Entiana Jones IV

Auf der Suche nach der verlorenen, festgefahrenen Schneedecke

Dr. Jones mußte diese Herausforderung annehmen. Nach mehreren Wintern ohne echten Schnee, der ja sofort weggesalzt wird, dafür aber Blitzeis-Katastrophen folgte er der Aufforderung eines 2 CV-Clubs, deren Enten durch die Salzerei wegrosten, dafür aber beste Wintereigenschaften besitzen – wenn die Enten noch vorhanden sind. Sein Auftrag war klar: Finden Sie eine festgefahrene Schneedecke, mindestens 5 cm Dicke in den Grenzen der Bundesrepublik Deutschland. Diese Mission stellt Entiana Jones vor seine größte Aufgabe, die er je gestellt bekam. Denn, wenn sich in Deutschland eine Schneeflocke aus einer Wolke löst, so stürzen sich mehrere orange LKWs beladen mit Tonnen von Streusalz auf diese arme Flocke, als wollten sie sie erschlagen. Also bedarf es einer durchdachten logistischen Vorbereitung, damit sich Entiana dieser Herausforderung stellen kann.

Als erstes besorgte er sich auf dem französischen Reifen-Schwarzmarkt einen Satz 135er-XM+S-Winterreifen für sein Entiana-Mobil, ein Deux-Chevaux, besser ausgerüstet als der Aston Martin DB4 von Jimmy Blondi. Den Satz Reifen bekam er im Tausch für seine aztekische Goldmaskensammlung, die er vorletztes Jahr in Peru unter Lebensgefahr geborgen hatte. Standardausrüstung wie Schneeflocken-Nachtsichtgerät, Salzvernichtungsmaschinerie in Form von 20 Ziegen sowie ein Satz Schneeketten vom OBI-Baumarkt für 12,95 Öros hatte er schon an Bord. So gerüstet bewegte sich Entiana im Schutz der aufkommenden Dämmerung langsam in Richtung Fichtelgebirge. Seine neueste Errungenschaft, ein GPS ( Gerät zur Positionsbestimmung von Schneeflocken ) meldete ein schwaches Signal aus dieser Region. Leider waren die orangen LKWs schneller und haben die Flocke unter einem Berg Salz begraben, der auch für die Ziegen nicht zu bewältigen gewesen wäre. Deprimiert schlug Entiana sein Nachtlager auf, das GPS auf standby und die Ziegen als Tarnung und Kuscheldecke um den Schlafsack drapiert. Ganz schöner Gestank hier dachte sich Entiana, aber daran werden sich die Ziegen wohl gewöhnen müssen.

Gegen halb vier schlug das GPS Alarm, in der Nähe von Erlangen zeigte sich ein starkes Schneeflockensignal. Entiana weckte die Ziegen und sein Entiana-Mobil und brauste sofort los. Im Zielgebiet angekommen waren tatsächlich mehrere Schneeflocken bis zum Boden durchgekommen und formierten sich zu einer geschlossenen Einheit. Am Horizont sah Entiana aber schon das unheilvolle Blitzen einer orangen Rundumkennleuchte (DIN 08/15 O/B). Entiana schickte 18 Ziegen ( zwei sollen noch zum Kuscheln übrig bleiben ) dem orangen LKW entgegen. Die Ziegen meisterten den Angriff bravourös. Eine Vorhut enterte das Fahrerhaus, um den Fahrer abzulenken, der eigentliche Sturmtrupp schwang sich auf die Ladefläche, um das Salz aufzulecken. Es war ein Blitzangriff, der orange LKW hatte keine Chance und blieb salzlos liegen. Sofort begann Entiana die verschneite Straße weiträumig abzusperren, montierte Umleitungsschilder und informierte unter falschem Namen die Radiostationen, damit niemand auf die Idee kam hier durchzufahren. Die Flocken fielen stetig und Entiana begrüßte jede einzelne um sie einzuweisen, damit sie nicht außerhalb der Schneedecke auftrifft. Schon bald hatte er mit dieser Vorgehensweise mindestens 500m der Straße mit einer einzigartigen Schneedecke mit ca. 5cm Dicke versehen. Entiana enterte sein Entiana-Mobil und fuhr die Straße immer hoch und runter, um den Schnee jetzt festzufahren und es gelang ihm. Mit den Winterreifen preßte er die Flocken zu einer festen Einheit zusammen und es ergab sich eine perfekte Schnee-Fahrbahn, die Deutschland seit der Erfindung der orangen Rundumkennleuchte nie mehr gesehen hat. Entiana-Jones alarmierte den 2 CV-Club, der ihm dieses Abenteuer ermöglicht hat und meldete Vollzug: festgefahrene Schneedecke in Deutschland.

Aber plötzlich näherten sich Scheinwerfer, schnell, sehr schnell. Der Fahrer durchbrach Entianas Absperrungen und raste ungehemmt auf die akribisch formierte Schneedecke zu. Das Auto hielt kurzfristig die Spur, aber als es eine Kurve meistern wollte ( eigentlich keine Kurve, sondern nur eine geringfügige Richtungsänderung der Fahrbahn ) drehte sich das Auto und verließ zwanglos die Straße, um mit wildem Krachen und Plastikstoßstangenzerbrösel im Acker zu branden. Entiana alarmierte seine Ziegen ( die können nicht nur kuscheln und Salz lecken sondern auch ganz böse gucken . . . ) und eilte zu dem Wagen. Der Fahrer entstieg seinem Euro-Vernunfts-Einheits-Auto und starrte ungläubig auf den Schnee auf der Straße. Euro-Vernunfts-Einheits-Auto-Fahrer: Wasndas ey ? Entiana-Jones: Schnee ! Euro-Vernunfts-Einheits-Auto-Fahrer: Ey voll krass, was liegt der Sch... hier auffe Straße ? Entiana-Jones: es hat geschneit ! Euro-Vernunfts-Einheits-Auto-Fahrer: Abba isch hab noch nie den Sch... auffe Straße liegen sehen un isch hab neue Auto mit ABS, EPS, ASR unn voll kraß andere Schnickschnack ! Entiana-Jones: Schnee ist glatt ! Euro-Vernunfts-Einheits-Auto-Fahrer: Ehrlich, schwörst Du ? Entiana-Jones: Ich schwöre es Dir. In diesem Augenblick kam die ganze Armada des 2 CV-Clubs angebraust und fuhren die Straße hoch und runter. Salzfrei und perfekte Schneedecke. Der Clubpräsident übergab Entiana sein Honorar in einem dicken Briefumschlag und schwang sich sofort wieder in seine Ente, um dieses wundervolle Fahrgefühl auszukosten. Der Euro-Vernunfts-Einheits-Auto-Fahrer starrte mit offenem Mund auf die Enten, die sich sichtlich wohlfühlten. Er glotze sein zerbröseltes Euro-Vernunfts-Einheits-Auto an und brüllte Entiana-Jones an : Ey Alter, warum hab isch Bruch gemacht und die alte Rostbüchse fahre wie auffe Schiene auffe glatte Sch... ? Entianas Ziegen guckten jetzt etwas böser und der Euro-Vernunfts-Einheits-Auto-Fahrer lief verschreckt zu seinem Euro-Vernunfts-Einheits-Auto um sein Wrack vom ACDC bergen zu lassen (wenn der durchkommt bei dem Schnee – Anmerkung des Verfassers) .

Entiana-Jones war zufrieden, eine weitere Herausforderung gemeistert und er dachte schon über die Möglichkeit nach die festgefahrene Schneedecke zu sichern und sie in seinem Museum einzulagern. Kältetechnische Probleme hätte er nicht, da er seit Jahren keine Heizungsrechnung mehr gezahlt hat und Platz wäre im Untergeschoß auch noch. Aber er beschloß die Schneedecke an ihrem Platz zu lassen, damit sich noch andere Enten daran freuen können, bis das einsetzende Tauwetter daraus eine Legende werden läßt.

Anmerkung von Entiana Jones: Die genaue Position der festgefahrenen Schneedecke wird nur freigegeben, wenn eine notariell beglaubigte Briefkopie einer Ente an die email-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gesendet wird.

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