fuhr nach Rittersbach, das ganze Brimborium auf den LKW und in Berlin wieder raus, naja, so einfach war das nicht, auch mit dem Einparken in Friedenau am Cosima-Platz (stimmt’s Gunnar ?). Aber irgendwie ging alles, auch das mit der Waschmaschine. . .

Aber trotzdem hatte Walburga immer noch kein Fahrzeug, da ich meine UNSAFE irgendwann auch wieder brauchte. Micha aus Mannheim hatte zu der Zeit gerade eine Acadyane zu verkaufen und da Walburga nicht abgeneigt war ein praktisches Transportfahrzeug zu fahren, war der Deal perfekt. Aber wie kommt die Büchse jetzt nach Berlin?

Da Micha musikmäßig unterwegs ist und gerade in Leipzig einen Gig hatte, hat er die ACDY einfach in Leipzig stehen lassen und uns die Schlüssel und Papiere zugeschickt. Walburga, Gunnar und ich gurkten nach Leipzig und fanden zwischen irgenwelchen Plattenbauten eine dunkelblaue ACDY. Ich kannte ja die Kiste, den Slowly Gonzales, aber Walburga und Gunnar nicht, aber ob des moderaten Preises war die ACDY ihr Geld wert, vor allem mit 2 Jahren TÜV.

Wir haben dennoch einige Zeit mit dem Schraubenschlüssel und dem Schweißgerät zugebracht, um die ACDY in einen Zustand zu versetzen, um sie standfest zu machen. So leben Walburga und Gunnar jetzt in Berlin. Der Grund hierfür ist eindeutig die Ente, denn, hätte Walburga mich nicht kennengelernt so wäre all dies nicht zustande gekommen. Und so hätte ich auch Ihren Freund, Gunnar nicht kennengelernt. Auch Dunja habe ich über die Ente kennengelernt und auch sie trug ihren ihren Teil zu dieser Konstellation bei. Alle drei sind Menschen, die ich sehr gerne habe und in meinem Leben nicht mehr missen will. Wenn es die Ente nicht gäbe, wäre es vielleicht ein anderes Auto gewesen, die mir diese Menschen schenkten, aber es war die ENTE !

Copyright 2014: Der Entenmann - Multimediaagentur: sorglosweb