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Es gibt genug Bücher über die Ente,
die Geschichten rund um die Ente erzählen. Von Prototypen, Entwicklungsgeschichte,
Fernreisen oder so will ich nix schreiben. Dazu gibt es ja die anderen Bücher,
falls Ihr die Geschichten nicht kennen solltet, so studiert mal die Bücherliste
in meinem Buch.
Ich will also nicht von Abenteuern oder Situationen erzählen, die
irgendein ein Franzose irgendwann in den 50ern erlebt hat, sondern von
Dingen, die ich erlebt habe, da ja schließlich ich grade am PC sitze
und diese Geschichten schreibe. So versuche ich jetzt mal in der Anekdotenkiste
zu kramen und einige Erlebnisse zum Besten zu geben.
Lady Loupolopulus
Diese Dame ist meine AK 400 (Kasten-Ente), die ich 1990 über Klaus
aus Furtwangen erwerben konnte. Klaus und seine damalige Freundin Andrea
lerne ich 1989 in Orleans auf dem Welttreffen kennen. Plaketti aus der Schweiz
mit einer bambusgrünen Ente hatte am letzten Tag des Treffens per dreisprachiger
Lautsprecherdurchsage verlautbaren lassen, daß er einen Konvoi in
die Bretagne organisieren will. Das hat auch hervorragend funktioniert.
Am vereinbarten Treffpunkt standen zur richtigen Uhrzeit 9 Enten um ge-meinsam
in die Bretagne zu kacheln. Es war eine bunte Mischung :
Plaketti wie gesagt, dann noch Toni aus der Schweiz mit Tochter (ACDY gelb),
Mäggie aus dem Saarland (Ente rot), Andrea und Klaus aus Furt-wangen
(AK 400 rot), Hilke aus Friesland (Ente grau), Thomas aus Hamburg (Charlie
rot), sowie Uli und Geli (Charlie rot), Markus (Roadster schwarz) und ich
mit Mephisto. Soweit, wie ich Klaus kennengelernt habe. Auf dieser Konvoifahrt
und auch die Holztransportaktionen auf dem Campingplatz in der Bretagne
haben mich AK-infiziert und ich habe Klaus gesagt, wenn ihm mal so ein Ding
übern Weg läuft sofort zum Telefon zu wetzen. Das dauerte auch
nicht lange und Klaus erzählte was von einer AK aus Freiburg ohne TÜV
- DM 250 - zuschlagen. Im Kaufvertrag der Verkäufer stand dann ausdrücklich,
daß die AK Lady Loupolopulus heißt und am liebsten beim Schweißen
so genannt wird. . .
So stand dann also eine AK vor der Haustür, die karosseriemäßig
blätterteigmäßige Konsistenz aufwies. Bodenbleche, Schweller,
Quertraversen unter der Ladefläche undundund. Nach mehreren Telefonaten
quer durch die Republik (danke noch mal Mama, für die Kostenübernahme
) hatte ich dann alle Teile zusammen und brutzelte drauf los. Original-Bodenbleche,
die Traversen unter der Ladefläche, Heckbleche usw., dazu noch alle
AK-spezifischen Teile wie Hecktüren, Kotflügel hinten und die
Seitenklappen, alles nigelnagelneu.
Ich konnte bei Manne in der Garage an meine AK ran und schweißte alle
Teile ein, die Karosserieteile habe ich nicht gewechselt, da ich erst mal
zum TÜV wollte und die Kosmetik dann später machen will.( Ehrlich
gesagt ich bin bis heute noch nicht dazu gekommen) . Also fuhr ich mit einem
technisch und untenrum rostmäßig makellosen AK zum TÜV.
Nur das äußere Erscheinungsbild ließ doch noch etwas zu
wünschen übrig, er sah wirklich aus, wie wenn er frisch aus der
Mülltonne gekommen wäre. Auf dem TÜV-Hof stellte ich mich
brav in die Schlange, um die ungläubigen Blicke der anderen Autofahrer
zu erhaschen, die dachten wahrscheinlich, ich sei von der Versteckten Kamera
oder so. Besonders ein junger Herr mit einem Tief-breitzornig-VW Scirocco
konnte es sich nicht verkneifen einige Bemerkungen loszuwerden, so von wegen
hier werden keine Altautos angenommen . . .
Als ich dann in die Halle gewunken wurde kratzte sich das Prüferlein
am Hinterkopf, rückte seine Kassen-gestellbrille zurecht, klemmte seinen
Prüfbogen in die Schreibunterlage und begann die Prüfung mit dem
Kommentar “ Naja, da müssen wir wohl einen Exitus schreiben“.
Ich sagte nix und ließ ihn machen. Die übliche Prozedur beim
TÜV, AK auf die Grube, der Prüfer drunter . . .
dann minutenlanges Schweigen, danach auf den Bremsenprüfstand, der
Prüfer traute seinen Augen nicht, ich aber meinen neuen Bremsen. Schlußendlich
grinste ich den Prüfer an, als der die neue Plakette klebte und sich
vielleicht auch ein bißchen verarscht vorkam, weil die AK wirklich
ohne Mängel durch den TÜV kam. Äußeres Erscheinungsbild
ist gottseidank noch kein Prüfkriterium. Als ich dann aus der Halle
fuhr stand da der Typ mit dem Scirocco, wie er die Klebebandstreifen an
den Rückleuchten abpulte. Die hat er wohl draufgemacht, weil er keine
Kohle mehr für die coolen, verdunkelten Leuchten hatte. Sein Kinn fiel
bis auf den Boden, als er sah, daß ich ‘ne neue Plakette habe
und er nicht. Späte Gerechtigkeit. So fuhr ich dann Lady Loupolopulus
einige Jahre in Süddeutschland spazieren.
Geiles Fahrgefühl, viel krasser als Ente, es gibt einige Ecken in Mühlacker,
die ich permanent auf drei Rädern durchfuhr. Einige arme Verkehrsteil-nehmer,
die mir bei diesen Aktionen entgegenkamen haben eine Vollbremsung hingelegt,
da sie befürch-tetet, daß die AK demnächst auf der Seite
liegend über ihre Fahrbahn schranzt. Als ich dann nach Berlin zog hatte
die AK aus Zeitgründen keinen TÜV mehr und war abgemeldet. Aus
diversen Gründen lief auch die Stillegungsfrist aus und nun steht sie
in meiner Werkstatt in Kreuzberg und wartet auf ihre Reaninmierung, die
ich so bald als möglich realisieren will. Dann passierte eine unglaubliche
Geschichte. Als ich im Juni 2000 in Mühlacker auf dem Pfingsttreffen
war habe ich an einer orangen Ente aus Freiburg die Zündung eingestellt,
weil das arme Tier motormäßig lief wie eine 4er-Ente mit Kolbenklemmer.
Mit den Enten-besitzern, einem Paar so um die vierzig kam ich dann gut ins
Gespräch und sie erfuhren dann, daß ich in Berlin eine Werkstatt
habe und sie sich gerade überlegen unter die Ente einen neuen Rahmen
zu schnallen. Ich sagte no problem, kommt zu mir nach Berlin und paletti.
Es waren auch keine großen Überlegungen bei den beiden nötig
und wir besiegelten den Deal per Handschlag. Die beiden kauften dann auch
noch eine Ausgabe meines Entenhandbuches und verließen am Montag nachmittag
den Treffenplatz. Keine zwei Stunden nachdem sie verschwunden waren klingelte
mein Handy, dran war die Frau, völlig aufgelöst und erzählte
was von wegen, sie habe gerade in meinem Buch die Story über meine
AK gelesen und kann es nicht glauben, daß diese AK Lady Loupolopulus
heißt.
Denn das war deren alte AK, die sie 1990 einem Klaus aus Furtwangen verkauft
haben. Ich war völlig baff und konnte es auch gar nicht glauben, welche
irre Ge-schichte gerade über mich hereinstürzt. Aber so schließen
sich die Kreise und wenn eine Ente mal in der Szene unterwegs ist, so taucht
sie immer wieder irgendwann, irgendwo auf diesem Planeten wieder auf. Lady
Luopolopulus lebt ! Für immer ? So lange ich lebe sicher . . .
Komm, wir machen uns ‘nen schönen
Abend
Diesen Satz hatte ich zu einem Mädel gesagt, für die ich mich
interessierte, Susanne hieß sie. Zu dieser Zeit hatte ich gerade
eine Winterente in grün als Gefährt, so ‘ne auseinanderfallende
Büchse mit grade noch TÜV übern Winter und tschüß.
Ein paar Tage vorher hatte ich mit der Ente die Putzfrau ausm Geschäft
nachhause gefahren. Zwei Faktoren waren entscheidend für folgende
Situation: Erstens kam die Frau sehr gut über den Winter, wenn man
von 2 ½ Zentnern zehren kann und zweitens wohnte sie in so einem
verkehrsberuhigtem Ghetto mit diesen eingebauten Hügeln. Also: Ein
Monstrum auf dem Beifahrersitz, ein Hügel und eine zerfallende Ente.
Rumms, saß die Putzfrau einen Stock tiefer, weil das komplette Bodenb-lech
vom Schweller abknallte. Soviel zum Allgmeinzustand dieses Vehikels. Bevor
ich interessantere Frauen auf den Beifahrersitz setzen wollte, habe ich
das notdürftig gerichtet, es hielt auch bis zum Schluß. Aber
zurück zum eigentlichen Thema. Ich also bei Susanne vorgefahren,
mit dem oben zitierten Satz. Wir wollten nach Stuttgart, ca. 35 km von
meiner damaligen Heimat. Wir fuhren über die Autobahn an einem nieseligen
Novemberabend. Die Autobahn war trocken, als ich aber auf die Abfahrt
fuhr wars da feucht und da es einige Wochen lang nicht geregnet hatte,
war das ‘ne richtige Dreckschmiere.
Mir ging wirklich der Arsch, nicht nur mir, sondern auch der Ente, die
hinten ausbrach. Ich also gegen-gelenkt, ein bißchen Gas und die
Ente schwenkte zurück, aber ein bißchen zuviel. Denn nun schoß
sie frontal auf die Leitplanke zu. Ich riß also noch mal das Lenkrad
rum und konnte den Frontalcrash ver-hindern. Allerdings döllerte
die Ente ein paar mal mit dem hinteren, linken Kotflügel an der Leitplanke
lang. Danach schoß ich quer über die Straße in die Pampa
rechts der Piste und konnte noch vor dem Brücken-pfeiler die Ente
zum Stehen kriegen. Uff, das ging nochmal gut, ausgestiegen, geguckt,
anscheindend alls ok, nur der Kotflügel lädiert. Ich ließ
Susanne ein paar Meter fahren und bin hinterhergespurtet und habe geguckt,
ob das Rad nichts abgekriegt hat und eiert oder so.
Aber alles ok. Wir fuhren also weiter nach Stuttgart rein. Allerdings
streifte das Rad in jeder Rechtskurve am Kotflügel, bis der Lack
qualmte. Wir schafften es aber noch bis zu der Kneipe, die ich mir ausgedacht
hatte, das Jenseitz, eine witzige Homokneipe mit Schwulen und Lesben.
Als wir davor parkten packte mich der Entschluß, den Kotflügel
wegzumachen, damit er nicht mehr streift. Da er sowieso hinüber war
packte ich den großen Hammer aus und demontierte damit den Kotflügel.
Wer mein Werkzeug kennt, der weiß jetzt, wie ich aussah. Denn, wenn
jemand mein Werkzeug nur anguckt, der ist sofort ölig, denn es wird
damit gearbeitet. Wir also in die Kneipe, ich mit völlig versifften
Flossen, dann gleich aufs Clo und waschen. Neben mir am Waschbecken stand
ein gutaussehender junger Mann und schaute mich völlig entgeistert
an, von wegen, wie kann man um diese Uhrzeit und überhaupt hier solche
dreckigen Hände haben . . .
Susanne wollte dann nicht länger bleiben, da ihr die Kneipe doch
nicht so behagte. Also nächste Kneipe, aber wir wurden ausgebremst.
Wir fuhren keine 100 m, schon war da ein grünweißes Auto mit
blauen Ein-machgläsern auf dem Dach und hielt uns an. Die Polizisten
sagten mir, daß da an meiner Ente etwas fehlen würde. Ich erzählte
ihnen eine Story von wegen Parkplatzrempelei, weil, wenn ich denen erzählt
hätte, daß ich ‘ne Leitplanke touchiert habe, hätte
ich noch die Polierkosten für die Leitplanken an der Backe gehabt.
Ich sagte auch noch, daß das erst passiert ist und ich den zerkneulten
Kotflügel im Kofferraum habe und ihnen zeigen will. Ich also die
Heckklappe auf, aber irgendwie, war da alles nicht so richtig verstaut,
da der Kotflügel und danach ein alter 20-ltr-Blechkanister vom Spermüll
den Polizisten vor die Füße knallte.
Und das nachts um halb eins in den Häuserschluchten. Dengel, schepper,
kawössel. Die Polizisten waren dann schon etwas gereizt und Susanne
versank langsam im Beifahrersitz, weil ihr das ab jetzt irgendwie zuviel
wurde. Die Polizisten meinten ich solle alles wieder in die Ente stopfen
und beratschlagten, was sie jetzt mit mir anfangen sollten. Als ich den
Vorschlag machte, sie sollen mir einen Mängelbericht ausstellen,
daß der Kotflügel fehle und ich innerhalb der nächsten
fünf Werktage bei einem Polizeirevier mit repariertem Entlein vorfahren
müsse und gut sprengte ich den Dienstweg. Denn, so der Polizist,
das dürfe nicht ich ihnen vor-schlagen, das dürfen nur Polizisten.
Schlußendlich und nach längerer Diskussion bekam ich einen
Mängel-bericht, daß der Kotflügel fehle uswusw. Als ich
wieder in die Ente stieg meinte Susanne, daß sie jetzt ganz schnell
nachhause wolle. Komisch, der Abend hat doch so schön angefangen.
Aber ich fügte mich meinen SchicksaL und fuhr wieder Richtung Heimat.
Kurz bevor wir aus Stuttgart rausfuhren war noch ‘ne riesige Polizeikontrolle,
so mit Tempo 30 und Spur dichtmachen.
Susanne wurde ganz grün im Gesicht, gottseidank fehlte der Kotflügel
links und von der rechten Seite war es noch eine komplette Ente und wir
wurden durch-gewunken. Als wir bei Susanne in die Straße einbogen
hörte ich sie sehr, sehr tief durchatmen, als sie aus-stieg hörte
ich ein Uff, glaube ich zumindest. Als ich fragte, ob wir mal wieder zusammen
weggehen wollen oder so, meinte sie “ich glaube nicht“. Spätere
Versuche sie ans Telefon zu bekommen wurden von ihrer Familie erfolgreich
unterbunden. Hätte ich doch einen weißen Golf Diesel gehabt,
dann wäre das nicht passiert, aber vielleicht doch ganz gut, sonst
hätte ich jetzt eventuell ‘ne liebe Frau aber dafür keine
Enten . . .
Man muß doch Prioritäten setzen im Leben.
Verwirrte Polizisten
Als ich mal mit meiner schwarzen Edelente Mephisto in Karlsruhe
unterwegs war habe ich mit dem Er-scheinungsbild meiner Ente die
Besatzung eines Streifenwagens etwas überfordert. Wer diese
Ente nicht kennt, so fällt es schwer sie zu beschreiben, aber
ich versuche es mal. Also schwarze Ente mit Weißwand-reifen,
Chromecken an den Kotflügel, Reserverad in der Motorhaube eingelassen,
Rohrstoßstangen vorne und hinten mit intergrierten Leuchten,
Queue mit Gepäckträger und Zusatzbrems-leuchten von der
Harley, Klappscheiben hinten und noch mehr Schnickschnack. Aber
(fast) alles eingetragen! |
Ich fuhr gerade aus Karlsruhe raus Richtung Autobahn,
als sich von hinten ein Polizeiauto näherte. Sie fuhren erst
hinter mir, wechselten dann die Spur und fuhren neben mir. Als ich
rüberguckte sah ich zwei aufgerissene Augenpaare mit den dazugehörigen
offenstehenden Mündern. Sie fuhren dann vorbei und setzten sich
vor mich, wobei beide Polizisten wie gebannt in den Rückspiegel
starrten. Der Copilot drehte die Scheibe runter und kramte nach der
Haltekelle. Das beste kommt jetzt: Denn ich mußte anhalten,
weil die Ampel, auf die wir zufuhren schon längere Zeit rot war.
Ich stand nun an der Ampel und das Polizeiauto raste bei stockrot
mit schwenkender Kelle über die Kreuzung. Gottseidank kam kein
Querverkehr. Die Polizisten hielten dann gleich nach der Kreuzung
in einer Bushaltestelle, wo ich, nachdem die Ampel grün war auch
reinfuhr. Die Polizisten murmelten was von Fahrzeug- und Personenkontrolle,
ich meinte aber, daß die Ampel, die sie überfuhren doch
sehr rot war.
Dieser Tatsache waren sich die Jungs auch bewußt und der jüngere
Beamte bekam fast so was wie Reue aufs Gesicht. Der andere, ein
alter Haudegen brüllte aber gleich rum, daß das nicht
meine Sache sei und so. Er tanzte um meine Ente rum und zog sämtliche
Register, daß ich eigentlich verhaftet werden solle, mit solchen
Umbauten an der Ente rumzufahren. Das ist alles nicht zulässig,
verboten lalllallgummiball. Der andere Beamte hatte zwischenzeitlich
meine Papiere bekommen und studierte aufmerksam, lief um meine Ente
rum und begutachtete alles.
Als er zu seinem cholerischen Kollegen sagte, daß alles eingetragen
sei, riß der ihm meine Papiere aus der Hand, guckte sich das
alles an, bekam einen hochroten Kopf und rauchte aus den Ohren.
Ich saß in mich hinein grinsend in der Ente und bekam meine
Papiere mit der Bemerkung “Gute Fahrt Herr Losch“ zurück.
Als ich den Polizisten auch eine Gute Fahrt wünschte und von
wegen Rote Ampeln nur mit Blaulicht und Tatütata ließen
sie sich nichts mehr anmerken und fuhren mit quietschen Reifen davon.
Den Fahrzeugschein, den ich den Beamten unter die Nase hielt seht
ihr auf der nächsten Seite, um diese Story abzurunden . . . |
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Stolperfalle für
TÜV-Ingenieure
Als ich mal mit meinem Enten-Roadster zum TÜV mußte ereignete
sich eine Geschichte, die ich nie ver-gessen werde. Mein Roadster ist
ein Bausatz der Fa. Der Franzose, früher hieß er Der Entenmacher.
Bei diesem Roadster gibt es keine Türen, die Seitenwand ist fest
verklebt und bis zu den Sitzflächen hoch-gezogen. Aus- und Einsteigen
kann bei ungelenken Menschen ein Problem darstellen. Und so ein unge-lenker
Mansch war der TÜV-Prüfer, der sich meinem Roadster annahm.
Das Einsteigen war schon film-reif. Das Aussteigen wäre der Jahrespreis
bei Pleiten, Pech und Pannen geworden. Denn um sinnvoll aus dieser Ente
zu kommen muß man erst den linken Fuß rausschwenken, abstützen
und mit Schwung raus.
Der Herr TÜV-Ingenieur wollte es aber mit einer anderen Variante
probieren. Er stand nämlich komplett auf und wollte dann raus. Irgendwie
hat er dann seine Füße mit dem Lenkrad und dem Sitz verheddert,
jeden-falls konnte er seine Vorwärtsbewegung nicht mehr stoppen und
knallte voll mit dem Gesicht auf den Boden. Die Brille schoß quer
über den Hof, das Brett mit dem Prüfbogen in die andere Richtung.
Der hat sich tatsächlich die Nase blutich geschlagen und brüllte
rum, das sowas aus dem Verkehr gezogen werden solle und gefährlich
und so. Auf alle Fälle wurde die Prüfung abgebrochen, der blutende
Prüfer von seinen Kollegen beruhigt und ich wurde vom Hof verbannt,
mit der Auflage hier nie mehr zu erscheinen. Hausverbot beim TÜV,
auch was wert.
Warum ich eigentlich Ente fahre
Tja, das ist eigentlich ganz einfach. Das war 1985 im Frühjahr, da
hatte Schwenki, ein Kumpel von mir den Führerschein gemacht und bekam
von Bernd einen Käfer geschenkt, der aber bald zerfiel. Dann kaufte
er sich einen schwarzen 03er-Käfer. Mir war völlig klar, daß,
wenn ich im Herbst den Führerschein mache auch ein rundes, altes
Auto will und keinen Fiesta oder Polo. Ich mußte mir aber erst die
Kohle dazu verdienen. So arbeitete ich in den Sommerferien bei der Kühlerfabrik
Behr in Mühlacker und verdiente da 1900 DM. Ein Feuerwehrkamerad,
Gowig fuhr zu der Zeit eine schwarz-rote Carleston-Ente.
Der erzählte mir, daß eine Freundin ihre Ente verkaufen will.
Ich also mit Schwenki dorthin, weil der muß sich ja mit Autos aus-kennen,
da er schon seit Monaten den Führerschein hat. Und ich keinen Plan.
Da stand sie nun, Luise hieß sie, in orange mit grünem Dach,
fehlte nur noch die Jägermeister-Werbung. Schwenki lief um die Ente
rum, zählte die Räder, suchte den Motor, alles da, gekauft.
Ich handelte die Ente noch von DM 750 auf DM 710 runter.
Allerdings hatte ich noch keinen Führerschein und so stellten wir
Luise bei Schwenki hinters Haus und meldeten sie ab. Gowig hat mich dann
gleich mit in den Entenclub gezerrt, zu dem ich erst mal mit dem Fahrrad
hin müßte. Im Oktober hatte ich dann den Führerschein
für DM 1199 in der Tasche und keinen Pfennig Kohle mehr. Die Steuer
zahlte meine Mutter und das erste Vierteljahr Versicherung kratzte ich
irgendwie zusammen. Da stand sie nun vor der Tür, versichert, versteuert,
der Pilot mit Lizenz, aber ohne Sprit. Die erste Zeit tankte ich am Schrottplatz,
wo wir den Sprit aus den Schrottautos abzapften. . .
Diese Zeit war schon eine wilde, Schwenki stopfte seinen Käfer mit
Leuten voll und ich meine Luise und am Wochenende nach Stuttgart oder
Karlsruhe in die Discos. Dann fingen Schwenki und ich irgendwann an wild
zu basteln. Aus irgendwelchen Relikten vom Schrottplatz bauten wir uns
Zusatzleuchten, Innenleuch-ten, Heckwischer und wasweißichwas an
unsere Vehikel. Ich kann mich noch an Weihnachten so 1988 oder so erinnern,
als wir auf Schwenkis Käfer einen Mercedes-Kühlergrill bastelten.
Es war eine heftige Aktion, an den Feiertagen im Keller rumgeflext, ’ne
Kühlschrankrückwand vom Schrott geholt, ein Riesen-blech auf
die offene Ente gelegt, Holzes saß vorne und hielt das Blech mit
der Hand und Mason hinten, es war wirklich eine wilde Zeit. Rumgepfuscht
ohne Ende, aber auch viel gelernt.
Ich hatte auch zahllose Unfälle, meist unverschuldet, Luise und dann
meine zweite Ente, der Detlef waren manchmal gut zer-fleddert. Ich weiß
selber nicht mehr so genau was ich so alles touchiert habe, bzw. was alles
an meinen Enten zerschellte. Einmal habe ich ‘nem BMW die Vorfahrt
genommen, dann rauschte mir ein Moped hinten rein und auch mal eine Geschäftskollegin.
Ein LKW hat mir mal den Kotflügel vorne weggefahren und auf einer
engen Straße kam mir in einer Kurve ein Bus entgegen. Begegnungsverkehr
in der Einbahnstraße undundund. Der beste Crash war mal in Pforzheim
auf einem Parkplatz als ich einem stinkenigelnagelneuen Mercedes mit meiner
Rohrstoßstange rückwärts so in die Fahrertür gefahren
bin, daß die Tür nicht mehr aufging. Und dann war das noch
so ein hohes Tier von der Bundesbank mit hysterischer Ehefrau auf dem
Beifahrersitz. Auweia !
Dann hatte ich noch zwei heftige Crashs als ich nach einer Alarmierung
zur Feuer-wehr unterwegs war. Tja die Sturm- und Drangzeit, ich habe sie
als volles Programm durchgezogen. Die dritte Ente habe ich heute noch,
meine schwarze Ente namens Mephisto. Die habe ich pfleglicher gefahren
und nicht so viele Karosserieteile an Fremdfahrzeugen kaltverformt wie
bei Luise und Detlef. Dazwischen waren noch allerlei Winterenten. Ich
wollte eigentlich erklären, warum ich Ente fahre, so ganz plausibel
ist es glaube ich nicht geworden. Es liegt wahrscheinlich daran, daß
ich selber nicht weiß, warum mich die Ente gleich von Anfang an
so faszinierte, da mir die eigentliche Philosphie erst viel später
klar wurde. Jedenfalls, eins kann ich mit Sicherheit sagen : Ich bereue nichts !
Der Entenclub
Wie schon vorher erwähnt hat mich Gowig in den Entenclub genommen.
Hanse war damals Präsident, dann waren da noch Tommy, Roland und
Moni, Joan, Helga und ich weiß nicht mehr so genau, sorry, wenn
ich jemanden vergessen habe. Jedenfalls so ca. 1986 löste sich die
Geschichte langsam auf, Gowig kaufte sich den BX, Hanse irgendeinen Japaner
usw. Irgendwann drückte mir Hanse zwei, drei Ordner mit den Enten-club-Unterlagen
in die Hand und ernannte mich zum Präsidenten. Da saßen wir
nun als kleines Häufchen, Joan noch und Peter, der damals frisch
dazu kam. Es war etwas trist, weil, wenn einer fehlte und die andere zu
spät kam, saß ich alleine in der Kneipe. Der Club bin ich.
. .
Irgendwann aber kamen dann Roland und Moni mit Karlheinz und Petra und
einige neue Mitglieder, auch durch eine Flyeraktion. Jetzt waren wir wieder
ein richtiger Stammtisch mit so 10-12 Leuten und wir fuhren auf Treffen,
als Höhepunkt damals das Weltententreffen in Orleans 1989. Wir haben
dann auch beim Straßenfest in Mühlacker mitgemacht, aber nicht
mit der obligatorischen Freß- und Saufbude. Wir haben bei Carrera
eine riesige Rennbahn organisiert und haben den Rennautos Entenkarosserien
verpaßt und für ‘ne Mark oder so konnte jeder mal das
Rennen machen.
Für die Kinder gedacht entpuppte es sich als beliebtes Spiel für
die Väter, war ‘ne geile Aktion, wir waren mit dieser Idee
auch mit großem Bild in der Ortspresse. Dann kam uns die Idee ein
Ententreffen an Pfingsten zu organisieren. Das war 1990 und mit viel Aufwand
und Organisationsgeschick hatten wir dann ein Riesenzelt, einen Bierwagen,
einen Haufen Holz fürs Lager-feuer und Karlheinz als Koch. Sonntags
zum Frühschoppen hatten wir dann eine Jazzband organisiert. Dann
machten wir eine Werbungsaktion, einmal als Eigenwerbung und dann noch
wegen dem Jazzfrühschoppen. Aber wir haben nicht einfach Plakate
geklebt, ok, das auch, wir ließen uns noch was anderes einfallen.
Ich versuche das mal ohne Gefühlsausbrüche zu kommentieren.
Ich organisierte eine gelbe Ente, baute Motor, Getriebe usw. aus, bastelte
ein Holzgestell, vier leere Ölfässer dran und ließen diese
ganze Kon-struktion auf die Enz, der Fluß der durch Mühlacker
fließt. Wir ließen uns stromabwärts treiben und befes-tigten
die Ente am Brückenpfeiler. Danach befestigten wir ein Transparent
mit der Werbung für Treffen und Jazz. Es herrschte helle Aufregung
im Dorf. Obwohl alles genehmigt war bei Polizei, Ordnungsamt, Wasser-wirtschaftsamt
und dem Ufer- und Böschungsamt ( das gibts wirklich ! ), waren die
Anrufe bei der Polizei von besorgten Bürgern durchaus kurios, von
wegen, da schwimmt eine Ente im Fluß.
Es soll auch zwei Auffahrunfälle auf der Brücke wegen der Ente
gegeben haben. Es wurde ein absolut geiles Treffen, die die damals dabei
waren wissen warum, Blues Brothers und Rocky Horror bis zum Abwinken.
Armin, der sich am Zeltseil räkelte oder Markus wild mitgröhlend
mit beiden Händen auf den Tresen trommelnd, so kennt man ihn gar
nicht. Oder die Geschichte mit dem Hühnerdieb. . .
Das Pfingsttreffen ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Treffenkalender
der Entenszene geworden, aber das erste war mit Abstand das beste.
Mit Enten lernt man Menschen kennen
Das ist tatsächlich so. Nicht nur, daß man im Entenclub oder
auf Treffen Menschen kennenlernt, sondern so richtig, ich meine damit
echte Freundinnen und Freunde. Das mit den Freundinnen habe ich auch konse-quent
durchgezogen. Wenn ich so meinen Lebenslauf in punkto Lebensabschnittsparterin
( so heißt das jetzt ja, finde ich irgendie abgedreht, trifft den
Kern der Sache aber eigentlich sehr genau ) so durchchecke, sind da zu
92,87 % Frauen mit Enten. Die Frauen, die das betrifft und jetzt mein
Buch in der Hand haben, wissen was ich meine. Völlig out of space
ist die Begegnung mit Walburga und die Weiterentwicklung unserer Freundschaft.
Als ich noch in Mühlacker war und in der Scheune an Enten rumbastelte
hatte Uli, meine damalige Freundin ( natürlich auch mit Ente, Bj.
74, dunkelblau. . .
die Ente eine Untermieterin, die im Nachbarort in einer Klinik arbeitete.
Dort arbeitete auch Walburga, die damals in Karlsruhe wohnte und eine
rote Ente hatte. Durch ihre Kollegin und Uli usw. erfuhr sie, daß
es da jemanden gibt, der sich mit Enten auskennt. Irgendwann rief sie
mich auch an und stand dann in meiner Werkstatt in der Scheune. So lernte
ich Walburga kennen. Aber es geht noch weiter. Da die rote Ente von Walburga
nicht die beste war und der TÜV-Termin anstand, mußte ich,
was ich selten mache, ein Todes-urteil aussprechen. Walburga war sehr
erschüttert über mein Urteil, konnte ihr aber eine sofortige
Alter-native anbieten. Eine gelb-schwarze Charleston-Ente, die ich eigentlich
für Kerstin als Pick-Up umbauen wollte stand da noch so rum. Kerstin
war damals nicht mehr für mich da, aber das ist eine andere Geschichte
. . .
Jedenfalls war da noch die Charlie und Walburga begab sich ca. eine Stunde
in die Garage und ließ die Ente auf sie wirken. Es wirkte und Walburga
hatte dann eine gelb-schwarze Charleston-Ente. Sie hat sie wirklich lieb
gehabt und hat alles erdenkliche getan, um ihr nicht das gleiche Schicksal
angedeihen zu lassen, wie ihrer vorherigen, roten Ente. Sie und ihr Freund
Gunnar haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Vorder-türen waren
ziemlich marode und sie haben die die Türen der alten, roten Ente
umlackiert. Farben an-mischen lassen und gepinselt, aber so gepinselt,
wie ich es mit der Sprühdose nicht besser gekonnt hätte, akribische
Kleinarbeit bis ins Detail, einfach Wahnsinn.
Walburga und Gunnar zogen dann nach Rittersbach bei Nürnberg, aber
der Kontakt brach nicht ab, bei Entenproblemen konnte ich telefonisch
helfen oder Adressen aus ihrer Umgebung geben, wo Entenbastler ansässig
sind. Walburga half auch mir in dieser Zeit, aber nicht mit Problemen
mit Enten, aber das bleibt unter uns, Walburga. Ich zog dann nach Berlin
und Walburga und Gunnar besuchten mich dort mal, nicht nur, weil die Achsschenkelbolzen
gewechselt werden mussten. Zu der Zeit war auch gerade Dunja bei mir in
Berlin und kam mit Walburga ins Gespräch. Da sie beide einigermaßen
gleichgeartete Berufszweige hatten, nämlich die Arbeit mit Behinderten,
und Dunja gerade in Alt-Schönow eine solche Einrichtung ausfindig
gemacht hat, war Walburga irgendwie gleich Feuer und Flamme.
Aber ob der Entfernung für Walburga war das kein Thema sofortige
Maßnahmen einzuleiten. Aber das sollte sich ändern. Grund dafür
war der Super-GAU, ein Golf knallte Walburga in die Ente, vorne rechts,
volle Breitseite, peng. Walburga hat den Golfkrieg besser überstanden
wie ihre Ente. Rahmenknick und der übliche Blechschaden vornerum.
Sie hatte lediglich ein leichtes HWS-Syndrom (Scheudertrauma) und ein
paar kleinere Blessuren, gottseidank. Jedenfalls rief sie mir ziemlich
verzweifelt an, so wegen Unfall, Ente tot, Gutachten, Versicherung und
so. Das hat sie dann auch ganz gut geregelt gekriegt und ich habe ihr
dann angeboten meine UNSAFE zu überlassen, da ich gerade meine schwarze
Ente namens Mephisto zugelassen hatte.
Da ich sowieso gerade mit meinen ganzen Enten aus den Südstaaten
nach Berlin umzog bot es sich an, Walburga auf einem dieser Trips mit
nach Berlin zu nehmen, um Ihr die UNSAFE zu geben. Und dieser Trip hatte
es in sich. In Berlin hatte ich über einen Freund? einen Ford Transit
ausgeliehen, dann noch einen Autohänger gemietet und ab ging die
Post in die Südstaaten. Dort den Transit mit brauchbaren Teilen aus
meiner Scheune vollgestopft und auf den Hänger meine alte Ente Bj.
55 drauf-geschnallt. Eigentlich wollten wir Walburga’s Golf-Krieg-Ente
mit dieser Aktion auch nach Berlin schaffe, aber zeitlich reichte es nur
die Ente vom Hof des Abschleppers zu zerren, damit keine weiteren Stand-gebühren
anfallen. Aber trotzdem heftige Umladeaktion, 55er runter, ins Nachbardorf,
die Charlie auf den Hänger, wieder abladen, die 55er wieder drauf,
oh-oh. . .
Walburga und ich fuhren an diesem Abend dann noch nach Berlin, was heißt
abends, die ganze Nacht durch und luden irgendwann morgens in Neukölln
den Transit aus und meine alte Ente ab. Den Transit mußten wir nach
Zepernick bringen, im Norden von Berlin, also quer durch die Stadt ( ca.
50 km ) um danach mit einem auseinanderfallendem Citroën GSA eines
Freundes? wieder nach Neukölln zurück. Walburga und ich waren
mehr als am Ende. Am Alex passierte es dann, Walburga war sich irgendwie
sicher, daß ich das alles gedeichselt kriege und war so am Ende,
daß sie einfach nicht mehr wollte. In diesem Augenblick schlief
ich an der Roten Ampel ein. Jetzt mußte sie agieren und so hielten
wir uns irgendwie bis Neukölln am Leben, mit hektischen Brems- und
Ausweichmanövern.
Weiß der Geier, wer uns da geholfen hat heil durchzu-kommen. In
Neukölln angekommen beschlossen wir weitere automobilistische Aktivitäten
zu unterlassen und stiegen in die U-Bahn. Schon der Weg dahin war geprägt
von übersteigerten, akustischen Wahrneh-mungen aufgrund unserer absoluten
Übermüdigkeit. In der U-Bahn haben wir nur noch Blödsinn
gelabert und ich nahm nur wahr, daß es so ähnlich sein muß,
wenn man kurz vor dem Tod ist. So von wegen alle Geräusche ultraübersteuert
wahrnehmen und ein intensives Gefühl des Leben, weil totale Übermüdig-keit
vorherrscht und man sich konzentrieren muß wach zu bleiben. Bei
mir im Wedding angekommen saßen wir glockenwach in der Küche
und überlegten uns, wie wir jetzt einen Zustand der Müdigkeit
annehmen können.
Ich fand noch eine Flasche Wein, aber keinen Korken-zieher. Aber eine Akku-Bohrmaschine
war vorhanden, wie aus der Tabasco-Flasche träufelten wir den Wein
in irgendwelche Kaffee-Becher. So schlummerten wir dahin und abends gingen
wir um die Ecke in die Pizzeria und mußten Schwerstarbeit leisten,
um zu essen, so alle waren wir. Walburga blieb dann noch ein paar Tage und
hat sich die Location, die Dunja ihr erzählt hat mal angeguckt.
Sie war sehr angetan und es dauerte nicht lange, bis sie eine, ihr angebotene
Probe-woche dort zu arbeiten annahm. Sie war äußerst angetan
von dem Job, so daß sie kutzerhand wieder nach Berlin kam und eine
Wohnung suchte, was auch sehr flott klappte, das mit dem Job auch. So war
der Um-zug perfekt, ich mietete einen 7,5to-LKW in Berlin, fuhr nach Rittersbach,
das ganze Brimborium auf den LKW und in Berlin wieder raus, naja, so einfach
war das nicht, auch mit dem Einparken in Friedenau am Cosima-Platz (stimmt’s
Gunnar ?). Aber irgendwie ging alles, auch das mit der Waschmaschine. .
.
Aber trotzdem hatte Walburga immer noch kein Fahrzeug, da ich meine UNSAFE
irgendwann auch wieder brauchte. Micha aus Mannheim hatte zu der Zeit
gerade eine Acadyane zu verkaufen und da Walburga nicht abgeneigt war
ein praktisches Transportfahrzeug zu fahren, war der Deal perfekt. Aber
wie kommt die Büchse jetzt nach Berlin?
Da Micha musikmäßig unterwegs ist und gerade in Leipzig einen
Gig hatte, hat er die ACDY einfach in Leipzig stehen lassen und uns die
Schlüssel und Papiere zugeschickt. Walburga, Gunnar und ich gurkten
nach Leipzig und fanden zwischen irgenwelchen Plattenbauten eine dunkelblaue
ACDY. Ich kannte ja die Kiste, den Slowly Gonzales, aber Walburga und
Gunnar nicht, aber ob des moderaten Preises war die ACDY ihr Geld wert,
vor allem mit 2 Jahren TÜV.
Wir haben dennoch einige Zeit mit dem Schraubenschlüssel und dem
Schweißgerät zugebracht, um die ACDY in einen Zustand zu versetzen,
um sie standfest zu machen. So leben Walburga und Gunnar jetzt in Berlin.
Der Grund hierfür ist eindeutig die Ente, denn, hätte Walburga
mich nicht kennengelernt so wäre all dies nicht zustande gekommen.
Und so hätte ich auch Ihren Freund, Gunnar nicht kennengelernt. Auch
Dunja habe ich über die Ente kennengelernt und auch sie trug ihren
ihren Teil zu dieser Konstellation bei. Alle drei sind Menschen, die ich
sehr gerne habe und in meinem Leben nicht mehr missen will. Wenn es die
Ente nicht gäbe, wäre es vielleicht ein anderes Auto gewesen,
die mir diese Menschen schenkten, aber es war die ENTE !
UNSAFE at any speed
Diesen Spruch habe ich auf der Heckklappe meiner Alltags-Kampf-Ente. Sie
habe ich 1992 von Steffi geschenkt bekommen, ohne TÜV, dafür
mit massivem Bremsenschaden ( hurra - DOT ). Es ist eine 82er in Rouge
de Castille, dieses schöne dunklere Rot, allerdings hatte die Vorbesitzerin
mit der Sprühdose weiße Punkte draufgejaucht. Ich reparierte
die Bremse und betüvte die Ente und die erste größere
Fahrt führte Uli, meine damalige Freundin und mich nach Nordfriesland,
wo mir auch gleich die Fliehkraftfeder der Zünd-verstellung zerbröselte.
Dank der Adressen im APUA-HELP konnte ich dort einen Entenbastler ausfindig
machen, der mir das Teil sogar schenkte. Allerdings hatte ich das Heft
nicht dabei und ich mußte meine Mutter per Telefon an mein Bücherregal
lotsen, um mir dann die Adressen durchzugeben. Da es auf den Lack nicht
mehr drauf ankam, auch deshalb, weil beide Vordertüren untenrum durchgerostet
waren, tünchte ich die Ente in hammer-schlag anthrazit. So wurde
auch Luise, meine erste Ente teilweise wiederbelebt, in Form einer Beifahrertür.
Irgendwann habe ich mit der Sprühdose hammerschlag silber als Streifen
auf die Motorhaube, Schweller, Kotflügel und so reingenebelt, da
mir die Einfarbigkeit zu langweilig war.
Das hielt dann auch eine Weile, bis mal Jochen mit seiner roten Charleston
in der Scheune auftauchte und wir nach mehreren Beck’s den Entschluß
fassten die Ente zu lackieren. Bunt sollte sie werden. Ich packte also
meine Sprühdosen aus und wir nebelten drauf los, aber so, daß
der Lack richtig runtertriefte, teilweise in nassen Lack noch mit U-Schutz
drauf, als Gipfel noch gelbe Farbe in eine Spritze gezogen und an der
Ente vorbeigelaufen . . . Flatsch.
Das Entfinish ist gewöhnungsbedürftig, aber gottseidank gibt
es verschiedene Geschmäcker. Dann kamen nach und nach verschiedenste
Anbauteile wie eine zornige Rohrstoßstange vorne mit Unterfahrblech
bis unters Getriebe, gelbe Zusatzscheinwerfer, eine Fußmatte als
Winterabdeckung ( dekadenterweise hat UNSAFE den alten Alu-Winkelgrill
drauf, gelb übergejaucht . . .
sowie die alten Türgriffe, genannt Geierschnäbel und einen seltenen
Heckklappengriff von der Dyane ), die hintere Stoßstange ist ein
zölliges Wasserrohr mit Bogen und Stopfen auf die Stoßstangenhalter
geschweißt. Auf dem Dach ist dann noch ein Mega-Gepäckträger,
so ein auf zwei Meter, es paßt sogar eine Enten-Rohkarosserie drauf
. . .
oder wahlweise ein 6m-Boot, das mal unter heftigem Geschaukel durch Berlin
gekarrt wurde. Die Straße gehörte mir, da sich niemand traute
dieses schwankende Schiff zu überholen. Im Innenraum herrscht Luxus
pur: Recaro-Sitze, vier Lautsprecher, Heckscheibenheizung und Heckwischer,
Gebläse (beidseitig), Intervall-Scheibenwischer, beleuchteter Aschenbecher
mit Zigarettenanzünder, Seitenblinker vom alten AK, 3. Bremsleuchte
undundund. Ein Special-Feature ist mein Rückfahrscheinwerfer. Es
ist ein eckiger Enten-Scheinwerfer mit H4-Birne auf Fernlicht geschaltet,
der unter den Kofferraumboden geschraubt ist und natürlich per Schalter
meinerseits aktiviert werden kann.
So kann ich die freundlichen BMW-Fahrer, die mich auf der Autobahn mit
Fernlicht grüßen ebenso freundlich zurückgrüßen.
Im Sommer 2000 habe ich von Rene aus Kiel ein Hardtop für UNSAFE
erstanden. Das Ding sieht irgendwie häßlich aus, das Dach geht
hinten gerade weiter, die Heckscheibe steht senkrecht. Auf jeder normalen
Ente sieht das wie eine bös-artige Mutation aus. Nicht aber an UNSAFE.
Meine Freundin Kathrin hat das Ding in besagtem hammerschlag anthrazit
angepinselt. UNSAFE sieht dadurch aus wie aus Titan gemeißelt ,
abgesehen davon schließt das Hardtop perfekt mit dem Dachgepäckträger
hinten ab, so wirkt alles wie aus einem Guß.
Um den Dachge-päckträger nicht so farblos aussehen zu lassen
habe ich verschiedene Qietscheentchen angebracht. Kathrin hat dann aus
der Ente hinten eine Punker-Ente gebastelt. Ein eingetrockneter Pinsel
wurde abschnitten und als Iro aufgeklebt. Die Quietsche-Ente vorne bekam
einen Heiligenschein in Form einer U-Scheibe und Schweißdraht. Auf
die Motorhaube habe ich eine Donald-Figur geschraubt, aufm Surfbrett.
In akribischer Kleinarbeit malte Kathrin Gischt und Wellen außenrum.
Leider fehlte irgendwann unser Donald, aber Ersatz war bald gefunden.
Damit man von hinten überhaupt noch erkennen kann, was das jetzt
für ein Fahrzeug ist, habe ich aus einem zerbröselten Kühlergrill
die Citroënwinkel genommen und mit Schweißdraht an den Gepäckträger
gerödelt, baumelt dann immer so schön. Es ist aber schon erstaunlich,
daß sehr selten irgendwelche Idioten an UNSAFE Accessoires beschädigen
oder abreißen. UNSAFE strahlt wahrscheinlich einen Respekt aus,
daß man da halt nicht ran geht. Außerdem bringts ja nicht
den Lack zu zerkratzen, würde ich sowieso nichts bemerken . . .
Cool ist auch meine Handy-Halterung. Die Gesichter der Mercedes-Coupefahrer
sind immer eine Augen-weide, wenn ich mit UNSAFE neben denen an die Ampel
rolle. Verschreckter Blick ob des äußerlichen Zustandes, dann
legt der Heckwischer los und der Entenfahrer telefoniert grade. Da habe
ich schon tolle Szenen erlebt, wenn ich den Mercedes bei grün ausbeschleunige
- ja das geht wirklich, aber nur wenn der Pilot des Mercedes abgelenkt
wird, z.B. durch UNSAFE . . .
und den Spruch auf der Heckklappe “UNSAFE AT ANY SPEED“. Ihr
müßtet echt mal sehen, wie manche Leute da gucken, weil die
das von der Ente ja nicht anders kennen, so von wegen Totalschaden schon
beim Einparken. Aber dann pinselt das ein verstrahlter Entenfahrer quasi
als Bestätigung noch hinten drauf. Wer muß sich dann verarscht
vorkommen ?
Es sind aber auch sehr viele positive Resonanzen der Menschen zu verzeichnen,
vor allem von Kindern, die UNSAFE als lustigen Farbtupfer im Euro-Einheits-Auto-Brei
mit Lachen grüßen. UNSAFE grinst dann auch immer zurück,
eigentlich grinst sie immer. Sie ist auch schon von vielen Leuten im Fotoalbum
verewigt. Nicht nur im Zuge einer Fotosession auf einem Treffen. Am Checkpoint
Charlie in Berlin steht quasi als Denkmal ein bunt angepinselter Trabbi.
Ich stand da grad abends an der Ampel und das Blitzlichtgewitter von ca.
20 Japanern malträtierte den Trabbi, bis einer von denen UNSAFE erblickte
und der seine Kumpels alarmierte. Danach ging eine Salve von Fuji- und
Konica-Blitzen auf UNSAFE nieder. Was heißt UNSAFE eigentlich auf
japanisch ?
Eine andere Situation ereignete sich auf der A9, als ich mit Johannes
auf dem Weg nach Berlin war. UNSAFE lieferte sich ein erbittertes Duell
mit einem Reisebus. Das übliche halt, bergab UNSAFE vorne, bergauf
zieht der Bus vorbei. Der Busfahrer war ganz gut drauf und wir hupten
und lichthupten uns an. Der Rest vom Bus hat dann auch irgendwann mitgekriegt,
welch komisches Gefährt da die ganze Zeit den Bus umkreist. Als
der Bus mal wieder vorbeizog, sich vor uns setzte und ich mich gleich
in den Windschatten saugte, blitzte es aus dem Rückfenster und UNSAFE
war mal wieder die Diva.
Im Herbst 2000 ist Kathrin dann eine Weile mit UNSAFE unterwegs gewesen,
da die Ente Ihrer Mutter nicht mehr verfügbar war. Kathrin macht
gerade ein Lehre bei Daimler und ist natürlich mit UNSAFE auf den
Werksparkplatz gekurvt. Sie wurde tatsächlich akzeptiert mit diesem
Gefährt und sie hat ihren Kollegen auch glaubhaft mitteilen können,
daß diese Ente nicht morgen oder so auseinanderfällt.
Bis auf den einen Typen vom Werkschutz, der Kathrin darauf aufmerksam
machte, daß eine Halterung der Zu-satzscheinwerfer gebrochen war
und das Ding irgendwo zwischen Kotflügel und Stoßstange hing
und weißdergeier wohin leuchtete. Um nicht den ganzen Zorn dieses
Firmenimperiums auf Kathrin und UNSAFE zu ziehen, habe ich am selben Abend
noch den Scheinwerfer wieder ordnungsgemäß an UNSAFE gebraten.
Mit UNSAFE bin ich 1997 so ca. zehn bis zwölfmal Mühlacker-Berlin
und zurück gefahren, jedesmal knapp 1500 km. UNSAFE hielt durch ohne
zu mucken, naja nicht ganz, die ostdeutschen Autobahnen haben ihr die
Lenkung ruiniert und das Getriebe hat sich auch mal verabschiedet, aber
sie blieb nie stehen. Und UNSAFE rennt wie Sau. Mittels größerer
Vergaserdüse in der zweiten Stufe und diversen Einstellungen pöttert
sie im Standgas wie ein Schiffsdiesel, hängt am Gas wie Schumis Ferrari
und geht auf der Autobahn bis die Tachonadel am Amperemeter rauskommt.
Bei UNSAFE setze ich nur auf Funktionalität, wird ein Kotflügel
eingedrückt, so wird er wieder in Form gebracht und nicht ausgetauscht,
außerdem kriege ich diese Lackierung nie wieder hin. Die Fahrertür,
die trotz Austausch untenrum in krokantösen Zustand überging,
habe ich durch Einschweißen eines Innenteils einer anderen guten
Tür gerettet, ohne die Aussenhaut ihrer Lackierung zu berauben .
. . .
Risse im Kotflügel werden mit einer Schweißraupe beseitigt,
Zinkspray drauf und gut. Komischerweise habe ich mit der Polizei so gut
wie nie Streß gehabt. UNSAFE sieht von außen schon sehr abenteuerlich
aus, aber es fallen keine Teile ab und sie ist weitestgehend rostfrei.
Bei Kontrollen habe ich da auch nie Pro-bleme, TÜV und AU ok, ebenso
die Reifen. Technisch ist UNSAFE makellos. Allerdings versuchen einige
Beamte - mit noch nicht so vielen Sternchen auf der Schulterklappe - UNSAFE
und mir den Spaß zu ver-miesen. So von wegen irgendwas werden wir
schon finden.
Und manche schwäbische Polizisten legen da teilweise Maßstäbe
an, die zwar streng nach Gesetzen und Paragraphen richtig sind, aber von
einem Finger-spitzengefühl in Form einer Abrissbirne zeugen.Einmal
habe ich einen Mängelbericht gekriegt, weil die Zusatzscheinwerfer
an meiner Rohrstoßstange Gitter davor haben. Ok, in Berlin fahren
die Polizei-Busse teilweise mit ganzen Gartenzäunen vor den Scheiben
rum, aber als normal sterblicher Verkehrsteilnehmer darf man das nun mal
nicht. Nicht mal vor den Scheinwerfern. Naja, jedenfalls hatte ich nun
diesen Zettel an UNSAFE gepinnt gekriegt und mußte reagieren. Die
Gitter rausflexen wollte ich nicht, wie sieht das denn aus . . .
Also zog ich die logische Konsequenz und baute die Scheinwerfer ab, da
sich der Mängelbericht auf die vergitterten Scheinwerfer bezog und
fuhr zum Polizeirevier um zu zeigen, daß meine Ente jetzt wieder
legalisiert ist. Der Polizist guckte sich das an und meinte, die Gitter
sind ja immer noch dran, wogegen ich meinte, ja, aber die Scheinwerfer
sind ja nicht mehr dran und es gehe wohl um vergitterte Scheinwerfer und
nicht um das Gitter als solches. Zugegeben, es war etwas spitzfindig von
mir, aber ich habe so gehandelt, wie es im Mängelbericht definiert
war. Das brachte den Polizisten langsam auf Touren und er zog nach und
nach seine Kollegen hinzu, bis das Revier verwaist war und alle auf meine
Ente starrten. Nach langen Diskussionen ließen sie mich dann ziehen
und der Mängelbericht war erledigt. Eine viertel Stunde später
habe ich meine heißgeliebten Scheinwerfer natürlich wieder
an UNSAFE montiert . . .
Als ich mal Sebastian UNSAFE auslieh, weil der TÜV seiner Charlie
alle war, hat er etwas mehr Trouble mit den Ordnungshütern gehabt.
Er fuhr nichts Böses ahnend durch Berlin und alles war gut. Bis zu
dem Zeit-punkt, als zwei oder drei dunkle Limousinen UNSAFE einkreisten,
abdrängten und zum Halten zwangen. Aus den Autos stürzten ziemlich
viele Zivilpolizisten und setzen UNSAFE und Sebastian erst mal fest. Er
mußte 30 min warten und durfte dann weiterfahren. Erklärung
des ganzen Szenarios war, daß UNSAFE und Se-bastian auf die Route
zufuhren, wo gleich darauf Bill Clinton mit seinem Staatstroß durch
wollte. Und da UNSAFE für die Polizisten eine potentielle Gefahr
darstellte, haben sie beide erst mal kurzfristig aus dem Verkehr gezogen.
Vielleicht hätte ja Sebastian mit einer Quietsche-Ente vom Dachgepäckträger
einen Anschlag auf den US-Präsidenten verübt - wäre was
für die Muppets-Show gewesen . . .
Den heftigsten Mängelbericht erhielt UNSAFE nach einem feuchtfröhlichen
Nachmittag auf der Wiese vor meiner Scheune mit Jochen. Eine der leeren
Becks-Dosen wurde ihrem Deckel und Boden beraubt und ich schraubte das
Ding an UNSAFE´s kurzes Endrohr. Mit dieser Auspuffblende fuhr ich
´ne Weile rum, bis ich mal nach dem Entenstammtisch UNSAFE vor dem
Lokal übernachten ließ. Ich taperte am nächsten Tag zu
UNSAFE und der Wirt des Lokals kam rausgestürzt, als ich losfahren
wollte und meinte, da wären irre viel Polizisten um UNSAFE rumgestanden
und hätten Fotos gemacht und viel geschrieben. Erst jetzt sah ich
den gelben Zettel, auf dem die Becks-Dose bemängelt wurde. Daß
ich die Türen nicht abgeschlossen habe und die AU alle war, hat die
Polizisten nicht gestört. Also losgezogen, erst mal die Becks-Dose
demontiert, präventiv AU gemacht und ab zum Polizeirevier. Alles
klar Becks-Dose weg, Mängelbericht erledigt. Dachte ich. Über
drei Monate später bekam ich einen Bußgeldbescheid.
Im März 2001 ist dann der TÜV von UNSAFE alle gewesen und ich
hatte keine Zeit UNSAFE zu betüven, und vor allem war es so bequem,
einfach in Benjamin, meine Rechtslenker-Dolly umzusteigen, die sinnvoller-weise
ein Saisonkennzeichen von April bis Oktober hat. Im August sind wir dann
mit der Werkstatt nach Reinickendorf umgezogen und UNSAFE hat diesen Umzug
illegaler Weise auf eigenen vier Rädern vollzogen. Dann stand sie
in der neuen Werkstatt und wir mußten erst mal Enten schrauben,
um die Miete und die Kosten des Umzugs zu bestreiten. In kurzen, aber
effektiven Freizeiten wurde von Kathrin, Jochen und mir UNSAFE langsam
aber sicher entblättert. Motor und Getriebe waren schnell draußen,
die Bremsleitungen vorsorglich abgeknipst, daß ich dann doch neue
einbaue . . .
Die Sache mit der Entblätterung war im Bereich des Bodenbleches,
Schweller, Gurtverschraubungen, Sitzschienen und so nicht nur ein Wortspiel,
sondern harte, nein eher weiche Realität. Die Schweller lassen sich
ohne Flex entfernen und der Radlauf samt C-Säule hinten rechts glänzt
durch Abwesenheit, naja an den Stellen rostet es jedenfalls nicht mehr.
Ich hatte im Sinn UNSAFE bis zum 1. November auf der Straße zu haben,
aber es hat nicht hingehauen, aber am 1. November darf ich ultimativ nicht
mehr mit Benjamin fahren. Werde jetzt wohl eine aufgegebene rote Charleston
einer Kundin mit TÜV bis Dezember als Über-gang fahren, bis
UNSAFE fertig ist.
Jeder Kunde der reinkommt und UNSAFE sieht wird reichlich blaß
um die Nase und wundert sich warum ich einen solchen Schrotthaufen
mit so teuren Blechen und Teile ausstatten will, aber diejenigen,
die UNSAFE nicht kennen können es schlecht nachvollziehen, was
UNSAFE ausmacht. Aber ich werde alles dararn setzen, UNSAFE zu reanimieren,
weil es verdammten Spaß machen wird wieder aml mit UNSAFE durch
Berlin zu brettern. Ich auch !
Meine Mama hat ‘ne Ente
Das war nicht immer so und es dauerte einige Zeit, bis ich sie zur Vernunft
brachte. Sie hatte sich mal Mitte der 70er einen neuen Golf gekauft. Den
hat sie immer brav in die Werkstatt gebracht und Unsummen ausgegeben,
so nach etwas mehr als zehn Jahren war der Neupreis mit den Werkstattrechnungen
deckungsgleich. Als ich dann meine Ente hatte und auch anfing zu basteln
und reparieren, habe ich dann auch ab und zu Hand an den Golf gelegt und
die letzten Jahre seines Daseins sah er dann keine Werkstatt mehr. Was
habe ich nicht alles gemacht an der Kiste, Kupplung, Bremsen, Zylinderkopfdichtung
undundund. Es gipfelte darin, daß wir (Holzes und ich) mit dem Golf
nach Ulm fuhr, da Schwenki dort in einer Tanke arbeitete und am Wochenende
er in die Werkstatthalle durfte.
Holzes, Schwenki und ich haben mit drei Flex und zwei Schweißgeräten
den Golf übers ganze Wochenende bearbeitet. Schweller komplett, Radläufe
undundund, auch noch so ein halb eingeschweißtes Blech in der Gegende
der Hinterachse mit vorge-täuschten Schweißpunkten für
den TÜV. Um da richtig zu schweißen hätte die Achse rausmüssen.
( Habe ich Dir glaube ich nie erzählt, sorry Mama, aber die Hinterachse
hat ja gehalten, uff. . . ) Aber irgendwann habe ich dann meiner Mutter
nahegelegt, daß ich keinen Bock mehr habe an diesem Wolfsburger
Massenausstoßprodukt noch weiter rumzubasteln. Ich stellte sie vor
zwei Alternativen: Ente oder Käfer.
Käfer deshalb, da ich mit Schwenki an dessen Käfern viel geschraubt
habe und zu diesem Zeitpunkt kannte ich mich mit Käfer und Ente gleichermaßen
gut aus. Der Golf ging dann unter abenteuerlichen Umständen in die
Hände von drei oder vier Jugoslawen. Sie entschloß sich dann
für einen Käfer. Schwenki hatte damals einen Winterkäfer
zu verkaufen, einen beigen 02er, der dann bald bei meiner Mama vor der
Tür stand. Obwohl sie Anfang der 60er schon mal einen Käfer
hatte, wurde sie mit diesem nicht so richtig warm. Sie quälte sich
zwei Jahre durch, bis es wieder Zeit für den TÜV wurde. Aber
es wäre ein riesiger Aufwand geworden, überall Löcher,
die A-Säule durch und alles irgendwie lüngelich, Vorderachse,
Lenkung und so.
Also stellte ich meine Mutter wieder vor die gleiche Alternative, wie
vor zwei Jahren, mit dem Unterschied, daß es jetzt nur noch Ente
war. Ich beharkte meine Mutter so lange bis sie entnervt aufgab und meinte
irgendwann abends, ok, dann kauf mir ‘ne Ente.
Ich gleich zur Tanke gespurtet und den Auto-Kleinanzeigen-markt geholt,
mich ans Telefon geklemmt und eine halbe Stunde später fuhr ich mit
Armin und Göss und einer Handvoll Blankoschecks meiner Mutter Richtung
Waiblingen. Dort wechselte für DM 1500 eine schwarz-gelbe Charleston-Ente
den Besitzer. Wir kamen im strömenden Regen wieder in Mühlacker
an und übergaben meiner Mutter Schlüssel und Papiere und deuteten
aus dem Fenster:
“Da draußen steht deine neue Ente“. Göss hat dann
noch seine Späße mit meiner Mutter getrieben, als sie fragte
wozu der eckige Schlüssel sei. Er meinte dann der sei fürs Rolldach
und meine Mutter glaubte das in ihrem Schock. Sie schnappte sich dann
noch den Regenschirm und stiefelte ins Unwetter raus, da sie es immer
noch nicht glauben konnte. Aber es war so. Am nächsten Tag habe ich
dann Fahrlehrer gespielt und sie sehr einfühlsam auf die Ente trainiert.
Ich setzte sie einfach rein und ließ sie die kurvenreichste Strecke
der Gegend fahren. Danach konnte sie es. Mittlerweile ist die Charleston-Ente
zur Edelente mutiert und meine Mutter hat eine Winterente und ist im Entenclub.
Völlig infiziert, würde man ihr einen Ferrari vor die Türe
stellen würde sie dankend ablehen. Wäre ja auch ein sozialer
Abstieg, gell Mama ?
|
Die Charleston-Ente meiner Mutter und meine
UNSAFE
Eierkarle
Ja, es war schon eine Idylle beim Eierkarle. Bei ihm hatte ich einen
alten Hühnerstall gemietet, den ich zum Entenstall und Werkstatt
umfunktionierte. Wer Eierkarle nicht kennt, muß ihn sich so
vorstellen: Weit über 70, immer im blauen Kittel mit einem
Eimer Hühnerfutter über den Hof wackelnd, zwischen seinen
Bienenstöcken durch und sich an den Enten abstützend.
Als er mich dann sah meinte er immer : “Au, dr Endäsepp
isch widder do “ !
Er ließ dann seine Hühner raus, die sich um mich gesellten,
als ich unter di-versen Enten lag. Schon heftig, wenn man gerade
schweißt und genau vor dem Gesicht pickt ein Huhn in den Schrauben
rum. Nicht selten kamen dann Kumpels vorbei und wir lagen im Gras
und tranken Becks. Diese Idylle vermissen einige Menschen ( Sorry,
Veit ! ), als ich dann nach Berlin ging. Eierkarle hatte immer irgendwas
zu beanstanden, aber er war doch sehr froh, das es mich gab, da
er alleine wohnte und sich oft mit mir lange über Gott und
die Welt unterhielt oder ich ihm wieder mal ein 50 kg-Honigeimer
in die Wohnung hochschleppte. Jochen erging es mal so, daß
er ankam und fragte, ob er ihm kurz helfen könne einen Eimer
hochzutragen. Als er dann bei ihm im Keller stand und fragte, welcher
von den drei Eimern, meinte Eierkarle: “Ha, alle drei, awwer
i hans em Kreiz, i darf net so schwer trage“.
Oder er fuhr mit seinem Passat auf den Hof, die Hinterachse sehr
tief und ich ahnte schon was jetzt kommen würde. Als er ausstieg
sagte er nur: “Trag mir doch gschwenn des Heahnerfuddär
end Scheier“. Der Passat war bis unters Dach voll mit 10-12
Hühnerfuttersäcken á 50 kg. Ächz, schuft,
kult. Die Scheune war richtig schön versteckt zwischen den
Vereinigten Hüttenwerke des Eierkarles. Ich schwelge heute
noch in Erinnerungen daran, war eine schöne Zeit, mit Eierkarle,
den Bienen, den Hühnern und all meinen Enten, eine perfekte
Symbiose.
Die Ente als Feuerwehrauto
Wie schon erwähnt war ich in Mühlacker bei der Freiwilligen
Feuerwehr. Wenn der Alarm-Piepser losging hieß es dann so schnell
wie möglich zur Feuerwache zu fahren. Wenn die Leute im Dorf die
Feuerwehrleute zur Wache düsen sahen haben es die meisten auch geblickt,
da man sich im Dorf ja kennt, bzw. die meisten Feuerwehrleute auf dem
Dach einen Dachaufsetzer, so mit Feuerwehr im Einsatz drauf hatten. Allerdings
gestaltete sich das bei der Ente etwas problematischer, da es noch keinen
Stoffmagneten gibt. Ich habe mir dann ein Holzbrett zum Einhängen
in den Queue gebastelt, daß die Leute, wenn ich sie überholt
hatte wenigstens dann sahen, warum die Ente jetzt so komisch fährt.
Bald war ich aber bekannt wie ein bunter Hund und die Leute machten mir
Platz, wenn ich wieder mal mit Warnblinker, Fernlicht und Nebelschein-werfer
angeflogen kam. Zweimal habe bei dieser Gelegenheit meine Ente etwas ihrer
Form beraubt.
Jugendliche, ungestüme Fahrweise und die Hektik der Alarmierung waren
damals dafür ausschlaggebend. Freitag nachmittags fuhr ich nach einer
Alarmierung in Mühlacker die Haupteinkaufstraße runter und
mußte hinter einer Kolonne von ca. 5 Autos anhalten. Ich habe nicht
so richtig erkannt, warum die Autos da jetzt stehen und zog auf die Gegenspur,
um an der Kolonne vorbeizufahren. Was ich nicht erkannte, war, daß
der erste in der Schlange nach links in eine Einfahrt wollte und dort
aber auch einer rausfahren wollte. Es kam, wie es kommen mußte.
Ich rasierte die Front eines Mercedes-Coupes und die linke Seite eines
Audi 100. Rumms, da stand ich, stieg aus, sammelte das Nummernschild des
Mercedes und die Zierleisten des Audis von der Straße auf und übergab
sie ihren Besitzern. Die waren gar nicht begeistert, konnte sie aber be-ruhigen,
so von wegen, klar meine Schuld und alles halb so wild, ist ja gar nicht
viel passiert und so. Als der Audifahrer aber meine Ente begutachtete
wurde es mir ganz anders.
Die Mercedes-Stoßstange ist doch so stabil, wie es immer heißt,
denn meine Achse war auf der linken Seite komplett reingedrückt.
Wir konnten die Ente nicht mal schieben. Mit vereinten Kräften von
einigen Passanten trugen wir sie dann in eine freie Parklücke und
ich dachte mir, daß ich am Wochenende in Ruhe den Schwingarm hier
auf der Straße wechseln könne. Allerdings war da an diesem
Wochenende in dieser Straße der Martini-Markt, so mit Freßbuden
und Nippes-Händlern. Halteverbot ab Freitag 18 Uhr und es war gerade
so gegen 17.30 Uhr. Oh no !
Es wurde dann ganz schön hektisch auf die Schnelle einen Abschlepper
zu organisieren und so. Gottseidank war die Ente damals auf meine Mutter
zugelassen und die ist im ADAC und es wurde dann nicht teuer. Schlußendlich
und auch ärgerlich für mich, als Feuerwehrmann war, daß
die Alarmierung einem brennenden Strohhaufen gegolten hat und die Hektik
in oben beschriebener Art und Weise gar nicht nötig gewesen wäre.
Aber bei einer Alarmierung geht einfach nur der Piepser los und man weiß
nicht, ob ein Wohnhaus in Flammen steht mit Menschenleben in Gefahr oder
nur eine Mülltonne vor sich hinkokelt. Einmal bin ich zu einem Hochwasser-Einsatz
alarmiert worden und fuhr mit Luise, meiner ersten Ente durch einen wahren
Platzregen Richtung Feuerwache. Dazu mußte ich die tiefste Stelle
Mühlackers passieren und fuhr so voll in einen See, so ca. 75 cm tief.
Trotz Scheibenwischer konnte man die Straße nur noch ahnen und es
waren nur noch die Feuerwehrleute auf der Straße unterwegs, der
Rest stand. Ich auch, und zwar schlagartig, denn als ich in diesen See
fuhr knallte ich wie gegen eine Betonwand. Ich legte den Rückwärts-gang
ein und wollte aus der Pfütze wieder raus. Da meine Reifen doch so
abgefahren waren und aus der Kanalisation der ganze Sumpf und Schlick
mit hochgedrückt wurde, ging erst mal gar nix. Ok, dachte ich, wenn
du nicht in die Richtung willst, probierens wir in die andere und fuhr
weiter in den See, weil so hoch wirds ja schon nicht werden, dachte ich.
Falsch gedacht, blubb blubb blubb ging der Motor aus und durch die Rostlöcher
drückte das Wasser die Bodenmatten hoch. Ich konnte das nicht mit
ansehen und machte die Tür auf. Schwapp, bis ca. 1,5 cm unterm Radio
stand die Suppe.
Ich machte mich zu Fuß auf den Weg zur Feuerwache, es waren ja nur
noch 150 m. Mit mir in dem See stand noch ein hellblauer Käfer mit
‘nem nassen, jungen Mädel drin. Mit Hilfe von einingen THW-Helfern
schoben wir die beiden Tiere aus dem See bis hinter die Feuerwache. |
Ich war dann noch die ganze Nacht im Einsatz zwecks
Kellerauspumpen und so. Jaja, der brave Mann denkt an sich selbst
zuletzt. Am nächsten Tag bin ich dann zur Feuerwache runterge-laufen,
um meine Luise wieder flott zumachen. In der Ente stank es, wie wenn
ein toter Indiander im Koffer-raum liegen würde. Der ganze Dreck
aus der Kanalisation in meiner Ente und dann knallte auch noch die
Sonne drauf.
Reizend. Naja, ich schraubte die Zündkerzen raus und der Anlasser
übernahm die Aufgabe einer Lenzpumpe, denn beim Durchdrehen des Motors
spritzte ab-wechselnd links und rechts das Wasser aus den Kerzenlöchern
im hohen Bogen raus. Ich legte alles trocken und Luise sprang auch wieder
an. Allerdings war ich damals mit der Motorentechnik noch nicht so vertraut,
denn es wäre mindestens ein Ölwechsel dringend erforderlich
gewesen. Jedenfalls fuhr Luise und ich dachte, dann ist ja alles gut.
Nach ca. 2 Monaten war der Motor aber hinüber, da eine Emulsion aus
Wasser und Öl nicht das beste Mittel ist, um den Entenmotor zu schmieren
und zu kühlen.
Neidische Nachbarn
Diese menschliche Spezies ist im Schwäbischen leider häufig
anzutreffen. Besonderes Exemplar war der ältere Herr gegenüber,
als ich in der Hermann-Hesse-Str. in Mühlacker wohnte. In dieser
Straße sind ge-genüber meiner Wohnung Parkstreifen zwischen
Bäumen, wo es keine Parkplatzprobleme gab und ich locker drei Enten
zwischen die Bäume stellen konnte. Genau vor dem Haus des älteren
Herren gegenüber, der einen Mercedes ( schwäbisches Muß
als Rentner, sonst hat man was falsch gemacht im Leben ) sein Eigen nannte
und natürlich eine Garage für dieses Gefährt hatte.
Er beschwerte sich bei mir, warum ich meine Enten vor sein Haus stellen
würde und blockierte teilweise den Parkraum mit seinem Müllcontainer.
Der müsse da stehen, weil vor dem Baum darf er nicht stehen, weil
da die Feuerwehr durch müsse. Ich habe ihm dann die Erlaubnis gegeben
den Müllcontainer doch da hin zu stellen, mit dem Verweis auf die
Mindestdurchfahrbreite von 3 Metern und er könne sich ruhig beim
Kommandanten vergewissern. Ich hielt ihm dann meinen Feuerwehrdienstausweis
unter die immer blasser werdende Nase und Schluß der Dis-kussion.
Dann war eine Weile Ruhe, bis ich eine Vorladung zum Ordnungsamt bekam,
wegen einer Be-schwerde dieses Nachbarns.
Der hat doch tatsächlich zwei DIN A 4 - Seiten eng vollgeschrieben,
welche Ente, welcher Farbe, welches Kennzeichen mit Datum und Uhrzeit
vor seinem Haus stand. Es waren über fünfzig Enten in einem
Zeitraum von 5-6 Monaten ! Da ich die Menschen auf dem Ordnungsamt alle
gut kannte, zwecks Feuerwehr und so, war es eigentlich kein Problem. Es
wurde mir auch vorgeworfen, daß ich aus der AK heraus heftige Reparaturen
auf der Straße durchführen würde. Diese Beschuldigung
wies ich von mir und Paul vom Verkehrsamt meinte dann gleich, so ein Quatsch,
du hast doch die Scheune beim Eierkarle. Obwohl das nicht ganz rechtens
war, so von wegen Nutzungsordnung und so war die Sache erledigt. Ganz
gut, wenn man etwas Vitamin B hat. . .
Ententreffen Dotnacht/CH 1990
Dieses Ententreffen war eines der Verstrahltesten, das ich erlebt habe.
Manne fuhr mit seiner roten Charlie, Markus mit dem Roadster und ich mit
meiner schwarzen Chrom-Ente. Die Hinfahrt war schon ein Comic wert. Wir
fuhren auf der A81 bis zum Bodensee und fuhren weiter zum Grenzübergang.
Dieser Übergang war ultragesichert, so mit Panzersperren, Stacheldraht
und zig Ordnungshütern. Wir passierten problemlos und fuhren weiter.
Irgendwie haben wir uns aber verfranzt und fuhren über Waldwege und
Felder in ein Dorf ein um zu bemerken, daß wir wieder in Deutschland
waren !
Naja, es hat dann doch geklappt und wir fuhren spät abends in Dotnacht
auf dem Treffenplatz ein, die Leute liefen unseren verstrahlten Enten
hinterher, wie die Kinder um die Jahrhundertwende dem ersten Auto in der
Stadt. Am nächsten Tag fingen wir an am Roadster eine Fliehkraftkupplung
einzubauen, die Markus auf unserem letzten Frankreich-Schrottplatz-Trip
ergattert hatte. Die Leute staunten nicht schlecht, wie wir auf der grünen
Wiese in Windeseile die Maschine aus- und wieder eingebaut haben. Die
Probefahrt war ein akustisches Ereignis der besonderen Art. Da das Lager
der Kupplung am Anfang etwas trocken lief entwickelte es ein Geräusch
ähnlich einer startenden JU 52.
Es legte sich aber und das Ding funktioniert heute noch problemlos. Von
der Probefahrt nach Romans-horn zurückgekommen stand am Abend dann
ein Schönheitswettbewerb für die Enten an. Es wurde ein Kantersieg
für die angereiste Mannschaft aus Mühlacker: Manne belegte Platz
drei, Markus Platz zwei und mir wurde ein Riesenpokal in die Hand gedrückt,
aus dem wir ab dann das Bier genossen. Da haben wir ganz schön abgeräumt,
angesichts der Tatsache, daß so ca. 40-50 Enten auf dem Treffen
waren. . .
Maulwurf
Als sich Manne, ein Kumpel vom Entenclub mal eine Winterente zulegen wollte,
fand er eine irgendwo in der Gegend von Bietigheim. Dort fuhren dann Peter,
Manne und ich an einem Sonntag morgen hin zum verein-barten Termin. Nach
dreimal läuten ragte ein zerzauster Kopf aus dem Fenster und meinte
ach so, ihr, ja ich komm runter. Als die Tür aufging stand da ein
Typ mit wilder Frisur und einer Brille Marke Glasbaustein Wolkendekor
auf der Nase.
Er tapperte in die Garage und zeigte uns die Ente. Angesichts des niedrigen
Preises gab es zwar einiges zu tun an der Kiste, aber Preis-Leistungs-Verhältnis
stimmte. Als der Typ dann noch meinte, da müssen noch irgendwo Entenräder
rumstehen gingen wir auf die Suche. Nach kurzer Zeit meldete sich der
Typ, er hätte eines unter der Werkbank entdeckt. Als wir unter die
Werkbank guckten stand da ein riesiges Wagenrad aus Holz ! Der Typ war
auch mit Brille blind wie ein Maulwurf, weshalb er auch nicht mehr Auto
fahren solle. Damit hatte die Ente ihren Namen weg.
Eine Charleston-Ente auf Wanderschaft
Gemeint ist eine gelb-schwarze Charleston-Ente Bj. 1982, die ich seit
1988 kenne, liebe und schraube. Damals gehörte sie Steffi, die die
Ente Anfang 1990 Armin verkaufte, einem Kumpel von mir, der dann auch
in den Entenclub kam. Mit ihr war er 1991 auf dem Welt-Enten-Treffen in
der Schweiz. Natürlich durfte ich wieder an ihr schrauben, Kupplungswechsel
und andere Kleinigkeiten. Mitte 1995 kaufte dann Kerstin, meine damalige
Freundin die Ente. Sie hatte schon eine, eine rot-schwarze Charleston,
aber nach den In-spirationen auf dem Welt-Enten-Treffen in Slowenien wollte
sie ein Pick-Up haben und die gelb-schwarze sollte dazu herhalten.
Gottseidank kam es nicht so weit, denn gelb-schwarze Charleston sind ultraselten,
denn sie wurden nur ca. eineinhalb Jahre gebaut. Der Grund für das
Scheitern des Pick-Up-Projektes war, daß Kerstin sich von mir trennte.
Heute sehe ich diese Trennung positiv, denn dadurch konnte die Charleston-Ente
komplett überleben. Im September 1995 kaufte dann Walburga die Ente,
nachdem ich an Ihrer roten Ente ein Todesurteil aussprechen mußte.
Also durfte ich wieder an ihr schrauben. Bis der Enten-GAU passierte,
im Herbst 1997. Eine Hochzeitsgesellschaft, die zusammenbleiben wollten
knallten bei Rot über die Ampel und ein Golf in die Ente. Der Golfkrieg
war verheerend und die Ente nicht mehr fahrbereit.
Walburga hat dann mir die Charlie überlassen, die ich richten und
meiner Sammlung einverleiben will. Jetzt darf ich wieder an ihr schrauben
. . .
bis uns irgend jemand scheidet, jedenfalls nicht der TÜV . . .
So stand Charlie lange bei mir in Neukölln in der Werkstatt und
hoffte auf eine Reanimation. Aber ich kam nicht dazu, außerdem
hatte ich ja eigentlich genug Enten zum Rumfahren und kam angesichts
steigender Kundenzahl nicht mal mehr richtig dazu mich um meine eigenen
Enten zu kümmern. Ende 1998 zog ich dann mit meiner Werkstatt
nach Kreuzberg und Charlie wurde bei Roland, einem Schrauberkollegen
zwischen-gelagert. |
Aua ! Dann trat Johannes in mein Leben und fuhr
seine rote Ente, Frederike auf den Hof. Ich habe an ihr das Ge-triebe
gerettet und in einer hektischen Aktion, so 10 min. vor einem Termin
von Johannes auf der Straße die Lichtmaschine wieder zum Laden
überredet.
rgendwie kamen wir mal ins Gespräch und ich erzählte Ihm
von Charlie und Johannes war Feuer und Flamme und hat Charlie eigentlich
ungesehen gekauft. Es dauerte dann einige Zeit, bis Roland in seinem
Chaos es auf die Reihe brachte Charlie tatsächlich nach Kreuzberg
auf den Werkstatthof zu transferieren. Johannes kam dann am gleichen
Tag und tanzte wie ein Derwisch um Charlie herum, als gäbe es
keine Frauen. Er wollte auch unbedingt mit dabei sein, wenn Charlie
wieder zu einer Ente wird. Erstmal zerlegten wir Charlie und ich schweißte
die übliche Stelle des äußeren Pedal-bodenbleches,
dann wurde der neue Rahmen mit Achsen, Tank, Motor und Getriebe bestückt,
das übliche Prozedere halt . . .
Johannes übte sich als Ritzenputzer und polierte glaub ich auch den
Auspuff von innen. Den Motor hat er nach Hause genommen und vermutlich
mit 38 Dosen Bremsenreiniger und 2,5 kg Putzlappen und etwas Lack auf
Hochglanz gebracht. Bei allen Kundenenten muß ich mir nach den Arbeiten
am Motor die Finger putzen, bei Charlie vorher . . .
Während Charlie so nach und nach komplettiert wurde haben wir anstatt
den Anlasser eine Becks-Dose in das Loch am Getriebe gesteckt, paßt
press. Als dann der Anlasser reinkam hat Johannes eine Becks-Dose auseinandergeschniebelt
und um den Anlasser geklebt. Geile Optik. . .
Die Vorderfront wurde durch neue Kotflügel, gebrauchte Haube und
Dreiecksbleche sowie Neulack wieder in den Originalzustand versetzt. Eingebaut
wurde auch ein alter blauer Tacho, den Johannes mit Q-Tips reinigte, sowie
ein altes blaues Lenkrad. Mittlerweile will Johannes chromtechnisch meinen
Mephisto in den Schatten stellen, aber das ist aus bekannten Gründen
nicht möglich. . .
Während der Restaurierung von Charlie hat Johannes Frederike getötet.
Das heißt, der Rahmen war vorher schon scheiße geschweißt
worden und ein Sandhaufen oder so hat ihm das Genick gebrochen. Der Versuch
den Rahmen geradezudrücken wurde durch ein übles Geräusch
im Keim erstickt. So stand Johannes nun da, eine halb zusammengebaute
Charlie und eine komplett geknickte Frederike. Ich habe ihm dann eine
blaue Ente gegeben, der durch Unzulänglichkeit der Zulassungstelle
ein Jahr TÜV geschenkt worden ist. Sie wurde dann mit Hilfe mehrerer
Spraydosen und Dekolack garniert, vielleicht wollte er UNSAFE in den Schatten
stellen, aber das ist aus bekannten Gründen nicht möglich. . .
Anfang Februar war es dann für Charlie soweit, Kuzzeit-Kennzeichen
und ab zum TÜV. War alles kein Problem bis auf einen Achsschenkelbolzen,
der trotz neu etwas Spiel hatte. Prinzipiell hat der Prüfer Fertigungstoleranzen
als schwerwiegenden Mangel angekreuzt. Naja egal, wenn das alles ist.
Neuen Bolzen rein, kein Spiel und fertig war die Laube. |
Im Alltagsbetrieb stellte sich aber ein übles Klackern
des Motors ein, das auch zu leichten Leistungsverlusten führte.
Johannes wollte dann gleich Nägeln mit Köpfen machen und
sich einen Visamotor reindengeln. Ich glaube die Idee kam unsäglicherweise
von mir . . .
Ich organisierte dann nach mehreren Telefonaten einen Motor bei Manni’s
Entenfarm in der Eifel. Unser Visa-Enten-Crack aus Berlin hat uns Trauer
angesagt, obwohl sein Keller überquillt, er aber genug Ersatz für
seine Fahrzeuge bevorraten will. Johannes hat dann den Motor selber abgeholt
und noch eine Impulsgeber-brücke organisiert und all so Zeug von
denen ich keine Ahnung habe. Ich habe ihm dann gesagt, er könne das
ruhig machen, aber ich will mich nicht in die Visatechnik reinknien, da
ich der Entenmann bin und nicht der Visamann. Er hat es dann tatsächlich
innerhalb einer arbeitsreichen Woche seinerseits geschafft das Fremdorgan
zu implantieren. Es lief auch problemlos und die Ente hat das Organ bisher
auch noch nicht abgestoßen. Es hat sich allerdings eine Ölundichtigkeit
eingestellt, die vermutlich vom Öleinfüllstutzen herrührt.
Nach einer Motorwäsche fuhr Charlie dann noch ein paar Meter und
verendete am Potsdamer Platz. Wer nicht mit einem 22er-Schlüssel
anrücken durfte war ich.
Kauf Dir mal so ein Ding !
Warum der Entenmann Entenmann heißt
Dieser Name, den ich irgendwie als Künstlername angenommen
habe stammt ursprünglich von Inge, der Mutter von Veit. Ihn
lernte ich über Andi Pioch, den Sohn meines damaligen Vermieters
meiner Wohnung kennen. Andi kaufte während meiner Einweihungsfete
meiner Wohnung eine gelbe Ente von mir, die er aber leider konsequent
zu Tode geritten hat. Naja, egal, jedenfalls ist Inge eine lngjährige,
eingefleischte Enten-fahrerin und sah mich immer mit irgendeiner
anderen Ente an ihrem Haus vorbeifahren.
Sie hatte da irgendein Wehwehchen an ihrer Ente und meinte zu Veit,
er solle mich doch mal fragen, ob ich mal danach gucken könne.
Da sie nicht wußte, wie ich heiße hat sie immer gesagt,
frag doch den Entenmann aus der Hermann-Hesse-Straße. So lernte
ich Inge, die meinen Künstlernamen erschaffen hat kennen und
Inge lernte dann auch irgendwann meinen richtigen Namen kennen.
Leider hat sie Ihre Ente nicht mehr, die hat sie mir verkauft, die
ich zur Zeit richte und weiterverkaufe. Seit ich nicht mehr in Mühlacker
wohne haben schon einige Leute sich von Ihrer Ente getrennt, weil
ich nicht mehr da bin . . .
Eine zweite Begebenheit hat mich dann darin bestärkt mich als
Entenmann zu bezeichnen.
In der Nähe der Scheune in Lomersheim beim Eierkarle brannte
mal eine Gartenlaube oder so. Ich war damals mit dem Tanklöschfahrzeug
im Feuerwehreinsatz, irgendwann Samstag vormittags. Dieses dörfliche
Großereignis zog dann viele Neugierige an, unter anderem auch
etliche Nachbarn des Eierkarles, wo ich meine Scheune mit meinen
Enten hatte. Als sie dann mich erkannten, guckten sie unter meinen
Helm und meinten: Des isch doch dr Endämann !
Mephisto und das Radkäppchen
Mephisto, meine Ententreffen-Ente hat so ein komische Eigenart. Er hat
ein Problem mit der linken Hinterflosse. Es ist schon sehr mysteriös,
was da so passierte. Das erste mal war es 1995 nach dem Welttreffen in
Slowenien. Kerstin und ich fuhren durch Italien über die Autostrada
und wollten diese verlassen. In dem Augenblick, als ich blinkte und auf
die Ausfahrtspur wechselte machte es dingel-dingeldingel und die Radkappe
hinten links reihte sich auf die Überholspur ein und fuhr geradeaus
weiter. Bis hier alles nicht so spektakulär. Zuhause wurde eine Radkappe
montiert und fest angezogen. Ich habe auch die Mutter gewechselt.
Die hielt ziemlich genau 4 Jahre. Auf der Fahrt zum Welttreffen in Griechenland
war ich auf der Suche nach einer Fähre von Venedig nach Ancona unterwegs.
Na klingelts ? Italien - Mephisto - Radkappe . Dingeldingeldingel weg
war das Ding und Achtung ! Hinten links ! Ich konnte die Radkappe, die
auf dem Mittelstreifen der Straße lag unter Lebensgefahr angesichts
der italienischen Fahrweise retten. Ich habe sie dann unter Zuhilfenahme
sämtlicher Muskeln wieder draufgeschraubt.
Auf der Rückfahrt vom Treffen hat die Radkappe dann einen Suizidversuch
erfolgreich abgeschlossen. Kurz vor Igoumenitsa, noch in den griechischen
Bergen hat sie sich vor einer Kurve zwanglos von Mephisto gelöst.
Diesmal machte es nur einmal dingel, da der Straßenrand eine Schlucht
darstellte und sie 50 m den Abgrund runterstürzte. Es war die Radkappe
hinten links. . .
Einmal ist mir auch ein Weißwandring um die Ohren geflogen. Es macht
ziemlich häßliche Geräusche, wenn der Weißwandring
bei ca. 140 km/h im Kotflügel rumrandaliert. Dreimal dürft ihr
raten. Es war in Italien und es war das hintere linke Rad. Noch Fragen
? Mephisto wird mir untreu. Rückfahrt vom Ententreffen in Eddinghausen
2000. A2 Hannover - Berlin, kurz vorm Rasthof Buckautal. Das altgewohnte
Geräusch. Ratsch, fetz, Weißwandring weg. Vorne rechts . . .
Erlebnisse mit Benjamin ( Caution ! Right-Hand-Drive
! )
Schon die Umstände, wie ich an Benjamin, meine Rechtslenker-Special-Dolly
in jaune rialto / rouge delage geraten bin ist ein Erlebnis für sich.
Ich fuhr im Sommer 1999 nach Schnelldorf zum Treffen am Erlensee. Am Laberfeuer
lernte ich zu vorgerückter Stunde Jörg kennen, der mir was von
einer Ente erzählte, die er verkaufen müsse, da er sich eine
Vierzylinder-Rennente zugelegt hat. Als er erwähnte, daß es
sich um eine englische Ente handelt, war ich sofort Feuer und Flamme.
Ich wollte in meiner Sammlung unbedingt noch eine originale Ente neben
meinen ganzen verbastelten Kisten haben. Eigentlich wollte ich die gelbe
Unfall-Charlie in meine Sammlung einverleiben, aber als ich von der Rechtslenker
hörte, war sofort klar: Diese Ente brauche ich. Denn sie ist ja original,
aber auch wenn ich eine originale Ente fahre, so muß sie doch etwas
verstrahlt sein. . .
Zurück zum Laberfeuer: Jörg und ich hatten schon einige Brauereiprodukte
konsumiert und die um-stehenden Freunde von Jörg und mir beobachteten
die Szene, wie wir per Handschlag eine Ente mit Fixpreis ohne gesehen
ohne TÜV verdealen . . .
Am nächsten Morgen hat mich Claudia gefragt, ob ich noch wissen würde,
daß ich gestern nacht eine Ente gekauft habe. Natürlich wusste
ich das noch, alles was mit Enten zu tun hat speichere ich sofort in gesicherten
Auslagerungsdateien mit Sicherungskopie im Hauptspeicher meines Großhirns
ab, egal welcher Zustand meinerseits.
Irgendwann kam dann auch Jörg angetapert und fragte mich, ob ich
das ernst gemeint hätte gestern, die gleiche Frage stellte ich ihm,
beide bejahten und bingo. Nach dem Treffen fuhren wir, Claudia und ich
noch bei Jörg vorbei und er übergab mir die Papiere, damit ich
die Ente in Berlin zulassen kann.
Zwei Wochen später fuhr ich mit Kennzeichen, Ente zugelassen und
so wieder zu Jörg und schraubte die Schilder an Benjamin.
Jörg wollte zuerst fahren und mir zeigen wie das jetzt alles geht
mit rechts sitzen, lenken und fahren. Aber ich war so kribbelig auf dieses
Gefährt, daß ich sofort selber fahren wollte.
Hui, das isn Gefühl, alles anders, aber es klappte gleich von Anfang.
Als mir Jörg sagte ich solle in den Dörfern doch etwas auf die
gesetzliche Höchstgeschwindigkeit achten guckte ich auf den Tacho
und sah die Nadel bei 50 stehen. Ich realisierte erst jetzt, daß
das ein Meilentacho ist und ich mit 80 Sachen durch die Ortschaften bretterte.
Claudia hatte alle Mühe nachzukommen . . .
Es war schon eine heftige Umgewöhung, aber der Mensch ist ja ein
Gewohnheitstier. Am krassesten sind scharf gefahrene Kurven. In einer
“normalen“ Ente wird man ja in Rechtskurven zwecks Entenschräglage
nach unten gedrückt, in Linkskurven angehoben. Als ich das erste
Mal in Berlin um den Großen Stern gebrettert bin hatte ich das Gefühl
in einer Achterbahn zu sitzen und hatte alle Mühe Benjamin auf seinem
von mir vorgesehenen Weg zu halten.
Eine heiße Geschichte ist auch die Sache auf der Autobahn. Man hat
ja den optischen Eindruck, wenn man auf der Autobahn fährt, daß
man auf seiner Spur bleibt und guckt nicht die ganze Zeit nach links und
rechts auf die Begrenzungssteifen. Man guckt eher in die Ferne. In der
Rechtslenker habe ich das zu Anfang auch so gemacht und habe dann das
Problem gehabt, daß ich langsam aber sicher extrem weit links fuhr,
teilweise mit der Ente mitten auf dem Mittelstreifen.
Heftig sind auch Autobahnbaustellen mit enger, linker Spur und wir wollen
hier an den LKW’s vorbei. Das Gefühl wie weit Benjamin jetzt
noch von den Betonplanken auf der linken Seite weg ist habe ich bis heute
noch nicht ganz raus. Ich fahre dann immer ziemlich nahe an den LKW’s
ran, was aber bei irgendwelchen schlingernden Anhängern nicht sonderlich
prickelnd ist. Und dann noch Fenster offen und die LKW’s haben logischerweise
ihre Auspüffe auf der linken Seite und in Entenfensterhöhe . . .
Mit dieser Ente kann man ganz schön Verwirrung stiften. An den Ampeln
gucken die Leute rüber, drehen den Kopf wieder weg, um dann wieder
ganz schnell mit fragendem Blick zu gucken und schauen sich dann in ihrem
eigenen Auto um, was da jetzt nicht ganz in Ordnung ist. Ein schönes
Schauspiel. Der beste Vorteil ist im Stadtverkehr von Berlin, mit dieser
Kiste übersehe ich keinen Radfahrer mehr. Am geilsten ist es, wenn
jemand auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, um den Stadtplan zu studieren,
Joghurt zu löffeln oder gar auf der Rückbank rumkramt.
Oder ich packe da eine große Kiste rein, die dann noch zum Dach
rausguckt. Steigerung hiervon ist es, wenn der Beifahrer bei offenem Dach
auf selbigem Platz nimmt. Lustig sind auch Polizeikontrollen, wenn der
Beamte auf der linken Seite steht und ich freundlich rüberwinke -
huhu hier bin ich !Für entenfahrende Beifahrer ist es auch immer
ein Erlebnis auf dem gewohnten Fahrersitz zu sitzen, in ein großes
schwarzes Loch zu gucken und nichts tun zu dürfen.
Pfuscher, Stümper, Fachwerkstätten
. . . und andere Kuriositäten
Niemand ist unfehlbar. Das ist unbestritten.
Allerdings werden manchmal Reparaturen nicht nur aus Unwissenheit, sondern
wissentlich falsch ausgeführt. Sei es, daß nicht das richtige
Werkzeug oder Ersatzteil greifbar ist, sondern, vor allem in sogenannten
Fachwerkstätten, weil das sowieso nur eine Ente ist. Diesen Spruch
habe ich nicht nur einmal gehört . . .
Hier will ich mal die heftigsten Reparaturen, Verschlimmbesserungen oder
einfach nur gedankenlosen Pfusch zu Papier bringen, das ich an verschiedenen
Enten entdeckt habe. Das Verschweißen von verschiedenen Bauteilen,
weil die richtige Schraube fehlt, ist noch das Harmloseste, wenn es keine
sicherheitsrelevanten Teile sind, aber bei Demontagen ärgerlich.
Hier einige Beispiele:
Der Lampenbaum wird auf den Rahmen geschweißt - prima. Oder der
Quertopf zwecks Schellenmangel am Wärmetauscher. An diesen Enten
habe ich einen Kupplungswechsel veranstaltet, also Motor raus . . .
da kommt Freude auf . . .
Auch nicht schlecht, wenn die Schraube für den Kotflügel am
Schweller rausbröselt, den Kotflügel einfach auf die Karosserie
zu braten - bravo ! Noch besser war die Ente, deren Lenksäule mittels
halblebigen Schweißpunkten “befestigt“ war - o-hauerha
! Das kann man alles machen . . .
Auch die beliebte Verschweißung von Antriebswellenmutter, Hinterachsmuttern,
Radlagerschrauben oder Spurstangenköpfe auf den Achsschenkel, weil
Schraube abgebrochen oder unter die Werkbank gekullert habe ich unter
anderem an Enten entdeckt, deren Besitzer vorher zwecks Reparatur an diesem
Bauteil teilweise sogar in einer Citroën-Werkstatt waren !
Bei Schweißungen im Bereich Rahmen und Karosserie sind die Beispiele
mannigfaltig und an fast jeder Ente zu entdecken. Das beliebte Riesenblech
unterm Rahmen unter Nichtberücksichtigung der inneren Stehbleche
ist so der Spitzenreiter. Die aufwendigste “Reparatur“ eines
Kofferraumbodens, die ich an einer Ente entdeckte gestaltete sich folgendermaßen:
Wir nehmen ein gerades Blech und wollen den Übergang vom Boden zum
Reserveradbogen flicken. Dann schneiden wir viele kleine Laschen ein und
basteln alá Micky-Maus-Bastelbogen das runde Blech nach mit 378
Überlappungen und setzen dann rosinengroße Schweißpunkte
aufs Blech, vielleicht hält der eine oder andere Schweißbollen
. . .
( Sagt der eine Schweißer zum anderen: Jetzt mach doch mal einen
Punkt ) Es ist teilweise sehr bedenklich was manche Leute unter Schweißen
verstehen, wenn das Blech abnehmbar ist. . .
oder auf bereits eingeschweißte Bleche noch mal eins drauf und noch
mal eins, bis das Bodenblech 2 cm dick ist. Ganz abgesehen von der Schmiererei
mit schwarzer Mumpe. Habe schon Bleche erlebt, die nur mit Karosseriedichtmasse
aufgeklebt waren. Oder wir spachteln den Rahmen großflächig
mit GFK-Matten. Wenn die Typen, die solche Flickwerke veranstalten Aktien
der Firmen Teroson und Presto haben, mag das für die ja ok sein,
aber nicht für die Ente. . .
Was immer wieder interessant anzuschauen ist, wenn eine “normale“
Autowerkstatt eine größere Re-paratur vorgenommen hat. Man
muß sich als Kfz-Mechaniker nicht mit allen Autos bis ins kleinste
Detail auskennen, aber eine gewisse Logik beim Auseinanderbauen, bzw.
beim Wiederzusammenbasteln sollte doch nach einer 3-jährigen Lehre
und entsprechender Berufserfahrung als Voraussetzung gelten. Und so kompliziert
ist die Ententechnik ja sicher nicht, was machen die Buben, wenn’s
mal wirklich tricky wird ?
So hatte ich letztens eine Ente in der Werkstatt, an der das Getriebe
und der Hauptbremszylinder gewech-selt wurden.
Ein kleiner Auszug an unlogischen Meisterleistungen einer Kfz-Meister-Werkstatt:
Der Haupt-bremszylinder wurde, so wie er verpackt war eingebaut, das heißt
ohne Bremsleitungsdichtungen und ohne Zwischenbuchsen an der Pedalerie,
dem Kunden blieb immer das Kupplungspedal an der Bodenmatte unten hängen,
weil die Pedalerie irgendwie auf halb acht hing. Das Fehlen der Bremsleitungsdichtungen
wurde einfach durch einen vermutlich nicht mehr meßbaren Drehmoment
was die Überwurfmutter der Anschlüsse betrifft kompensiert.
Davon abgesehen wurde ein Hauptbremszylinder für DOT-Bremsflüssig-keit
in eine LHM-Ente montiert.
Auch eine interessante Variante der Verwechslung, was die Sache mit der
Bremsflüssigkeit angeht. Eine Schraube der Antriebswellen an der
Bremsscheibe war abgerissen, es sind ja noch fünf andere da. Und
ich armer Idiot habe versucht den abgerissenen Bolzen Härte 10.9
aus dem Antriebswellenflansch zu bohren. Manchmal klappts ja, aber schlußendlich
mußte ich doch den Flansch auswechseln. Die Handbremse auf der linken
Seite war ohne Wirkung, dafür waren die Handbremsseile vertauscht
eingebaut, mit dem Ergebnis, daß der eine Zug quasi ums Auspuffrohr
gewickelt war. Ebenso die Zündkabel, die kleben ja hervorragend am
Auspuffkrümmer und lockern sich dann nicht . . .
Die Heizungszüge waren gut festgeschraubt, leider auch vertauscht,
damit man abwechselnd rechts auf und links zumachen kann, hat Unterhaltungswert
im Winter wie im Sommer. Der Schalthebel war lieblos und verdreht festgeschraubt,
damit die Gangwechsel etwas abenteuerlicher vonstatten gehen. Die Dis-tanzbuchse
der Lichtverstellung wurde vermutlich Opfer der Schwerkraft und danach
vergessen. Der Kunde hat sich in eigener Genialität die Buchse selbst
wieder zurechtgesägt und eingebaut. Er hat mir auch erzählt,
daß die Wärmetauscher am Anfang rechts/links verkehrt herum
eingebaut waren und die Komiker den Auspuff dennoch irgendwie dicht gekriegt
haben. Ich habe das ehrlich gesagt selber noch nicht pro-biert, bin ja
schließlich kein Kfz-Meister. Aber es liegt mir fern eine solche
Meisterleistung zu probieren . . .
Naja und das übliche Chaos im Bereich Kabelbaum, der über allerlei
Schikanen nach vorne gewurschtelt wurde, wenn’s dem heiß wird
ist der Stromfluß ja sicher besser, 3. Lehrjahr Kfz-Mechaniker.
Und man muß sich keine Gedanken machen wozu der Halter am Luftfilter
ist, vielleicht zum Zigarrenschmuggeln?
Im Bereich Bremsen hört der Spaß dann wirklich auf. Das Befüllen
von Scheibenbrems-Enten mit DOT-Bremsflüssigkeit ist so das beliebteste,
das auch Citroën-Werkstätten mit steigender Begeisterung veranstalten.
Verkehrt herum eingebaute Bremsklötze, also mit dem Metall zur Scheibe
ist da schon seltener. Aber als die Kundin dann in der Werkstatt fragte,
warum das sich nach der Reparatur so komisch anhört beim Bremsen
und sie die Antwort erhält, daß sich das noch einschleifen
müsse, so frage ich mich manchmal, was die Leute eigentlich denken,
die so einen Pfusch bauen. Eine Entenwerkstatt in Berlin hat auch mal
versucht die hinteren Bremsen zu entquietschen. Nach mehrmaligem Aus-
und Einbau der Trommel mit halblebigen Zentrierversuchen wurden schlußendlich
einfach die Bremsbeläge mit Kupferpaste eingeschmiert. Richtig, Auftrag
war, daß die Bremsen nicht mehr quietschen sollen, niemand hat gesagt,
daß die Bremse hinterher noch funktionieren soll . . .
Eine weitere Meisterleistung einer Citroën-Werkstatt war der Wiedereinbau
der Bremssättel nach Scheibenwechsel. Einer war schlicht verkehrt
herum eingebaut. Im Bereich Fahrwerk wird auch gerne gebastelt. Wenn man
zum Beispiel beim Lösen der Antriebswellen-mutter abrutscht und das
Gewinde eines Radbolzens der Nabe ruiniert, so flext man einfach so lange
rum, bis nur noch gutes Gewinde da ist. Daß die Schraube dann nur
noch eine dreiviertel Umdrehung greift ist dann irrelevant, sind ja noch
zwei Schrauben dran . . .
Das Erneuern der Achsschenkelbolzen durch eine Feld-Wald-und-Wiesen-Werkstatt
endet oft als übler Pfusch. In Ermangelung geeigneten Werkzeuges
ist das Spiel mit den neuen Bolzen oft schlimmer als vorher. An einer
Ente, an der das vor einem halben Jahr passiert ist war das Spiel des
Achsschenkelbolzen oben am Rad ca. 3 cm ! Auf der anderen Seite ca. 1
cm, anscheinend haben die auf der einen Seite probiert und die gröbsten
Fehler auf der anderen Seite unterlassen. Dafür haben die Kasper
den Bolzen trocken verbaut und auch nicht abgeschmiert. Oder es werden
einfach die Schmiernippel entfernt, ist doch Vorkriegstechnik und überhaupt
alles Gewicht . . .
Interessant war auch die Rechnung eines Clubkameraden, der in einer Citroën-Werkstatt
zwecks Kundendienst war, Ölwechsel, Zündung usw. Auf der Rechnung
waren 4 Zündkerzen berechnet - von einer Citroën-Werkstatt !
Und es war eine gelbe Charleston und keine Sahara . . .
Den besten Gag hat mal ein Azubi bei Citroën gebracht, als er an
einer Ente Ölwechsel machen sollte. Es wurden 6 Liter Öl berechnet.
Dem Besitzer der Ente der Ente war das völlig klar, warum soviel.
Als er auf den Werkstatthof kam, um seine Ente abzuholen sah er da den
Typen an seiner Ente stehen, der gerade mit einem Schlauch und einem Trichter
versuchte über das Rohr des Meßstabes die Ente mit Öl
zu füttern. Der Einfüllstutzen wurde vermutlich zum Befüllen
des Kühlwassers gedeutet . . .
Daß da gut und gerne über die Hälfte in den Motorraum
und auf dem Boden kleckert ist ja klar und das wird dann auch auf die
Rechnung geklatscht . . .
Fehler in Büchern sind normal. Auch in mienem . . .
Rächtschreibung ist so eine Sache, da braucht man einen guten Läcktor.
Inhaltliche Fehler werden dann aber gerne übersehen und auch in neueren
Auflagen mit sturer Beharr-lichkeit abgedruckt. So z.B. in der blauen
Reparaturanleitung von Bucheli. Originalauszug aus dem Vorwort : Verwenden
Sie nur Originalersatzteile von Renault. Na das probieren wir doch mal
. . .
In der neuesten Auflage (Band 1202) dieser Reparaturanleitung ist im Schaltplan
für die Club bzw. Special im hinteren Kabelstrang ein zweiter Öldruckschalter
bezeichnet, waren das jetzt doch Neuauflagen der Sahara ? Zur Erklärung:
es sollte die Innenbeleuchtung sein . . .
Auf Seite 115 zum Betrachten des Bildes Nr. 212 das Buch bitte um 180°
drehen oder die Ente . . . dann ist die hintere Bremse in der richtigen Lage . . .
In einem neuen Entenbuch (hellblau / DIN A 4 . . . ich nenne keine Namen
. . . )
ist unter der Maßzeichnung der Ente dieses Fahrzeug als 2 CV 8 bezeichnet
. . .
ist mir da was entgangen ? Im gleichen Buch ist die orange Schmalente
vom Schweizer Welttreffen als Threewheeler untertitelt. Wer aber zählen
kann sieht, daß da noch alle vier dran sind . . .
Und eine normale Ente im Offroadlook wird kurzerhand als Sahara bezeichnet,
nur weil das Ersatzrad auf der Motorhaube ist und im zugeklebten 3. Seitenfenster
gefakte Lüftungsschlitze sind . . .
In einem anderen Entenbuch wird in einer Checkliste für Ersatzteile
für Fernreisen angegeben eine Ver-teilerkappe mitzunehmen. Die kann
man sich dann auf den Kopf stellen und einen indianischen Zündungs-tanz
um die Ente veranstalten, wenn das Vieh nicht anspringen will, ehrlich
das funktioniert ! Darüber hinaus soll eine Spurstange mit Bügel
für vorne und hinten mitgenommen werden. Mit Bügel meinen die
wohl den Lenkhebel, aber ich weiß ganz genau, daß die Ente
nur vorne Spurstangen zum Lenken hat . . .
oder doch wieder so eine Sondervariante, die an mir vorbei ging ?
Das Highlight in dieser Not-Ersatzteile-Liste ist aber der Hinweis Kunstharz
und Glasfasermatten für Notreparaturen am Rahmen mitzunehmen. Fehlt
eigentlich nur noch, daß man Dachlatten und eine Handvoll Spax für
die Rahmenverstärkung verwenden soll oder doch lieber alles mit Isoband
dauerhaft fixieren. . . ?
Interessant auch der Aufdruck auf einer Ölfilterverpackung original
von Citroën für welche Autos dieses Teil nun ist: 2 CV 4 / 2
CV 6, Dyane usw. Ist anscheinend Citroën seit den letzten 30 Jahren
nicht aufgefallen, daß die 4-er Ente gar keinen Ölfilter hat
! Aber auch die freien Teilehändler haben in ihren Listen Kuriositäten
anzubieten. So wird ein Schraubenset aus Edelstahl für die hinteren
Kotflügel detailliert mit der DIN-Nr. und den Abmessungen der Schrauben
aufgelistet.
Aber wozu brauche ich 5 Schrauben für die Befestigung außen?
Gab es doch mal Enten, die 15 cm höher waren oder geht der Händler
davon aus, daß ich über dem Gully schraube und immer eine
Schraube der Kanalisation zugeht ? Bei einem Teil haben sich die Buben
aber zusammengetan, da in fast allen Listen der Teilehändler
der Kantbolzen für die Federstrebenaufnahme an den Achsen als
ein Teil mit einer Artikelnummer angeboten wird. Aber leider sind
die Teile unterschied-lich, denn der hintere Bolzen ist dicker als
der vordere. Welchen kriegt man jetzt dann, wenn man so ein Ding bestellt,
oder wird dann eine Feile mitgeliefert zum dünnermachen oder
Tesakrepp zum umwickeln. Muß ich vielleicht doch mal ordern,
schaun mer mal was dann ankommt. |
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