UNSAFE at any speed

Diesen Spruch habe ich auf der Heckklappe meiner Alltags-Kampf-Ente. Sie habe ich 1992 von Steffi geschenkt bekommen, ohne TÜV, dafür mit massivem Bremsenschaden ( hurra - DOT ). Es ist eine 82er in Rouge de Castille, dieses schöne dunklere Rot, allerdings hatte die Vorbesitzerin mit der Sprühdose weiße Punkte draufgejaucht. Ich reparierte die Bremse und betüvte die Ente und die erste größere Fahrt führte Uli, meine damalige Freundin und mich nach Nordfriesland, wo mir auch gleich die Fliehkraftfeder der Zünd-verstellung zerbröselte.

Dank der Adressen im APUA-HELP konnte ich dort einen Entenbastler ausfindig machen, der mir das Teil sogar schenkte. Allerdings hatte ich das Heft nicht dabei und ich mußte meine Mutter per Telefon an mein Bücherregal lotsen, um mir dann die Adressen durchzugeben. Da es auf den Lack nicht mehr drauf ankam, auch deshalb, weil beide Vordertüren untenrum durchgerostet waren, tünchte ich die Ente in hammer-schlag anthrazit. So wurde auch Luise, meine erste Ente teilweise wiederbelebt, in Form einer Beifahrertür. Irgendwann habe ich mit der Sprühdose hammerschlag silber als Streifen auf die Motorhaube, Schweller, Kotflügel und so reingenebelt, da mir die Einfarbigkeit zu langweilig war.

Das hielt dann auch eine Weile, bis mal Jochen mit seiner roten Charleston in der Scheune auftauchte und wir nach mehreren Beck’s den Entschluß fassten die Ente zu lackieren. Bunt sollte sie werden. Ich packte also meine Sprühdosen aus und wir nebelten drauf los, aber so, daß der Lack richtig runtertriefte, teilweise in nassen Lack noch mit U-Schutz drauf, als Gipfel noch gelbe Farbe in eine Spritze gezogen und an der Ente vorbeigelaufen . . . Flatsch.

Das Entfinish ist gewöhnungsbedürftig, aber gottseidank gibt es verschiedene Geschmäcker. Dann kamen nach und nach verschiedenste Anbauteile wie eine zornige Rohrstoßstange vorne mit Unterfahrblech bis unters Getriebe, gelbe Zusatzscheinwerfer, eine Fußmatte als Winterabdeckung ( dekadenterweise hat UNSAFE den alten Alu-Winkelgrill drauf, gelb übergejaucht . . .

sowie die alten Türgriffe, genannt Geierschnäbel und einen seltenen Heckklappengriff von der Dyane ), die hintere Stoßstange ist ein zölliges Wasserrohr mit Bogen und Stopfen auf die Stoßstangenhalter geschweißt. Auf dem Dach ist dann noch ein Mega-Gepäckträger, so ein auf zwei Meter, es paßt sogar eine Enten-Rohkarosserie drauf . . .

oder wahlweise ein 6m-Boot, das mal unter heftigem Geschaukel durch Berlin gekarrt wurde. Die Straße gehörte mir, da sich niemand traute dieses schwankende Schiff zu überholen. Im Innenraum herrscht Luxus pur: Recaro-Sitze, vier Lautsprecher, Heckscheibenheizung und Heckwischer, Gebläse (beidseitig), Intervall-Scheibenwischer, beleuchteter Aschenbecher mit Zigarettenanzünder, Seitenblinker vom alten AK, 3. Bremsleuchte undundund. Ein Special-Feature ist mein Rückfahrscheinwerfer. Es ist ein eckiger Enten-Scheinwerfer mit H4-Birne auf Fernlicht geschaltet, der unter den Kofferraumboden geschraubt ist und natürlich per Schalter meinerseits aktiviert werden kann.

So kann ich die freundlichen BMW-Fahrer, die mich auf der Autobahn mit Fernlicht grüßen ebenso freundlich zurückgrüßen. Im Sommer 2000 habe ich von Rene aus Kiel ein Hardtop für UNSAFE erstanden. Das Ding sieht irgendwie häßlich aus, das Dach geht hinten gerade weiter, die Heckscheibe steht senkrecht. Auf jeder normalen Ente sieht das wie eine bös-artige Mutation aus. Nicht aber an UNSAFE. Meine Freundin Kathrin hat das Ding in besagtem hammerschlag anthrazit angepinselt. UNSAFE sieht dadurch aus wie aus Titan gemeißelt , abgesehen davon schließt das Hardtop perfekt mit dem Dachgepäckträger hinten ab, so wirkt alles wie aus einem Guß.

Um den Dachge-päckträger nicht so farblos aussehen zu lassen habe ich verschiedene Qietscheentchen angebracht. Kathrin hat dann aus der Ente hinten eine Punker-Ente gebastelt. Ein eingetrockneter Pinsel wurde abschnitten und als Iro aufgeklebt. Die Quietsche-Ente vorne bekam einen Heiligenschein in Form einer U-Scheibe und Schweißdraht. Auf die Motorhaube habe ich eine Donald-Figur geschraubt, aufm Surfbrett. In akribischer Kleinarbeit malte Kathrin Gischt und Wellen außenrum. Leider fehlte irgendwann unser Donald, aber Ersatz war bald gefunden.

Damit man von hinten überhaupt noch erkennen kann, was das jetzt für ein Fahrzeug ist, habe ich aus einem zerbröselten Kühlergrill die Citroënwinkel genommen und mit Schweißdraht an den Gepäckträger gerödelt, baumelt dann immer so schön. Es ist aber schon erstaunlich, daß sehr selten irgendwelche Idioten an UNSAFE Accessoires beschädigen oder abreißen. UNSAFE strahlt wahrscheinlich einen Respekt aus, daß man da halt nicht ran geht. Außerdem bringts ja nicht den Lack zu zerkratzen, würde ich sowieso nichts bemerken . . .

Cool ist auch meine Handy-Halterung. Die Gesichter der Mercedes-Coupefahrer sind immer eine Augen-weide, wenn ich mit UNSAFE neben denen an die Ampel rolle. Verschreckter Blick ob des äußerlichen Zustandes, dann legt der Heckwischer los und der Entenfahrer telefoniert grade. Da habe ich schon tolle Szenen erlebt, wenn ich den Mercedes bei grün ausbeschleunige - ja das geht wirklich, aber nur wenn der Pilot des Mercedes abgelenkt wird, z.B. durch UNSAFE . . .

und den Spruch auf der Heckklappe “UNSAFE AT ANY SPEED“. Ihr müßtet echt mal sehen, wie manche Leute da gucken, weil die das von der Ente ja nicht anders kennen, so von wegen Totalschaden schon beim Einparken. Aber dann pinselt das ein verstrahlter Entenfahrer quasi als Bestätigung noch hinten drauf. Wer muß sich dann verarscht vorkommen ?

Es sind aber auch sehr viele positive Resonanzen der Menschen zu verzeichnen, vor allem von Kindern, die UNSAFE als lustigen Farbtupfer im Euro-Einheits-Auto-Brei mit Lachen grüßen. UNSAFE grinst dann auch immer zurück, eigentlich grinst sie immer. Sie ist auch schon von vielen Leuten im Fotoalbum verewigt. Nicht nur im Zuge einer Fotosession auf einem Treffen. Am Checkpoint Charlie in Berlin steht quasi als Denkmal ein bunt angepinselter Trabbi. Ich stand da grad abends an der Ampel und das Blitzlichtgewitter von ca. 20 Japanern malträtierte den Trabbi, bis einer von denen UNSAFE erblickte und der seine Kumpels alarmierte. Danach ging eine Salve von Fuji- und Konica-Blitzen auf UNSAFE nieder. Was heißt UNSAFE eigentlich auf japanisch ?

Eine andere Situation ereignete sich auf der A9, als ich mit Johannes auf dem Weg nach Berlin war. UNSAFE lieferte sich ein erbittertes Duell mit einem Reisebus. Das übliche halt, bergab UNSAFE vorne, bergauf zieht der Bus vorbei. Der Busfahrer war ganz gut drauf und wir hupten und lichthupten uns an. Der Rest vom Bus hat dann auch irgendwann mitgekriegt, welch komisches Gefährt da die ganze Zeit den Bus umkreist. Als der Bus mal wieder vorbeizog, sich vor uns setzte und ich mich gleich in den Windschatten saugte, blitzte es aus dem Rückfenster und UNSAFE war mal wieder die Diva.

Im Herbst 2000 ist Kathrin dann eine Weile mit UNSAFE unterwegs gewesen, da die Ente Ihrer Mutter nicht mehr verfügbar war. Kathrin macht gerade ein Lehre bei Daimler und ist natürlich mit UNSAFE auf den Werksparkplatz gekurvt. Sie wurde tatsächlich akzeptiert mit diesem Gefährt und sie hat ihren Kollegen auch glaubhaft mitteilen können, daß diese Ente nicht morgen oder so auseinanderfällt.

Bis auf den einen Typen vom Werkschutz, der Kathrin darauf aufmerksam machte, daß eine Halterung der Zu-satzscheinwerfer gebrochen war und das Ding irgendwo zwischen Kotflügel und Stoßstange hing und weißdergeier wohin leuchtete. Um nicht den ganzen Zorn dieses Firmenimperiums auf Kathrin und UNSAFE zu ziehen, habe ich am selben Abend noch den Scheinwerfer wieder ordnungsgemäß an UNSAFE gebraten.

Mit UNSAFE bin ich 1997 so ca. zehn bis zwölfmal Mühlacker-Berlin und zurück gefahren, jedesmal knapp 1500 km. UNSAFE hielt durch ohne zu mucken, naja nicht ganz, die ostdeutschen Autobahnen haben ihr die Lenkung ruiniert und das Getriebe hat sich auch mal verabschiedet, aber sie blieb nie stehen. Und UNSAFE rennt wie Sau. Mittels größerer Vergaserdüse in der zweiten Stufe und diversen Einstellungen pöttert sie im Standgas wie ein Schiffsdiesel, hängt am Gas wie Schumis Ferrari und geht auf der Autobahn bis die Tachonadel am Amperemeter rauskommt. Bei UNSAFE setze ich nur auf Funktionalität, wird ein Kotflügel eingedrückt, so wird er wieder in Form gebracht und nicht ausgetauscht, außerdem kriege ich diese Lackierung nie wieder hin. Die Fahrertür, die trotz Austausch untenrum in krokantösen Zustand überging, habe ich durch Einschweißen eines Innenteils einer anderen guten Tür gerettet, ohne die Aussenhaut ihrer Lackierung zu berauben . . . .

Risse im Kotflügel werden mit einer Schweißraupe beseitigt, Zinkspray drauf und gut. Komischerweise habe ich mit der Polizei so gut wie nie Streß gehabt. UNSAFE sieht von außen schon sehr abenteuerlich aus, aber es fallen keine Teile ab und sie ist weitestgehend rostfrei. Bei Kontrollen habe ich da auch nie Pro-bleme, TÜV und AU ok, ebenso die Reifen. Technisch ist UNSAFE makellos. Allerdings versuchen einige Beamte - mit noch nicht so vielen Sternchen auf der Schulterklappe - UNSAFE und mir den Spaß zu ver-miesen. So von wegen irgendwas werden wir schon finden.

Und manche schwäbische Polizisten legen da teilweise Maßstäbe an, die zwar streng nach Gesetzen und Paragraphen richtig sind, aber von einem Finger-spitzengefühl in Form einer Abrissbirne zeugen.Einmal habe ich einen Mängelbericht gekriegt, weil die Zusatzscheinwerfer an meiner Rohrstoßstange Gitter davor haben. Ok, in Berlin fahren die Polizei-Busse teilweise mit ganzen Gartenzäunen vor den Scheiben rum, aber als normal sterblicher Verkehrsteilnehmer darf man das nun mal nicht. Nicht mal vor den Scheinwerfern. Naja, jedenfalls hatte ich nun diesen Zettel an UNSAFE gepinnt gekriegt und mußte reagieren. Die Gitter rausflexen wollte ich nicht, wie sieht das denn aus . . .

Also zog ich die logische Konsequenz und baute die Scheinwerfer ab, da sich der Mängelbericht auf die vergitterten Scheinwerfer bezog und fuhr zum Polizeirevier um zu zeigen, daß meine Ente jetzt wieder legalisiert ist. Der Polizist guckte sich das an und meinte, die Gitter sind ja immer noch dran, wogegen ich meinte, ja, aber die Scheinwerfer sind ja nicht mehr dran und es gehe wohl um vergitterte Scheinwerfer und nicht um das Gitter als solches. Zugegeben, es war etwas spitzfindig von mir, aber ich habe so gehandelt, wie es im Mängelbericht definiert war. Das brachte den Polizisten langsam auf Touren und er zog nach und nach seine Kollegen hinzu, bis das Revier verwaist war und alle auf meine Ente starrten. Nach langen Diskussionen ließen sie mich dann ziehen und der Mängelbericht war erledigt. Eine viertel Stunde später habe ich meine heißgeliebten Scheinwerfer natürlich wieder an UNSAFE montiert . . .

Als ich mal Sebastian UNSAFE auslieh, weil der TÜV seiner Charlie alle war, hat er etwas mehr Trouble mit den Ordnungshütern gehabt. Er fuhr nichts Böses ahnend durch Berlin und alles war gut. Bis zu dem Zeit-punkt, als zwei oder drei dunkle Limousinen UNSAFE einkreisten, abdrängten und zum Halten zwangen. Aus den Autos stürzten ziemlich viele Zivilpolizisten und setzen UNSAFE und Sebastian erst mal fest. Er mußte 30 min warten und durfte dann weiterfahren. Erklärung des ganzen Szenarios war, daß UNSAFE und Se-bastian auf die Route zufuhren, wo gleich darauf Bill Clinton mit seinem Staatstroß durch wollte. Und da UNSAFE für die Polizisten eine potentielle Gefahr darstellte, haben sie beide erst mal kurzfristig aus dem Verkehr gezogen. Vielleicht hätte ja Sebastian mit einer Quietsche-Ente vom Dachgepäckträger einen Anschlag auf den US-Präsidenten verübt - wäre was für die Muppets-Show gewesen . . .

Den heftigsten Mängelbericht erhielt UNSAFE nach einem feuchtfröhlichen Nachmittag auf der Wiese vor meiner Scheune mit Jochen. Eine der leeren Becks-Dosen wurde ihrem Deckel und Boden beraubt und ich schraubte das Ding an UNSAFE´s kurzes Endrohr. Mit dieser Auspuffblende fuhr ich ´ne Weile rum, bis ich mal nach dem Entenstammtisch UNSAFE vor dem Lokal übernachten ließ. Ich taperte am nächsten Tag zu UNSAFE und der Wirt des Lokals kam rausgestürzt, als ich losfahren wollte und meinte, da wären irre viel Polizisten um UNSAFE rumgestanden und hätten Fotos gemacht und viel geschrieben. Erst jetzt sah ich den gelben Zettel, auf dem die Becks-Dose bemängelt wurde. Daß ich die Türen nicht abgeschlossen habe und die AU alle war, hat die Polizisten nicht gestört. Also losgezogen, erst mal die Becks-Dose demontiert, präventiv AU gemacht und ab zum Polizeirevier. Alles klar Becks-Dose weg, Mängelbericht erledigt. Dachte ich. Über drei Monate später bekam ich einen Bußgeldbescheid.

Im März 2001 ist dann der TÜV von UNSAFE alle gewesen und ich hatte keine Zeit UNSAFE zu betüven, und vor allem war es so bequem, einfach in Benjamin, meine Rechtslenker-Dolly umzusteigen, die sinnvoller-weise ein Saisonkennzeichen von April bis Oktober hat. Im August sind wir dann mit der Werkstatt nach Reinickendorf umgezogen und UNSAFE hat diesen Umzug illegaler Weise auf eigenen vier Rädern vollzogen. Dann stand sie in der neuen Werkstatt und wir mußten erst mal Enten schrauben, um die Miete und die Kosten des Umzugs zu bestreiten. In kurzen, aber effektiven Freizeiten wurde von Kathrin, Jochen und mir UNSAFE langsam aber sicher entblättert. Motor und Getriebe waren schnell draußen, die Bremsleitungen vorsorglich abgeknipst, daß ich dann doch neue einbaue . . .

Die Sache mit der Entblätterung war im Bereich des Bodenbleches, Schweller, Gurtverschraubungen, Sitzschienen und so nicht nur ein Wortspiel, sondern harte, nein eher weiche Realität. Die Schweller lassen sich ohne Flex entfernen und der Radlauf samt C-Säule hinten rechts glänzt durch Abwesenheit, naja an den Stellen rostet es jedenfalls nicht mehr. Ich hatte im Sinn UNSAFE bis zum 1. November auf der Straße zu haben, aber es hat nicht hingehauen, aber am 1. November darf ich ultimativ nicht mehr mit Benjamin fahren. Werde jetzt wohl eine aufgegebene rote Charleston einer Kundin mit TÜV bis Dezember als Über-gang fahren, bis UNSAFE fertig ist.

Jeder Kunde der reinkommt und UNSAFE sieht wird reichlich blaß um die Nase und wundert sich warum ich einen solchen Schrotthaufen mit so teuren Blechen und Teile ausstatten will, aber diejenigen, die UNSAFE nicht kennen können es schlecht nachvollziehen, was UNSAFE ausmacht. Aber ich werde alles dararn setzen, UNSAFE zu reanimieren, weil es verdammten Spaß machen wird wieder aml mit UNSAFE durch Berlin zu brettern. Ich auch !

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