Warum ich eigentlich Ente fahre

Tja, das ist eigentlich ganz einfach. Das war 1985 im Frühjahr, da hatte Schwenki, ein Kumpel von mir den Führerschein gemacht und bekam von Bernd einen Käfer geschenkt, der aber bald zerfiel. Dann kaufte er sich einen schwarzen 03er-Käfer. Mir war völlig klar, daß, wenn ich im Herbst den Führerschein mache auch ein rundes, altes Auto will und keinen Fiesta oder Polo. Ich mußte mir aber erst die Kohle dazu verdienen. So arbeitete ich in den Sommerferien bei der Kühlerfabrik Behr in Mühlacker und verdiente da 1900 DM. Ein Feuerwehrkamerad, Gowig fuhr zu der Zeit eine schwarz-rote Carleston-Ente.

Der erzählte mir, daß eine Freundin ihre Ente verkaufen will. Ich also mit Schwenki dorthin, weil der muß sich ja mit Autos aus-kennen, da er schon seit Monaten den Führerschein hat. Und ich keinen Plan. Da stand sie nun, Luise hieß sie, in orange mit grünem Dach, fehlte nur noch die Jägermeister-Werbung. Schwenki lief um die Ente rum, zählte die Räder, suchte den Motor, alles da, gekauft. Ich handelte die Ente noch von DM 750 auf DM 710 runter.

Allerdings hatte ich noch keinen Führerschein und so stellten wir Luise bei Schwenki hinters Haus und meldeten sie ab. Gowig hat mich dann gleich mit in den Entenclub gezerrt, zu dem ich erst mal mit dem Fahrrad hin müßte. Im Oktober hatte ich dann den Führerschein für DM 1199 in der Tasche und keinen Pfennig Kohle mehr. Die Steuer zahlte meine Mutter und das erste Vierteljahr Versicherung kratzte ich irgendwie zusammen. Da stand sie nun vor der Tür, versichert, versteuert, der Pilot mit Lizenz, aber ohne Sprit. Die erste Zeit tankte ich am Schrottplatz, wo wir den Sprit aus den Schrottautos abzapften. . .

Diese Zeit war schon eine wilde, Schwenki stopfte seinen Käfer mit Leuten voll und ich meine Luise und am Wochenende nach Stuttgart oder Karlsruhe in die Discos. Dann fingen Schwenki und ich irgendwann an wild zu basteln. Aus irgendwelchen Relikten vom Schrottplatz bauten wir uns Zusatzleuchten, Innenleuch-ten, Heckwischer und wasweißichwas an unsere Vehikel. Ich kann mich noch an Weihnachten so 1988 oder so erinnern, als wir auf Schwenkis Käfer einen Mercedes-Kühlergrill bastelten. Es war eine heftige Aktion, an den Feiertagen im Keller rumgeflext, ’ne Kühlschrankrückwand vom Schrott geholt, ein Riesen-blech auf die offene Ente gelegt, Holzes saß vorne und hielt das Blech mit der Hand und Mason hinten, es war wirklich eine wilde Zeit. Rumgepfuscht ohne Ende, aber auch viel gelernt.

Ich hatte auch zahllose Unfälle, meist unverschuldet, Luise und dann meine zweite Ente, der Detlef waren manchmal gut zer-fleddert. Ich weiß selber nicht mehr so genau was ich so alles touchiert habe, bzw. was alles an meinen Enten zerschellte. Einmal habe ich ‘nem BMW die Vorfahrt genommen, dann rauschte mir ein Moped hinten rein und auch mal eine Geschäftskollegin. Ein LKW hat mir mal den Kotflügel vorne weggefahren und auf einer engen Straße kam mir in einer Kurve ein Bus entgegen. Begegnungsverkehr in der Einbahnstraße undundund. Der beste Crash war mal in Pforzheim auf einem Parkplatz als ich einem stinkenigelnagelneuen Mercedes mit meiner Rohrstoßstange rückwärts so in die Fahrertür gefahren bin, daß die Tür nicht mehr aufging. Und dann war das noch so ein hohes Tier von der Bundesbank mit hysterischer Ehefrau auf dem Beifahrersitz. Auweia !

Dann hatte ich noch zwei heftige Crashs als ich nach einer Alarmierung zur Feuer-wehr unterwegs war. Tja die Sturm- und Drangzeit, ich habe sie als volles Programm durchgezogen. Die dritte Ente habe ich heute noch, meine schwarze Ente namens Mephisto. Die habe ich pfleglicher gefahren und nicht so viele Karosserieteile an Fremdfahrzeugen kaltverformt wie bei Luise und Detlef. Dazwischen waren noch allerlei Winterenten. Ich wollte eigentlich erklären, warum ich Ente fahre, so ganz plausibel ist es glaube ich nicht geworden. Es liegt wahrscheinlich daran, daß ich selber nicht weiß, warum mich die Ente gleich von Anfang an so faszinierte, da mir die eigentliche Philosphie erst viel später klar wurde. Jedenfalls, eins kann ich mit Sicherheit sagen : Ich bereue nichts !

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