Pfuscher, Stümper, Fachwerkstätten
. . . und andere Kuriositäten


Niemand ist unfehlbar. Das ist unbestritten.
Allerdings werden manchmal Reparaturen nicht nur aus Unwissenheit, sondern wissentlich falsch ausgeführt. Sei es, daß nicht das richtige Werkzeug oder Ersatzteil greifbar ist, sondern, vor allem in sogenannten Fachwerkstätten, weil das sowieso nur eine Ente ist. Diesen Spruch habe ich nicht nur einmal gehört . . .

Hier will ich mal die heftigsten Reparaturen, Verschlimmbesserungen oder einfach nur gedankenlosen Pfusch zu Papier bringen, das ich an verschiedenen Enten entdeckt habe. Das Verschweißen von verschiedenen Bauteilen, weil die richtige Schraube fehlt, ist noch das Harmloseste, wenn es keine sicherheitsrelevanten Teile sind, aber bei Demontagen ärgerlich. Hier einige Beispiele:
Der Lampenbaum wird auf den Rahmen geschweißt - prima. Oder der Quertopf zwecks Schellenmangel am Wärmetauscher. An diesen Enten habe ich einen Kupplungswechsel veranstaltet, also Motor raus . . . da kommt Freude auf . . .

Auch nicht schlecht, wenn die Schraube für den Kotflügel am Schweller rausbröselt, den Kotflügel einfach auf die Karosserie zu braten - bravo ! Noch besser war die Ente, deren Lenksäule mittels halblebigen Schweißpunkten “befestigt“ war - o-hauerha ! Das kann man alles machen . . .

Auch die beliebte Verschweißung von Antriebswellenmutter, Hinterachsmuttern, Radlagerschrauben oder Spurstangenköpfe auf den Achsschenkel, weil Schraube abgebrochen oder unter die Werkbank gekullert habe ich unter anderem an Enten entdeckt, deren Besitzer vorher zwecks Reparatur an diesem Bauteil teilweise sogar in einer Citroën-Werkstatt waren !

Bei Schweißungen im Bereich Rahmen und Karosserie sind die Beispiele mannigfaltig und an fast jeder Ente zu entdecken. Das beliebte Riesenblech unterm Rahmen unter Nichtberücksichtigung der inneren Stehbleche ist so der Spitzenreiter. Die aufwendigste “Reparatur“ eines Kofferraumbodens, die ich an einer Ente entdeckte gestaltete sich folgendermaßen:

Wir nehmen ein gerades Blech und wollen den Übergang vom Boden zum Reserveradbogen flicken. Dann schneiden wir viele kleine Laschen ein und basteln alá Micky-Maus-Bastelbogen das runde Blech nach mit 378 Überlappungen und setzen dann rosinengroße Schweißpunkte aufs Blech, vielleicht hält der eine oder andere Schweißbollen . . .

( Sagt der eine Schweißer zum anderen: Jetzt mach doch mal einen Punkt ) Es ist teilweise sehr bedenklich was manche Leute unter Schweißen verstehen, wenn das Blech abnehmbar ist. . .

oder auf bereits eingeschweißte Bleche noch mal eins drauf und noch mal eins, bis das Bodenblech 2 cm dick ist. Ganz abgesehen von der Schmiererei mit schwarzer Mumpe. Habe schon Bleche erlebt, die nur mit Karosseriedichtmasse aufgeklebt waren. Oder wir spachteln den Rahmen großflächig mit GFK-Matten. Wenn die Typen, die solche Flickwerke veranstalten Aktien der Firmen Teroson und Presto haben, mag das für die ja ok sein, aber nicht für die Ente. . .

Was immer wieder interessant anzuschauen ist, wenn eine “normale“ Autowerkstatt eine größere Re-paratur vorgenommen hat. Man muß sich als Kfz-Mechaniker nicht mit allen Autos bis ins kleinste Detail auskennen, aber eine gewisse Logik beim Auseinanderbauen, bzw. beim Wiederzusammenbasteln sollte doch nach einer 3-jährigen Lehre und entsprechender Berufserfahrung als Voraussetzung gelten. Und so kompliziert ist die Ententechnik ja sicher nicht, was machen die Buben, wenn’s mal wirklich tricky wird ?
So hatte ich letztens eine Ente in der Werkstatt, an der das Getriebe und der Hauptbremszylinder gewech-selt wurden.

Ein kleiner Auszug an unlogischen Meisterleistungen einer Kfz-Meister-Werkstatt: Der Haupt-bremszylinder wurde, so wie er verpackt war eingebaut, das heißt ohne Bremsleitungsdichtungen und ohne Zwischenbuchsen an der Pedalerie, dem Kunden blieb immer das Kupplungspedal an der Bodenmatte unten hängen, weil die Pedalerie irgendwie auf halb acht hing. Das Fehlen der Bremsleitungsdichtungen wurde einfach durch einen vermutlich nicht mehr meßbaren Drehmoment was die Überwurfmutter der Anschlüsse betrifft kompensiert. Davon abgesehen wurde ein Hauptbremszylinder für DOT-Bremsflüssig-keit in eine LHM-Ente montiert.

Auch eine interessante Variante der Verwechslung, was die Sache mit der Bremsflüssigkeit angeht. Eine Schraube der Antriebswellen an der Bremsscheibe war abgerissen, es sind ja noch fünf andere da. Und ich armer Idiot habe versucht den abgerissenen Bolzen Härte 10.9 aus dem Antriebswellenflansch zu bohren. Manchmal klappts ja, aber schlußendlich mußte ich doch den Flansch auswechseln. Die Handbremse auf der linken Seite war ohne Wirkung, dafür waren die Handbremsseile vertauscht eingebaut, mit dem Ergebnis, daß der eine Zug quasi ums Auspuffrohr gewickelt war. Ebenso die Zündkabel, die kleben ja hervorragend am Auspuffkrümmer und lockern sich dann nicht . . .

Die Heizungszüge waren gut festgeschraubt, leider auch vertauscht, damit man abwechselnd rechts auf und links zumachen kann, hat Unterhaltungswert im Winter wie im Sommer. Der Schalthebel war lieblos und verdreht festgeschraubt, damit die Gangwechsel etwas abenteuerlicher vonstatten gehen. Die Dis-tanzbuchse der Lichtverstellung wurde vermutlich Opfer der Schwerkraft und danach vergessen. Der Kunde hat sich in eigener Genialität die Buchse selbst wieder zurechtgesägt und eingebaut. Er hat mir auch erzählt, daß die Wärmetauscher am Anfang rechts/links verkehrt herum eingebaut waren und die Komiker den Auspuff dennoch irgendwie dicht gekriegt haben. Ich habe das ehrlich gesagt selber noch nicht pro-biert, bin ja schließlich kein Kfz-Meister. Aber es liegt mir fern eine solche Meisterleistung zu probieren . . .

Naja und das übliche Chaos im Bereich Kabelbaum, der über allerlei Schikanen nach vorne gewurschtelt wurde, wenn’s dem heiß wird ist der Stromfluß ja sicher besser, 3. Lehrjahr Kfz-Mechaniker. Und man muß sich keine Gedanken machen wozu der Halter am Luftfilter ist, vielleicht zum Zigarrenschmuggeln?
Im Bereich Bremsen hört der Spaß dann wirklich auf. Das Befüllen von Scheibenbrems-Enten mit DOT-Bremsflüssigkeit ist so das beliebteste, das auch Citroën-Werkstätten mit steigender Begeisterung veranstalten.

Verkehrt herum eingebaute Bremsklötze, also mit dem Metall zur Scheibe ist da schon seltener. Aber als die Kundin dann in der Werkstatt fragte, warum das sich nach der Reparatur so komisch anhört beim Bremsen und sie die Antwort erhält, daß sich das noch einschleifen müsse, so frage ich mich manchmal, was die Leute eigentlich denken, die so einen Pfusch bauen. Eine Entenwerkstatt in Berlin hat auch mal versucht die hinteren Bremsen zu entquietschen. Nach mehrmaligem Aus- und Einbau der Trommel mit halblebigen Zentrierversuchen wurden schlußendlich einfach die Bremsbeläge mit Kupferpaste eingeschmiert. Richtig, Auftrag war, daß die Bremsen nicht mehr quietschen sollen, niemand hat gesagt, daß die Bremse hinterher noch funktionieren soll . . .

Eine weitere Meisterleistung einer Citroën-Werkstatt war der Wiedereinbau der Bremssättel nach Scheibenwechsel. Einer war schlicht verkehrt herum eingebaut. Im Bereich Fahrwerk wird auch gerne gebastelt. Wenn man zum Beispiel beim Lösen der Antriebswellen-mutter abrutscht und das Gewinde eines Radbolzens der Nabe ruiniert, so flext man einfach so lange rum, bis nur noch gutes Gewinde da ist. Daß die Schraube dann nur noch eine dreiviertel Umdrehung greift ist dann irrelevant, sind ja noch zwei Schrauben dran . . .

Das Erneuern der Achsschenkelbolzen durch eine Feld-Wald-und-Wiesen-Werkstatt endet oft als übler Pfusch. In Ermangelung geeigneten Werkzeuges ist das Spiel mit den neuen Bolzen oft schlimmer als vorher. An einer Ente, an der das vor einem halben Jahr passiert ist war das Spiel des Achsschenkelbolzen oben am Rad ca. 3 cm ! Auf der anderen Seite ca. 1 cm, anscheinend haben die auf der einen Seite probiert und die gröbsten Fehler auf der anderen Seite unterlassen. Dafür haben die Kasper den Bolzen trocken verbaut und auch nicht abgeschmiert. Oder es werden einfach die Schmiernippel entfernt, ist doch Vorkriegstechnik und überhaupt alles Gewicht . . .

Interessant war auch die Rechnung eines Clubkameraden, der in einer Citroën-Werkstatt zwecks Kundendienst war, Ölwechsel, Zündung usw. Auf der Rechnung waren 4 Zündkerzen berechnet - von einer Citroën-Werkstatt ! Und es war eine gelbe Charleston und keine Sahara . . .

Den besten Gag hat mal ein Azubi bei Citroën gebracht, als er an einer Ente Ölwechsel machen sollte. Es wurden 6 Liter Öl berechnet. Dem Besitzer der Ente der Ente war das völlig klar, warum soviel. Als er auf den Werkstatthof kam, um seine Ente abzuholen sah er da den Typen an seiner Ente stehen, der gerade mit einem Schlauch und einem Trichter versuchte über das Rohr des Meßstabes die Ente mit Öl zu füttern. Der Einfüllstutzen wurde vermutlich zum Befüllen des Kühlwassers gedeutet . . .

Daß da gut und gerne über die Hälfte in den Motorraum und auf dem Boden kleckert ist ja klar und das wird dann auch auf die Rechnung geklatscht . . .

Fehler in Büchern sind normal. Auch in mienem . . .

Rächtschreibung ist so eine Sache, da braucht man einen guten Läcktor. Inhaltliche Fehler werden dann aber gerne übersehen und auch in neueren Auflagen mit sturer Beharr-lichkeit abgedruckt. So z.B. in der blauen Reparaturanleitung von Bucheli. Originalauszug aus dem Vorwort : Verwenden Sie nur Originalersatzteile von Renault. Na das probieren wir doch mal . . .

In der neuesten Auflage (Band 1202) dieser Reparaturanleitung ist im Schaltplan für die Club bzw. Special im hinteren Kabelstrang ein zweiter Öldruckschalter bezeichnet, waren das jetzt doch Neuauflagen der Sahara ? Zur Erklärung: es sollte die Innenbeleuchtung sein . . .

Auf Seite 115 zum Betrachten des Bildes Nr. 212 das Buch bitte um 180° drehen oder die Ente . . . dann ist die hintere Bremse in der richtigen Lage . . .

In einem neuen Entenbuch (hellblau / DIN A 4 . . . ich nenne keine Namen . . . )

ist unter der Maßzeichnung der Ente dieses Fahrzeug als 2 CV 8 bezeichnet . . .

ist mir da was entgangen ? Im gleichen Buch ist die orange Schmalente vom Schweizer Welttreffen als Threewheeler untertitelt. Wer aber zählen kann sieht, daß da noch alle vier dran sind . . .

Und eine normale Ente im Offroadlook wird kurzerhand als Sahara bezeichnet, nur weil das Ersatzrad auf der Motorhaube ist und im zugeklebten 3. Seitenfenster gefakte Lüftungsschlitze sind . . .

In einem anderen Entenbuch wird in einer Checkliste für Ersatzteile für Fernreisen angegeben eine Ver-teilerkappe mitzunehmen. Die kann man sich dann auf den Kopf stellen und einen indianischen Zündungs-tanz um die Ente veranstalten, wenn das Vieh nicht anspringen will, ehrlich das funktioniert ! Darüber hinaus soll eine Spurstange mit Bügel für vorne und hinten mitgenommen werden. Mit Bügel meinen die wohl den Lenkhebel, aber ich weiß ganz genau, daß die Ente nur vorne Spurstangen zum Lenken hat . . .

oder doch wieder so eine Sondervariante, die an mir vorbei ging ? Das Highlight in dieser Not-Ersatzteile-Liste ist aber der Hinweis Kunstharz und Glasfasermatten für Notreparaturen am Rahmen mitzunehmen. Fehlt eigentlich nur noch, daß man Dachlatten und eine Handvoll Spax für die Rahmenverstärkung verwenden soll oder doch lieber alles mit Isoband dauerhaft fixieren. . . ?

Interessant auch der Aufdruck auf einer Ölfilterverpackung original von Citroën für welche Autos dieses Teil nun ist: 2 CV 4 / 2 CV 6, Dyane usw. Ist anscheinend Citroën seit den letzten 30 Jahren nicht aufgefallen, daß die 4-er Ente gar keinen Ölfilter hat ! Aber auch die freien Teilehändler haben in ihren Listen Kuriositäten anzubieten. So wird ein Schraubenset aus Edelstahl für die hinteren Kotflügel detailliert mit der DIN-Nr. und den Abmessungen der Schrauben aufgelistet.

Aber wozu brauche ich 5 Schrauben für die Befestigung außen? Gab es doch mal Enten, die 15 cm höher waren oder geht der Händler davon aus, daß ich über dem Gully schraube und immer eine Schraube der Kanalisation zugeht ? Bei einem Teil haben sich die Buben aber zusammengetan, da in fast allen Listen der Teilehändler der Kantbolzen für die Federstrebenaufnahme an den Achsen als ein Teil mit einer Artikelnummer angeboten wird. Aber leider sind die Teile unterschied-lich, denn der hintere Bolzen ist dicker als der vordere. Welchen kriegt man jetzt dann, wenn man so ein Ding bestellt, oder wird dann eine Feile mitgeliefert zum dünnermachen oder Tesakrepp zum umwickeln. Muß ich vielleicht doch mal ordern, schaun mer mal was dann ankommt.

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