Stories

 
Es gibt genug Bücher über die Ente, die Geschichten rund um die Ente erzählen. Von Prototypen, Entwicklungsgeschichte, Fernreisen oder so will ich nix schreiben. Dazu gibt es ja die anderen Bücher, falls Ihr die Geschichten nicht kennen solltet, so studiert mal die Bücherliste in meinem Buch.

Ich will also nicht von Abenteuern oder Situationen erzählen, die irgendein ein Franzose irgendwann in den 50ern erlebt hat, sondern von Dingen, die ich erlebt habe, da ja schließlich ich grade am PC sitze und diese Geschichten schreibe. So versuche ich jetzt mal in der Anekdotenkiste zu kramen und einige Erlebnisse zum Besten zu geben.


Lady Loupolopulus

Diese Dame ist meine AK 400 (Kasten-Ente), die ich 1990 über Klaus aus Furtwangen erwerben konnte. Klaus und seine damalige Freundin Andrea lerne ich 1989 in Orleans auf dem Welttreffen kennen. Plaketti aus der Schweiz mit einer bambusgrünen Ente hatte am letzten Tag des Treffens per dreisprachiger Lautsprecherdurchsage verlautbaren lassen, daß er einen Konvoi in die Bretagne organisieren will. Das hat auch hervorragend funktioniert. Am vereinbarten Treffpunkt standen zur richtigen Uhrzeit 9 Enten um ge-meinsam in die Bretagne zu kacheln. Es war eine bunte Mischung :

Plaketti wie gesagt, dann noch Toni aus der Schweiz mit Tochter (ACDY gelb), Mäggie aus dem Saarland (Ente rot), Andrea und Klaus aus Furt-wangen (AK 400 rot), Hilke aus Friesland (Ente grau), Thomas aus Hamburg (Charlie rot), sowie Uli und Geli (Charlie rot), Markus (Roadster schwarz) und ich mit Mephisto. Soweit, wie ich Klaus kennengelernt habe. Auf dieser Konvoifahrt und auch die Holztransportaktionen auf dem Campingplatz in der Bretagne haben mich AK-infiziert und ich habe Klaus gesagt, wenn ihm mal so ein Ding übern Weg läuft sofort zum Telefon zu wetzen. Das dauerte auch nicht lange und Klaus erzählte was von einer AK aus Freiburg ohne TÜV - DM 250 - zuschlagen. Im Kaufvertrag der Verkäufer stand dann ausdrücklich, daß die AK Lady Loupolopulus heißt und am liebsten beim Schweißen so genannt wird. . .

So stand dann also eine AK vor der Haustür, die karosseriemäßig blätterteigmäßige Konsistenz aufwies. Bodenbleche, Schweller, Quertraversen unter der Ladefläche undundund. Nach mehreren Telefonaten quer durch die Republik (danke noch mal Mama, für die Kostenübernahme ) hatte ich dann alle Teile zusammen und brutzelte drauf los. Original-Bodenbleche, die Traversen unter der Ladefläche, Heckbleche usw., dazu noch alle AK-spezifischen Teile wie Hecktüren, Kotflügel hinten und die Seitenklappen, alles nigelnagelneu.

Ich konnte bei Manne in der Garage an meine AK ran und schweißte alle Teile ein, die Karosserieteile habe ich nicht gewechselt, da ich erst mal zum TÜV wollte und die Kosmetik dann später machen will.( Ehrlich gesagt ich bin bis heute noch nicht dazu gekommen) . Also fuhr ich mit einem technisch und untenrum rostmäßig makellosen AK zum TÜV. Nur das äußere Erscheinungsbild ließ doch noch etwas zu wünschen übrig, er sah wirklich aus, wie wenn er frisch aus der Mülltonne gekommen wäre. Auf dem TÜV-Hof stellte ich mich brav in die Schlange, um die ungläubigen Blicke der anderen Autofahrer zu erhaschen, die dachten wahrscheinlich, ich sei von der Versteckten Kamera oder so. Besonders ein junger Herr mit einem Tief-breitzornig-VW Scirocco konnte es sich nicht verkneifen einige Bemerkungen loszuwerden, so von wegen hier werden keine Altautos angenommen . . .

Als ich dann in die Halle gewunken wurde kratzte sich das Prüferlein am Hinterkopf, rückte seine Kassen-gestellbrille zurecht, klemmte seinen Prüfbogen in die Schreibunterlage und begann die Prüfung mit dem Kommentar “ Naja, da müssen wir wohl einen Exitus schreiben“. Ich sagte nix und ließ ihn machen. Die übliche Prozedur beim TÜV, AK auf die Grube, der Prüfer drunter . . .

dann minutenlanges Schweigen, danach auf den Bremsenprüfstand, der Prüfer traute seinen Augen nicht, ich aber meinen neuen Bremsen. Schlußendlich grinste ich den Prüfer an, als der die neue Plakette klebte und sich vielleicht auch ein bißchen verarscht vorkam, weil die AK wirklich ohne Mängel durch den TÜV kam. Äußeres Erscheinungsbild ist gottseidank noch kein Prüfkriterium. Als ich dann aus der Halle fuhr stand da der Typ mit dem Scirocco, wie er die Klebebandstreifen an den Rückleuchten abpulte. Die hat er wohl draufgemacht, weil er keine Kohle mehr für die coolen, verdunkelten Leuchten hatte. Sein Kinn fiel bis auf den Boden, als er sah, daß ich ‘ne neue Plakette habe und er nicht. Späte Gerechtigkeit. So fuhr ich dann Lady Loupolopulus einige Jahre in Süddeutschland spazieren.

Geiles Fahrgefühl, viel krasser als Ente, es gibt einige Ecken in Mühlacker, die ich permanent auf drei Rädern durchfuhr. Einige arme Verkehrsteil-nehmer, die mir bei diesen Aktionen entgegenkamen haben eine Vollbremsung hingelegt, da sie befürch-tetet, daß die AK demnächst auf der Seite liegend über ihre Fahrbahn schranzt. Als ich dann nach Berlin zog hatte die AK aus Zeitgründen keinen TÜV mehr und war abgemeldet. Aus diversen Gründen lief auch die Stillegungsfrist aus und nun steht sie in meiner Werkstatt in Kreuzberg und wartet auf ihre Reaninmierung, die ich so bald als möglich realisieren will. Dann passierte eine unglaubliche Geschichte. Als ich im Juni 2000 in Mühlacker auf dem Pfingsttreffen war habe ich an einer orangen Ente aus Freiburg die Zündung eingestellt, weil das arme Tier motormäßig lief wie eine 4er-Ente mit Kolbenklemmer.

Mit den Enten-besitzern, einem Paar so um die vierzig kam ich dann gut ins Gespräch und sie erfuhren dann, daß ich in Berlin eine Werkstatt habe und sie sich gerade überlegen unter die Ente einen neuen Rahmen zu schnallen. Ich sagte no problem, kommt zu mir nach Berlin und paletti. Es waren auch keine großen Überlegungen bei den beiden nötig und wir besiegelten den Deal per Handschlag. Die beiden kauften dann auch noch eine Ausgabe meines Entenhandbuches und verließen am Montag nachmittag den Treffenplatz. Keine zwei Stunden nachdem sie verschwunden waren klingelte mein Handy, dran war die Frau, völlig aufgelöst und erzählte was von wegen, sie habe gerade in meinem Buch die Story über meine AK gelesen und kann es nicht glauben, daß diese AK Lady Loupolopulus heißt.

Denn das war deren alte AK, die sie 1990 einem Klaus aus Furtwangen verkauft haben. Ich war völlig baff und konnte es auch gar nicht glauben, welche irre Ge-schichte gerade über mich hereinstürzt. Aber so schließen sich die Kreise und wenn eine Ente mal in der Szene unterwegs ist, so taucht sie immer wieder irgendwann, irgendwo auf diesem Planeten wieder auf. Lady Luopolopulus lebt ! Für immer ? So lange ich lebe sicher . . .


Komm, wir machen uns ‘nen schönen Abend

Diesen Satz hatte ich zu einem Mädel gesagt, für die ich mich interessierte, Susanne hieß sie. Zu dieser Zeit hatte ich gerade eine Winterente in grün als Gefährt, so ‘ne auseinanderfallende Büchse mit grade noch TÜV übern Winter und tschüß. Ein paar Tage vorher hatte ich mit der Ente die Putzfrau ausm Geschäft nachhause gefahren. Zwei Faktoren waren entscheidend für folgende Situation: Erstens kam die Frau sehr gut über den Winter, wenn man von 2 ½ Zentnern zehren kann und zweitens wohnte sie in so einem verkehrsberuhigtem Ghetto mit diesen eingebauten Hügeln. Also: Ein Monstrum auf dem Beifahrersitz, ein Hügel und eine zerfallende Ente.

Rumms, saß die Putzfrau einen Stock tiefer, weil das komplette Bodenb-lech vom Schweller abknallte. Soviel zum Allgmeinzustand dieses Vehikels. Bevor ich interessantere Frauen auf den Beifahrersitz setzen wollte, habe ich das notdürftig gerichtet, es hielt auch bis zum Schluß. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Ich also bei Susanne vorgefahren, mit dem oben zitierten Satz. Wir wollten nach Stuttgart, ca. 35 km von meiner damaligen Heimat. Wir fuhren über die Autobahn an einem nieseligen Novemberabend. Die Autobahn war trocken, als ich aber auf die Abfahrt fuhr wars da feucht und da es einige Wochen lang nicht geregnet hatte, war das ‘ne richtige Dreckschmiere.

Mir ging wirklich der Arsch, nicht nur mir, sondern auch der Ente, die hinten ausbrach. Ich also gegen-gelenkt, ein bißchen Gas und die Ente schwenkte zurück, aber ein bißchen zuviel. Denn nun schoß sie frontal auf die Leitplanke zu. Ich riß also noch mal das Lenkrad rum und konnte den Frontalcrash ver-hindern. Allerdings döllerte die Ente ein paar mal mit dem hinteren, linken Kotflügel an der Leitplanke lang. Danach schoß ich quer über die Straße in die Pampa rechts der Piste und konnte noch vor dem Brücken-pfeiler die Ente zum Stehen kriegen. Uff, das ging nochmal gut, ausgestiegen, geguckt, anscheindend alls ok, nur der Kotflügel lädiert. Ich ließ Susanne ein paar Meter fahren und bin hinterhergespurtet und habe geguckt, ob das Rad nichts abgekriegt hat und eiert oder so.

Aber alles ok. Wir fuhren also weiter nach Stuttgart rein. Allerdings streifte das Rad in jeder Rechtskurve am Kotflügel, bis der Lack qualmte. Wir schafften es aber noch bis zu der Kneipe, die ich mir ausgedacht hatte, das Jenseitz, eine witzige Homokneipe mit Schwulen und Lesben. Als wir davor parkten packte mich der Entschluß, den Kotflügel wegzumachen, damit er nicht mehr streift. Da er sowieso hinüber war packte ich den großen Hammer aus und demontierte damit den Kotflügel. Wer mein Werkzeug kennt, der weiß jetzt, wie ich aussah. Denn, wenn jemand mein Werkzeug nur anguckt, der ist sofort ölig, denn es wird damit gearbeitet. Wir also in die Kneipe, ich mit völlig versifften Flossen, dann gleich aufs Clo und waschen. Neben mir am Waschbecken stand ein gutaussehender junger Mann und schaute mich völlig entgeistert an, von wegen, wie kann man um diese Uhrzeit und überhaupt hier solche dreckigen Hände haben . . .

Susanne wollte dann nicht länger bleiben, da ihr die Kneipe doch nicht so behagte. Also nächste Kneipe, aber wir wurden ausgebremst. Wir fuhren keine 100 m, schon war da ein grünweißes Auto mit blauen Ein-machgläsern auf dem Dach und hielt uns an. Die Polizisten sagten mir, daß da an meiner Ente etwas fehlen würde. Ich erzählte ihnen eine Story von wegen Parkplatzrempelei, weil, wenn ich denen erzählt hätte, daß ich ‘ne Leitplanke touchiert habe, hätte ich noch die Polierkosten für die Leitplanken an der Backe gehabt. Ich sagte auch noch, daß das erst passiert ist und ich den zerkneulten Kotflügel im Kofferraum habe und ihnen zeigen will. Ich also die Heckklappe auf, aber irgendwie, war da alles nicht so richtig verstaut, da der Kotflügel und danach ein alter 20-ltr-Blechkanister vom Spermüll den Polizisten vor die Füße knallte.

Und das nachts um halb eins in den Häuserschluchten. Dengel, schepper, kawössel. Die Polizisten waren dann schon etwas gereizt und Susanne versank langsam im Beifahrersitz, weil ihr das ab jetzt irgendwie zuviel wurde. Die Polizisten meinten ich solle alles wieder in die Ente stopfen und beratschlagten, was sie jetzt mit mir anfangen sollten. Als ich den Vorschlag machte, sie sollen mir einen Mängelbericht ausstellen, daß der Kotflügel fehle und ich innerhalb der nächsten fünf Werktage bei einem Polizeirevier mit repariertem Entlein vorfahren müsse und gut sprengte ich den Dienstweg. Denn, so der Polizist, das dürfe nicht ich ihnen vor-schlagen, das dürfen nur Polizisten.

Schlußendlich und nach längerer Diskussion bekam ich einen Mängel-bericht, daß der Kotflügel fehle uswusw. Als ich wieder in die Ente stieg meinte Susanne, daß sie jetzt ganz schnell nachhause wolle. Komisch, der Abend hat doch so schön angefangen. Aber ich fügte mich meinen SchicksaL und fuhr wieder Richtung Heimat. Kurz bevor wir aus Stuttgart rausfuhren war noch ‘ne riesige Polizeikontrolle, so mit Tempo 30 und Spur dichtmachen.

Susanne wurde ganz grün im Gesicht, gottseidank fehlte der Kotflügel links und von der rechten Seite war es noch eine komplette Ente und wir wurden durch-gewunken. Als wir bei Susanne in die Straße einbogen hörte ich sie sehr, sehr tief durchatmen, als sie aus-stieg hörte ich ein Uff, glaube ich zumindest. Als ich fragte, ob wir mal wieder zusammen weggehen wollen oder so, meinte sie “ich glaube nicht“. Spätere Versuche sie ans Telefon zu bekommen wurden von ihrer Familie erfolgreich unterbunden. Hätte ich doch einen weißen Golf Diesel gehabt, dann wäre das nicht passiert, aber vielleicht doch ganz gut, sonst hätte ich jetzt eventuell ‘ne liebe Frau aber dafür keine Enten . . .
Man muß doch Prioritäten setzen im Leben.


Verwirrte Polizisten

Als ich mal mit meiner schwarzen Edelente Mephisto in Karlsruhe unterwegs war habe ich mit dem Er-scheinungsbild meiner Ente die Besatzung eines Streifenwagens etwas überfordert. Wer diese Ente nicht kennt, so fällt es schwer sie zu beschreiben, aber ich versuche es mal. Also schwarze Ente mit Weißwand-reifen, Chromecken an den Kotflügel, Reserverad in der Motorhaube eingelassen, Rohrstoßstangen vorne und hinten mit intergrierten Leuchten, Queue mit Gepäckträger und Zusatzbrems-leuchten von der Harley, Klappscheiben hinten und noch mehr Schnickschnack. Aber (fast) alles eingetragen!


Ich fuhr gerade aus Karlsruhe raus Richtung Autobahn, als sich von hinten ein Polizeiauto näherte. Sie fuhren erst hinter mir, wechselten dann die Spur und fuhren neben mir. Als ich rüberguckte sah ich zwei aufgerissene Augenpaare mit den dazugehörigen offenstehenden Mündern. Sie fuhren dann vorbei und setzten sich vor mich, wobei beide Polizisten wie gebannt in den Rückspiegel starrten. Der Copilot drehte die Scheibe runter und kramte nach der Haltekelle. Das beste kommt jetzt: Denn ich mußte anhalten, weil die Ampel, auf die wir zufuhren schon längere Zeit rot war. Ich stand nun an der Ampel und das Polizeiauto raste bei stockrot mit schwenkender Kelle über die Kreuzung. Gottseidank kam kein Querverkehr. Die Polizisten hielten dann gleich nach der Kreuzung in einer Bushaltestelle, wo ich, nachdem die Ampel grün war auch reinfuhr. Die Polizisten murmelten was von Fahrzeug- und Personenkontrolle, ich meinte aber, daß die Ampel, die sie überfuhren doch sehr rot war.

Dieser Tatsache waren sich die Jungs auch bewußt und der jüngere Beamte bekam fast so was wie Reue aufs Gesicht. Der andere, ein alter Haudegen brüllte aber gleich rum, daß das nicht meine Sache sei und so. Er tanzte um meine Ente rum und zog sämtliche Register, daß ich eigentlich verhaftet werden solle, mit solchen Umbauten an der Ente rumzufahren. Das ist alles nicht zulässig, verboten lalllallgummiball. Der andere Beamte hatte zwischenzeitlich meine Papiere bekommen und studierte aufmerksam, lief um meine Ente rum und begutachtete alles.

Als er zu seinem cholerischen Kollegen sagte, daß alles eingetragen sei, riß der ihm meine Papiere aus der Hand, guckte sich das alles an, bekam einen hochroten Kopf und rauchte aus den Ohren. Ich saß in mich hinein grinsend in der Ente und bekam meine Papiere mit der Bemerkung “Gute Fahrt Herr Losch“ zurück. Als ich den Polizisten auch eine Gute Fahrt wünschte und von wegen Rote Ampeln nur mit Blaulicht und Tatütata ließen sie sich nichts mehr anmerken und fuhren mit quietschen Reifen davon. Den Fahrzeugschein, den ich den Beamten unter die Nase hielt seht ihr auf der nächsten Seite, um diese Story abzurunden . . .


Stolperfalle für TÜV-Ingenieure

Als ich mal mit meinem Enten-Roadster zum TÜV mußte ereignete sich eine Geschichte, die ich nie ver-gessen werde. Mein Roadster ist ein Bausatz der Fa. Der Franzose, früher hieß er Der Entenmacher. Bei diesem Roadster gibt es keine Türen, die Seitenwand ist fest verklebt und bis zu den Sitzflächen hoch-gezogen. Aus- und Einsteigen kann bei ungelenken Menschen ein Problem darstellen. Und so ein unge-lenker Mansch war der TÜV-Prüfer, der sich meinem Roadster annahm. Das Einsteigen war schon film-reif. Das Aussteigen wäre der Jahrespreis bei Pleiten, Pech und Pannen geworden. Denn um sinnvoll aus dieser Ente zu kommen muß man erst den linken Fuß rausschwenken, abstützen und mit Schwung raus.

Der Herr TÜV-Ingenieur wollte es aber mit einer anderen Variante probieren. Er stand nämlich komplett auf und wollte dann raus. Irgendwie hat er dann seine Füße mit dem Lenkrad und dem Sitz verheddert, jeden-falls konnte er seine Vorwärtsbewegung nicht mehr stoppen und knallte voll mit dem Gesicht auf den Boden. Die Brille schoß quer über den Hof, das Brett mit dem Prüfbogen in die andere Richtung. Der hat sich tatsächlich die Nase blutich geschlagen und brüllte rum, das sowas aus dem Verkehr gezogen werden solle und gefährlich und so. Auf alle Fälle wurde die Prüfung abgebrochen, der blutende Prüfer von seinen Kollegen beruhigt und ich wurde vom Hof verbannt, mit der Auflage hier nie mehr zu erscheinen. Hausverbot beim TÜV, auch was wert.


Warum ich eigentlich Ente fahre

Tja, das ist eigentlich ganz einfach. Das war 1985 im Frühjahr, da hatte Schwenki, ein Kumpel von mir den Führerschein gemacht und bekam von Bernd einen Käfer geschenkt, der aber bald zerfiel. Dann kaufte er sich einen schwarzen 03er-Käfer. Mir war völlig klar, daß, wenn ich im Herbst den Führerschein mache auch ein rundes, altes Auto will und keinen Fiesta oder Polo. Ich mußte mir aber erst die Kohle dazu verdienen. So arbeitete ich in den Sommerferien bei der Kühlerfabrik Behr in Mühlacker und verdiente da 1900 DM. Ein Feuerwehrkamerad, Gowig fuhr zu der Zeit eine schwarz-rote Carleston-Ente.

Der erzählte mir, daß eine Freundin ihre Ente verkaufen will. Ich also mit Schwenki dorthin, weil der muß sich ja mit Autos aus-kennen, da er schon seit Monaten den Führerschein hat. Und ich keinen Plan. Da stand sie nun, Luise hieß sie, in orange mit grünem Dach, fehlte nur noch die Jägermeister-Werbung. Schwenki lief um die Ente rum, zählte die Räder, suchte den Motor, alles da, gekauft. Ich handelte die Ente noch von DM 750 auf DM 710 runter.

Allerdings hatte ich noch keinen Führerschein und so stellten wir Luise bei Schwenki hinters Haus und meldeten sie ab. Gowig hat mich dann gleich mit in den Entenclub gezerrt, zu dem ich erst mal mit dem Fahrrad hin müßte. Im Oktober hatte ich dann den Führerschein für DM 1199 in der Tasche und keinen Pfennig Kohle mehr. Die Steuer zahlte meine Mutter und das erste Vierteljahr Versicherung kratzte ich irgendwie zusammen. Da stand sie nun vor der Tür, versichert, versteuert, der Pilot mit Lizenz, aber ohne Sprit. Die erste Zeit tankte ich am Schrottplatz, wo wir den Sprit aus den Schrottautos abzapften. . .

Diese Zeit war schon eine wilde, Schwenki stopfte seinen Käfer mit Leuten voll und ich meine Luise und am Wochenende nach Stuttgart oder Karlsruhe in die Discos. Dann fingen Schwenki und ich irgendwann an wild zu basteln. Aus irgendwelchen Relikten vom Schrottplatz bauten wir uns Zusatzleuchten, Innenleuch-ten, Heckwischer und wasweißichwas an unsere Vehikel. Ich kann mich noch an Weihnachten so 1988 oder so erinnern, als wir auf Schwenkis Käfer einen Mercedes-Kühlergrill bastelten. Es war eine heftige Aktion, an den Feiertagen im Keller rumgeflext, ’ne Kühlschrankrückwand vom Schrott geholt, ein Riesen-blech auf die offene Ente gelegt, Holzes saß vorne und hielt das Blech mit der Hand und Mason hinten, es war wirklich eine wilde Zeit. Rumgepfuscht ohne Ende, aber auch viel gelernt.

Ich hatte auch zahllose Unfälle, meist unverschuldet, Luise und dann meine zweite Ente, der Detlef waren manchmal gut zer-fleddert. Ich weiß selber nicht mehr so genau was ich so alles touchiert habe, bzw. was alles an meinen Enten zerschellte. Einmal habe ich ‘nem BMW die Vorfahrt genommen, dann rauschte mir ein Moped hinten rein und auch mal eine Geschäftskollegin. Ein LKW hat mir mal den Kotflügel vorne weggefahren und auf einer engen Straße kam mir in einer Kurve ein Bus entgegen. Begegnungsverkehr in der Einbahnstraße undundund. Der beste Crash war mal in Pforzheim auf einem Parkplatz als ich einem stinkenigelnagelneuen Mercedes mit meiner Rohrstoßstange rückwärts so in die Fahrertür gefahren bin, daß die Tür nicht mehr aufging. Und dann war das noch so ein hohes Tier von der Bundesbank mit hysterischer Ehefrau auf dem Beifahrersitz. Auweia !

Dann hatte ich noch zwei heftige Crashs als ich nach einer Alarmierung zur Feuer-wehr unterwegs war. Tja die Sturm- und Drangzeit, ich habe sie als volles Programm durchgezogen. Die dritte Ente habe ich heute noch, meine schwarze Ente namens Mephisto. Die habe ich pfleglicher gefahren und nicht so viele Karosserieteile an Fremdfahrzeugen kaltverformt wie bei Luise und Detlef. Dazwischen waren noch allerlei Winterenten. Ich wollte eigentlich erklären, warum ich Ente fahre, so ganz plausibel ist es glaube ich nicht geworden. Es liegt wahrscheinlich daran, daß ich selber nicht weiß, warum mich die Ente gleich von Anfang an so faszinierte, da mir die eigentliche Philosphie erst viel später klar wurde. Jedenfalls, eins kann ich mit Sicherheit sagen : Ich bereue nichts !


Der Entenclub

Wie schon vorher erwähnt hat mich Gowig in den Entenclub genommen. Hanse war damals Präsident, dann waren da noch Tommy, Roland und Moni, Joan, Helga und ich weiß nicht mehr so genau, sorry, wenn ich jemanden vergessen habe. Jedenfalls so ca. 1986 löste sich die Geschichte langsam auf, Gowig kaufte sich den BX, Hanse irgendeinen Japaner usw. Irgendwann drückte mir Hanse zwei, drei Ordner mit den Enten-club-Unterlagen in die Hand und ernannte mich zum Präsidenten. Da saßen wir nun als kleines Häufchen, Joan noch und Peter, der damals frisch dazu kam. Es war etwas trist, weil, wenn einer fehlte und die andere zu spät kam, saß ich alleine in der Kneipe. Der Club bin ich. . .

Irgendwann aber kamen dann Roland und Moni mit Karlheinz und Petra und einige neue Mitglieder, auch durch eine Flyeraktion. Jetzt waren wir wieder ein richtiger Stammtisch mit so 10-12 Leuten und wir fuhren auf Treffen, als Höhepunkt damals das Weltententreffen in Orleans 1989. Wir haben dann auch beim Straßenfest in Mühlacker mitgemacht, aber nicht mit der obligatorischen Freß- und Saufbude. Wir haben bei Carrera eine riesige Rennbahn organisiert und haben den Rennautos Entenkarosserien verpaßt und für ‘ne Mark oder so konnte jeder mal das Rennen machen.

Für die Kinder gedacht entpuppte es sich als beliebtes Spiel für die Väter, war ‘ne geile Aktion, wir waren mit dieser Idee auch mit großem Bild in der Ortspresse. Dann kam uns die Idee ein Ententreffen an Pfingsten zu organisieren. Das war 1990 und mit viel Aufwand und Organisationsgeschick hatten wir dann ein Riesenzelt, einen Bierwagen, einen Haufen Holz fürs Lager-feuer und Karlheinz als Koch. Sonntags zum Frühschoppen hatten wir dann eine Jazzband organisiert. Dann machten wir eine Werbungsaktion, einmal als Eigenwerbung und dann noch wegen dem Jazzfrühschoppen. Aber wir haben nicht einfach Plakate geklebt, ok, das auch, wir ließen uns noch was anderes einfallen.

Ich versuche das mal ohne Gefühlsausbrüche zu kommentieren. Ich organisierte eine gelbe Ente, baute Motor, Getriebe usw. aus, bastelte ein Holzgestell, vier leere Ölfässer dran und ließen diese ganze Kon-struktion auf die Enz, der Fluß der durch Mühlacker fließt. Wir ließen uns stromabwärts treiben und befes-tigten die Ente am Brückenpfeiler. Danach befestigten wir ein Transparent mit der Werbung für Treffen und Jazz. Es herrschte helle Aufregung im Dorf. Obwohl alles genehmigt war bei Polizei, Ordnungsamt, Wasser-wirtschaftsamt und dem Ufer- und Böschungsamt ( das gibts wirklich ! ), waren die Anrufe bei der Polizei von besorgten Bürgern durchaus kurios, von wegen, da schwimmt eine Ente im Fluß.

Es soll auch zwei Auffahrunfälle auf der Brücke wegen der Ente gegeben haben. Es wurde ein absolut geiles Treffen, die die damals dabei waren wissen warum, Blues Brothers und Rocky Horror bis zum Abwinken. Armin, der sich am Zeltseil räkelte oder Markus wild mitgröhlend mit beiden Händen auf den Tresen trommelnd, so kennt man ihn gar nicht. Oder die Geschichte mit dem Hühnerdieb. . .

Das Pfingsttreffen ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Treffenkalender der Entenszene geworden, aber das erste war mit Abstand das beste.


Mit Enten lernt man Menschen kennen

Das ist tatsächlich so. Nicht nur, daß man im Entenclub oder auf Treffen Menschen kennenlernt, sondern so richtig, ich meine damit echte Freundinnen und Freunde. Das mit den Freundinnen habe ich auch konse-quent durchgezogen. Wenn ich so meinen Lebenslauf in punkto Lebensabschnittsparterin ( so heißt das jetzt ja, finde ich irgendie abgedreht, trifft den Kern der Sache aber eigentlich sehr genau ) so durchchecke, sind da zu 92,87 % Frauen mit Enten. Die Frauen, die das betrifft und jetzt mein Buch in der Hand haben, wissen was ich meine. Völlig out of space ist die Begegnung mit Walburga und die Weiterentwicklung unserer Freundschaft. Als ich noch in Mühlacker war und in der Scheune an Enten rumbastelte hatte Uli, meine damalige Freundin ( natürlich auch mit Ente, Bj. 74, dunkelblau. . .

die Ente eine Untermieterin, die im Nachbarort in einer Klinik arbeitete. Dort arbeitete auch Walburga, die damals in Karlsruhe wohnte und eine rote Ente hatte. Durch ihre Kollegin und Uli usw. erfuhr sie, daß es da jemanden gibt, der sich mit Enten auskennt. Irgendwann rief sie mich auch an und stand dann in meiner Werkstatt in der Scheune. So lernte ich Walburga kennen. Aber es geht noch weiter. Da die rote Ente von Walburga nicht die beste war und der TÜV-Termin anstand, mußte ich, was ich selten mache, ein Todes-urteil aussprechen. Walburga war sehr erschüttert über mein Urteil, konnte ihr aber eine sofortige Alter-native anbieten. Eine gelb-schwarze Charleston-Ente, die ich eigentlich für Kerstin als Pick-Up umbauen wollte stand da noch so rum. Kerstin war damals nicht mehr für mich da, aber das ist eine andere Geschichte . . .

Jedenfalls war da noch die Charlie und Walburga begab sich ca. eine Stunde in die Garage und ließ die Ente auf sie wirken. Es wirkte und Walburga hatte dann eine gelb-schwarze Charleston-Ente. Sie hat sie wirklich lieb gehabt und hat alles erdenkliche getan, um ihr nicht das gleiche Schicksal angedeihen zu lassen, wie ihrer vorherigen, roten Ente. Sie und ihr Freund Gunnar haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Vorder-türen waren ziemlich marode und sie haben die die Türen der alten, roten Ente umlackiert. Farben an-mischen lassen und gepinselt, aber so gepinselt, wie ich es mit der Sprühdose nicht besser gekonnt hätte, akribische Kleinarbeit bis ins Detail, einfach Wahnsinn.

Walburga und Gunnar zogen dann nach Rittersbach bei Nürnberg, aber der Kontakt brach nicht ab, bei Entenproblemen konnte ich telefonisch helfen oder Adressen aus ihrer Umgebung geben, wo Entenbastler ansässig sind. Walburga half auch mir in dieser Zeit, aber nicht mit Problemen mit Enten, aber das bleibt unter uns, Walburga. Ich zog dann nach Berlin und Walburga und Gunnar besuchten mich dort mal, nicht nur, weil die Achsschenkelbolzen gewechselt werden mussten. Zu der Zeit war auch gerade Dunja bei mir in Berlin und kam mit Walburga ins Gespräch. Da sie beide einigermaßen gleichgeartete Berufszweige hatten, nämlich die Arbeit mit Behinderten, und Dunja gerade in Alt-Schönow eine solche Einrichtung ausfindig gemacht hat, war Walburga irgendwie gleich Feuer und Flamme.

Aber ob der Entfernung für Walburga war das kein Thema sofortige Maßnahmen einzuleiten. Aber das sollte sich ändern. Grund dafür war der Super-GAU, ein Golf knallte Walburga in die Ente, vorne rechts, volle Breitseite, peng. Walburga hat den Golfkrieg besser überstanden wie ihre Ente. Rahmenknick und der übliche Blechschaden vornerum. Sie hatte lediglich ein leichtes HWS-Syndrom (Scheudertrauma) und ein paar kleinere Blessuren, gottseidank. Jedenfalls rief sie mir ziemlich verzweifelt an, so wegen Unfall, Ente tot, Gutachten, Versicherung und so. Das hat sie dann auch ganz gut geregelt gekriegt und ich habe ihr dann angeboten meine UNSAFE zu überlassen, da ich gerade meine schwarze Ente namens Mephisto zugelassen hatte.

Da ich sowieso gerade mit meinen ganzen Enten aus den Südstaaten nach Berlin umzog bot es sich an, Walburga auf einem dieser Trips mit nach Berlin zu nehmen, um Ihr die UNSAFE zu geben. Und dieser Trip hatte es in sich. In Berlin hatte ich über einen Freund? einen Ford Transit ausgeliehen, dann noch einen Autohänger gemietet und ab ging die Post in die Südstaaten. Dort den Transit mit brauchbaren Teilen aus meiner Scheune vollgestopft und auf den Hänger meine alte Ente Bj. 55 drauf-geschnallt. Eigentlich wollten wir Walburga’s Golf-Krieg-Ente mit dieser Aktion auch nach Berlin schaffe, aber zeitlich reichte es nur die Ente vom Hof des Abschleppers zu zerren, damit keine weiteren Stand-gebühren anfallen. Aber trotzdem heftige Umladeaktion, 55er runter, ins Nachbardorf, die Charlie auf den Hänger, wieder abladen, die 55er wieder drauf, oh-oh. . .

Walburga und ich fuhren an diesem Abend dann noch nach Berlin, was heißt abends, die ganze Nacht durch und luden irgendwann morgens in Neukölln den Transit aus und meine alte Ente ab. Den Transit mußten wir nach Zepernick bringen, im Norden von Berlin, also quer durch die Stadt ( ca. 50 km ) um danach mit einem auseinanderfallendem Citroën GSA eines Freundes? wieder nach Neukölln zurück. Walburga und ich waren mehr als am Ende. Am Alex passierte es dann, Walburga war sich irgendwie sicher, daß ich das alles gedeichselt kriege und war so am Ende, daß sie einfach nicht mehr wollte. In diesem Augenblick schlief ich an der Roten Ampel ein. Jetzt mußte sie agieren und so hielten wir uns irgendwie bis Neukölln am Leben, mit hektischen Brems- und Ausweichmanövern.

Weiß der Geier, wer uns da geholfen hat heil durchzu-kommen. In Neukölln angekommen beschlossen wir weitere automobilistische Aktivitäten zu unterlassen und stiegen in die U-Bahn. Schon der Weg dahin war geprägt von übersteigerten, akustischen Wahrneh-mungen aufgrund unserer absoluten Übermüdigkeit. In der U-Bahn haben wir nur noch Blödsinn gelabert und ich nahm nur wahr, daß es so ähnlich sein muß, wenn man kurz vor dem Tod ist. So von wegen alle Geräusche ultraübersteuert wahrnehmen und ein intensives Gefühl des Leben, weil totale Übermüdig-keit vorherrscht und man sich konzentrieren muß wach zu bleiben. Bei mir im Wedding angekommen saßen wir glockenwach in der Küche und überlegten uns, wie wir jetzt einen Zustand der Müdigkeit annehmen können.

Ich fand noch eine Flasche Wein, aber keinen Korken-zieher. Aber eine Akku-Bohrmaschine war vorhanden, wie aus der Tabasco-Flasche träufelten wir den Wein in irgendwelche Kaffee-Becher. So schlummerten wir dahin und abends gingen wir um die Ecke in die Pizzeria und mußten Schwerstarbeit leisten, um zu essen, so alle waren wir. Walburga blieb dann noch ein paar Tage und hat sich die Location, die Dunja ihr erzählt hat mal angeguckt.

Sie war sehr angetan und es dauerte nicht lange, bis sie eine, ihr angebotene Probe-woche dort zu arbeiten annahm. Sie war äußerst angetan von dem Job, so daß sie kutzerhand wieder nach Berlin kam und eine Wohnung suchte, was auch sehr flott klappte, das mit dem Job auch. So war der Um-zug perfekt, ich mietete einen 7,5to-LKW in Berlin, fuhr nach Rittersbach, das ganze Brimborium auf den LKW und in Berlin wieder raus, naja, so einfach war das nicht, auch mit dem Einparken in Friedenau am Cosima-Platz (stimmt’s Gunnar ?). Aber irgendwie ging alles, auch das mit der Waschmaschine. . .

Aber trotzdem hatte Walburga immer noch kein Fahrzeug, da ich meine UNSAFE irgendwann auch wieder brauchte. Micha aus Mannheim hatte zu der Zeit gerade eine Acadyane zu verkaufen und da Walburga nicht abgeneigt war ein praktisches Transportfahrzeug zu fahren, war der Deal perfekt. Aber wie kommt die Büchse jetzt nach Berlin?

Da Micha musikmäßig unterwegs ist und gerade in Leipzig einen Gig hatte, hat er die ACDY einfach in Leipzig stehen lassen und uns die Schlüssel und Papiere zugeschickt. Walburga, Gunnar und ich gurkten nach Leipzig und fanden zwischen irgenwelchen Plattenbauten eine dunkelblaue ACDY. Ich kannte ja die Kiste, den Slowly Gonzales, aber Walburga und Gunnar nicht, aber ob des moderaten Preises war die ACDY ihr Geld wert, vor allem mit 2 Jahren TÜV.

Wir haben dennoch einige Zeit mit dem Schraubenschlüssel und dem Schweißgerät zugebracht, um die ACDY in einen Zustand zu versetzen, um sie standfest zu machen. So leben Walburga und Gunnar jetzt in Berlin. Der Grund hierfür ist eindeutig die Ente, denn, hätte Walburga mich nicht kennengelernt so wäre all dies nicht zustande gekommen. Und so hätte ich auch Ihren Freund, Gunnar nicht kennengelernt. Auch Dunja habe ich über die Ente kennengelernt und auch sie trug ihren ihren Teil zu dieser Konstellation bei. Alle drei sind Menschen, die ich sehr gerne habe und in meinem Leben nicht mehr missen will. Wenn es die Ente nicht gäbe, wäre es vielleicht ein anderes Auto gewesen, die mir diese Menschen schenkten, aber es war die ENTE !


UNSAFE at any speed

Diesen Spruch habe ich auf der Heckklappe meiner Alltags-Kampf-Ente. Sie habe ich 1992 von Steffi geschenkt bekommen, ohne TÜV, dafür mit massivem Bremsenschaden ( hurra - DOT ). Es ist eine 82er in Rouge de Castille, dieses schöne dunklere Rot, allerdings hatte die Vorbesitzerin mit der Sprühdose weiße Punkte draufgejaucht. Ich reparierte die Bremse und betüvte die Ente und die erste größere Fahrt führte Uli, meine damalige Freundin und mich nach Nordfriesland, wo mir auch gleich die Fliehkraftfeder der Zünd-verstellung zerbröselte.

Dank der Adressen im APUA-HELP konnte ich dort einen Entenbastler ausfindig machen, der mir das Teil sogar schenkte. Allerdings hatte ich das Heft nicht dabei und ich mußte meine Mutter per Telefon an mein Bücherregal lotsen, um mir dann die Adressen durchzugeben. Da es auf den Lack nicht mehr drauf ankam, auch deshalb, weil beide Vordertüren untenrum durchgerostet waren, tünchte ich die Ente in hammer-schlag anthrazit. So wurde auch Luise, meine erste Ente teilweise wiederbelebt, in Form einer Beifahrertür. Irgendwann habe ich mit der Sprühdose hammerschlag silber als Streifen auf die Motorhaube, Schweller, Kotflügel und so reingenebelt, da mir die Einfarbigkeit zu langweilig war.

Das hielt dann auch eine Weile, bis mal Jochen mit seiner roten Charleston in der Scheune auftauchte und wir nach mehreren Beck’s den Entschluß fassten die Ente zu lackieren. Bunt sollte sie werden. Ich packte also meine Sprühdosen aus und wir nebelten drauf los, aber so, daß der Lack richtig runtertriefte, teilweise in nassen Lack noch mit U-Schutz drauf, als Gipfel noch gelbe Farbe in eine Spritze gezogen und an der Ente vorbeigelaufen . . . Flatsch.

Das Entfinish ist gewöhnungsbedürftig, aber gottseidank gibt es verschiedene Geschmäcker. Dann kamen nach und nach verschiedenste Anbauteile wie eine zornige Rohrstoßstange vorne mit Unterfahrblech bis unters Getriebe, gelbe Zusatzscheinwerfer, eine Fußmatte als Winterabdeckung ( dekadenterweise hat UNSAFE den alten Alu-Winkelgrill drauf, gelb übergejaucht . . .

sowie die alten Türgriffe, genannt Geierschnäbel und einen seltenen Heckklappengriff von der Dyane ), die hintere Stoßstange ist ein zölliges Wasserrohr mit Bogen und Stopfen auf die Stoßstangenhalter geschweißt. Auf dem Dach ist dann noch ein Mega-Gepäckträger, so ein auf zwei Meter, es paßt sogar eine Enten-Rohkarosserie drauf . . .

oder wahlweise ein 6m-Boot, das mal unter heftigem Geschaukel durch Berlin gekarrt wurde. Die Straße gehörte mir, da sich niemand traute dieses schwankende Schiff zu überholen. Im Innenraum herrscht Luxus pur: Recaro-Sitze, vier Lautsprecher, Heckscheibenheizung und Heckwischer, Gebläse (beidseitig), Intervall-Scheibenwischer, beleuchteter Aschenbecher mit Zigarettenanzünder, Seitenblinker vom alten AK, 3. Bremsleuchte undundund. Ein Special-Feature ist mein Rückfahrscheinwerfer. Es ist ein eckiger Enten-Scheinwerfer mit H4-Birne auf Fernlicht geschaltet, der unter den Kofferraumboden geschraubt ist und natürlich per Schalter meinerseits aktiviert werden kann.

So kann ich die freundlichen BMW-Fahrer, die mich auf der Autobahn mit Fernlicht grüßen ebenso freundlich zurückgrüßen. Im Sommer 2000 habe ich von Rene aus Kiel ein Hardtop für UNSAFE erstanden. Das Ding sieht irgendwie häßlich aus, das Dach geht hinten gerade weiter, die Heckscheibe steht senkrecht. Auf jeder normalen Ente sieht das wie eine bös-artige Mutation aus. Nicht aber an UNSAFE. Meine Freundin Kathrin hat das Ding in besagtem hammerschlag anthrazit angepinselt. UNSAFE sieht dadurch aus wie aus Titan gemeißelt , abgesehen davon schließt das Hardtop perfekt mit dem Dachgepäckträger hinten ab, so wirkt alles wie aus einem Guß.

Um den Dachge-päckträger nicht so farblos aussehen zu lassen habe ich verschiedene Qietscheentchen angebracht. Kathrin hat dann aus der Ente hinten eine Punker-Ente gebastelt. Ein eingetrockneter Pinsel wurde abschnitten und als Iro aufgeklebt. Die Quietsche-Ente vorne bekam einen Heiligenschein in Form einer U-Scheibe und Schweißdraht. Auf die Motorhaube habe ich eine Donald-Figur geschraubt, aufm Surfbrett. In akribischer Kleinarbeit malte Kathrin Gischt und Wellen außenrum. Leider fehlte irgendwann unser Donald, aber Ersatz war bald gefunden.

Damit man von hinten überhaupt noch erkennen kann, was das jetzt für ein Fahrzeug ist, habe ich aus einem zerbröselten Kühlergrill die Citroënwinkel genommen und mit Schweißdraht an den Gepäckträger gerödelt, baumelt dann immer so schön. Es ist aber schon erstaunlich, daß sehr selten irgendwelche Idioten an UNSAFE Accessoires beschädigen oder abreißen. UNSAFE strahlt wahrscheinlich einen Respekt aus, daß man da halt nicht ran geht. Außerdem bringts ja nicht den Lack zu zerkratzen, würde ich sowieso nichts bemerken . . .

Cool ist auch meine Handy-Halterung. Die Gesichter der Mercedes-Coupefahrer sind immer eine Augen-weide, wenn ich mit UNSAFE neben denen an die Ampel rolle. Verschreckter Blick ob des äußerlichen Zustandes, dann legt der Heckwischer los und der Entenfahrer telefoniert grade. Da habe ich schon tolle Szenen erlebt, wenn ich den Mercedes bei grün ausbeschleunige - ja das geht wirklich, aber nur wenn der Pilot des Mercedes abgelenkt wird, z.B. durch UNSAFE . . .

und den Spruch auf der Heckklappe “UNSAFE AT ANY SPEED“. Ihr müßtet echt mal sehen, wie manche Leute da gucken, weil die das von der Ente ja nicht anders kennen, so von wegen Totalschaden schon beim Einparken. Aber dann pinselt das ein verstrahlter Entenfahrer quasi als Bestätigung noch hinten drauf. Wer muß sich dann verarscht vorkommen ?

Es sind aber auch sehr viele positive Resonanzen der Menschen zu verzeichnen, vor allem von Kindern, die UNSAFE als lustigen Farbtupfer im Euro-Einheits-Auto-Brei mit Lachen grüßen. UNSAFE grinst dann auch immer zurück, eigentlich grinst sie immer. Sie ist auch schon von vielen Leuten im Fotoalbum verewigt. Nicht nur im Zuge einer Fotosession auf einem Treffen. Am Checkpoint Charlie in Berlin steht quasi als Denkmal ein bunt angepinselter Trabbi. Ich stand da grad abends an der Ampel und das Blitzlichtgewitter von ca. 20 Japanern malträtierte den Trabbi, bis einer von denen UNSAFE erblickte und der seine Kumpels alarmierte. Danach ging eine Salve von Fuji- und Konica-Blitzen auf UNSAFE nieder. Was heißt UNSAFE eigentlich auf japanisch ?

Eine andere Situation ereignete sich auf der A9, als ich mit Johannes auf dem Weg nach Berlin war. UNSAFE lieferte sich ein erbittertes Duell mit einem Reisebus. Das übliche halt, bergab UNSAFE vorne, bergauf zieht der Bus vorbei. Der Busfahrer war ganz gut drauf und wir hupten und lichthupten uns an. Der Rest vom Bus hat dann auch irgendwann mitgekriegt, welch komisches Gefährt da die ganze Zeit den Bus umkreist. Als der Bus mal wieder vorbeizog, sich vor uns setzte und ich mich gleich in den Windschatten saugte, blitzte es aus dem Rückfenster und UNSAFE war mal wieder die Diva.

Im Herbst 2000 ist Kathrin dann eine Weile mit UNSAFE unterwegs gewesen, da die Ente Ihrer Mutter nicht mehr verfügbar war. Kathrin macht gerade ein Lehre bei Daimler und ist natürlich mit UNSAFE auf den Werksparkplatz gekurvt. Sie wurde tatsächlich akzeptiert mit diesem Gefährt und sie hat ihren Kollegen auch glaubhaft mitteilen können, daß diese Ente nicht morgen oder so auseinanderfällt.

Bis auf den einen Typen vom Werkschutz, der Kathrin darauf aufmerksam machte, daß eine Halterung der Zu-satzscheinwerfer gebrochen war und das Ding irgendwo zwischen Kotflügel und Stoßstange hing und weißdergeier wohin leuchtete. Um nicht den ganzen Zorn dieses Firmenimperiums auf Kathrin und UNSAFE zu ziehen, habe ich am selben Abend noch den Scheinwerfer wieder ordnungsgemäß an UNSAFE gebraten.

Mit UNSAFE bin ich 1997 so ca. zehn bis zwölfmal Mühlacker-Berlin und zurück gefahren, jedesmal knapp 1500 km. UNSAFE hielt durch ohne zu mucken, naja nicht ganz, die ostdeutschen Autobahnen haben ihr die Lenkung ruiniert und das Getriebe hat sich auch mal verabschiedet, aber sie blieb nie stehen. Und UNSAFE rennt wie Sau. Mittels größerer Vergaserdüse in der zweiten Stufe und diversen Einstellungen pöttert sie im Standgas wie ein Schiffsdiesel, hängt am Gas wie Schumis Ferrari und geht auf der Autobahn bis die Tachonadel am Amperemeter rauskommt. Bei UNSAFE setze ich nur auf Funktionalität, wird ein Kotflügel eingedrückt, so wird er wieder in Form gebracht und nicht ausgetauscht, außerdem kriege ich diese Lackierung nie wieder hin. Die Fahrertür, die trotz Austausch untenrum in krokantösen Zustand überging, habe ich durch Einschweißen eines Innenteils einer anderen guten Tür gerettet, ohne die Aussenhaut ihrer Lackierung zu berauben . . . .

Risse im Kotflügel werden mit einer Schweißraupe beseitigt, Zinkspray drauf und gut. Komischerweise habe ich mit der Polizei so gut wie nie Streß gehabt. UNSAFE sieht von außen schon sehr abenteuerlich aus, aber es fallen keine Teile ab und sie ist weitestgehend rostfrei. Bei Kontrollen habe ich da auch nie Pro-bleme, TÜV und AU ok, ebenso die Reifen. Technisch ist UNSAFE makellos. Allerdings versuchen einige Beamte - mit noch nicht so vielen Sternchen auf der Schulterklappe - UNSAFE und mir den Spaß zu ver-miesen. So von wegen irgendwas werden wir schon finden.

Und manche schwäbische Polizisten legen da teilweise Maßstäbe an, die zwar streng nach Gesetzen und Paragraphen richtig sind, aber von einem Finger-spitzengefühl in Form einer Abrissbirne zeugen.Einmal habe ich einen Mängelbericht gekriegt, weil die Zusatzscheinwerfer an meiner Rohrstoßstange Gitter davor haben. Ok, in Berlin fahren die Polizei-Busse teilweise mit ganzen Gartenzäunen vor den Scheiben rum, aber als normal sterblicher Verkehrsteilnehmer darf man das nun mal nicht. Nicht mal vor den Scheinwerfern. Naja, jedenfalls hatte ich nun diesen Zettel an UNSAFE gepinnt gekriegt und mußte reagieren. Die Gitter rausflexen wollte ich nicht, wie sieht das denn aus . . .

Also zog ich die logische Konsequenz und baute die Scheinwerfer ab, da sich der Mängelbericht auf die vergitterten Scheinwerfer bezog und fuhr zum Polizeirevier um zu zeigen, daß meine Ente jetzt wieder legalisiert ist. Der Polizist guckte sich das an und meinte, die Gitter sind ja immer noch dran, wogegen ich meinte, ja, aber die Scheinwerfer sind ja nicht mehr dran und es gehe wohl um vergitterte Scheinwerfer und nicht um das Gitter als solches. Zugegeben, es war etwas spitzfindig von mir, aber ich habe so gehandelt, wie es im Mängelbericht definiert war. Das brachte den Polizisten langsam auf Touren und er zog nach und nach seine Kollegen hinzu, bis das Revier verwaist war und alle auf meine Ente starrten. Nach langen Diskussionen ließen sie mich dann ziehen und der Mängelbericht war erledigt. Eine viertel Stunde später habe ich meine heißgeliebten Scheinwerfer natürlich wieder an UNSAFE montiert . . .

Als ich mal Sebastian UNSAFE auslieh, weil der TÜV seiner Charlie alle war, hat er etwas mehr Trouble mit den Ordnungshütern gehabt. Er fuhr nichts Böses ahnend durch Berlin und alles war gut. Bis zu dem Zeit-punkt, als zwei oder drei dunkle Limousinen UNSAFE einkreisten, abdrängten und zum Halten zwangen. Aus den Autos stürzten ziemlich viele Zivilpolizisten und setzen UNSAFE und Sebastian erst mal fest. Er mußte 30 min warten und durfte dann weiterfahren. Erklärung des ganzen Szenarios war, daß UNSAFE und Se-bastian auf die Route zufuhren, wo gleich darauf Bill Clinton mit seinem Staatstroß durch wollte. Und da UNSAFE für die Polizisten eine potentielle Gefahr darstellte, haben sie beide erst mal kurzfristig aus dem Verkehr gezogen. Vielleicht hätte ja Sebastian mit einer Quietsche-Ente vom Dachgepäckträger einen Anschlag auf den US-Präsidenten verübt - wäre was für die Muppets-Show gewesen . . .

Den heftigsten Mängelbericht erhielt UNSAFE nach einem feuchtfröhlichen Nachmittag auf der Wiese vor meiner Scheune mit Jochen. Eine der leeren Becks-Dosen wurde ihrem Deckel und Boden beraubt und ich schraubte das Ding an UNSAFE´s kurzes Endrohr. Mit dieser Auspuffblende fuhr ich ´ne Weile rum, bis ich mal nach dem Entenstammtisch UNSAFE vor dem Lokal übernachten ließ. Ich taperte am nächsten Tag zu UNSAFE und der Wirt des Lokals kam rausgestürzt, als ich losfahren wollte und meinte, da wären irre viel Polizisten um UNSAFE rumgestanden und hätten Fotos gemacht und viel geschrieben. Erst jetzt sah ich den gelben Zettel, auf dem die Becks-Dose bemängelt wurde. Daß ich die Türen nicht abgeschlossen habe und die AU alle war, hat die Polizisten nicht gestört. Also losgezogen, erst mal die Becks-Dose demontiert, präventiv AU gemacht und ab zum Polizeirevier. Alles klar Becks-Dose weg, Mängelbericht erledigt. Dachte ich. Über drei Monate später bekam ich einen Bußgeldbescheid.

Im März 2001 ist dann der TÜV von UNSAFE alle gewesen und ich hatte keine Zeit UNSAFE zu betüven, und vor allem war es so bequem, einfach in Benjamin, meine Rechtslenker-Dolly umzusteigen, die sinnvoller-weise ein Saisonkennzeichen von April bis Oktober hat. Im August sind wir dann mit der Werkstatt nach Reinickendorf umgezogen und UNSAFE hat diesen Umzug illegaler Weise auf eigenen vier Rädern vollzogen. Dann stand sie in der neuen Werkstatt und wir mußten erst mal Enten schrauben, um die Miete und die Kosten des Umzugs zu bestreiten. In kurzen, aber effektiven Freizeiten wurde von Kathrin, Jochen und mir UNSAFE langsam aber sicher entblättert. Motor und Getriebe waren schnell draußen, die Bremsleitungen vorsorglich abgeknipst, daß ich dann doch neue einbaue . . .

Die Sache mit der Entblätterung war im Bereich des Bodenbleches, Schweller, Gurtverschraubungen, Sitzschienen und so nicht nur ein Wortspiel, sondern harte, nein eher weiche Realität. Die Schweller lassen sich ohne Flex entfernen und der Radlauf samt C-Säule hinten rechts glänzt durch Abwesenheit, naja an den Stellen rostet es jedenfalls nicht mehr. Ich hatte im Sinn UNSAFE bis zum 1. November auf der Straße zu haben, aber es hat nicht hingehauen, aber am 1. November darf ich ultimativ nicht mehr mit Benjamin fahren. Werde jetzt wohl eine aufgegebene rote Charleston einer Kundin mit TÜV bis Dezember als Über-gang fahren, bis UNSAFE fertig ist.

Jeder Kunde der reinkommt und UNSAFE sieht wird reichlich blaß um die Nase und wundert sich warum ich einen solchen Schrotthaufen mit so teuren Blechen und Teile ausstatten will, aber diejenigen, die UNSAFE nicht kennen können es schlecht nachvollziehen, was UNSAFE ausmacht. Aber ich werde alles dararn setzen, UNSAFE zu reanimieren, weil es verdammten Spaß machen wird wieder aml mit UNSAFE durch Berlin zu brettern. Ich auch !


Meine Mama hat ‘ne Ente

Das war nicht immer so und es dauerte einige Zeit, bis ich sie zur Vernunft brachte. Sie hatte sich mal Mitte der 70er einen neuen Golf gekauft. Den hat sie immer brav in die Werkstatt gebracht und Unsummen ausgegeben, so nach etwas mehr als zehn Jahren war der Neupreis mit den Werkstattrechnungen deckungsgleich. Als ich dann meine Ente hatte und auch anfing zu basteln und reparieren, habe ich dann auch ab und zu Hand an den Golf gelegt und die letzten Jahre seines Daseins sah er dann keine Werkstatt mehr. Was habe ich nicht alles gemacht an der Kiste, Kupplung, Bremsen, Zylinderkopfdichtung undundund. Es gipfelte darin, daß wir (Holzes und ich) mit dem Golf nach Ulm fuhr, da Schwenki dort in einer Tanke arbeitete und am Wochenende er in die Werkstatthalle durfte.

Holzes, Schwenki und ich haben mit drei Flex und zwei Schweißgeräten den Golf übers ganze Wochenende bearbeitet. Schweller komplett, Radläufe undundund, auch noch so ein halb eingeschweißtes Blech in der Gegende der Hinterachse mit vorge-täuschten Schweißpunkten für den TÜV. Um da richtig zu schweißen hätte die Achse rausmüssen. ( Habe ich Dir glaube ich nie erzählt, sorry Mama, aber die Hinterachse hat ja gehalten, uff. . . ) Aber irgendwann habe ich dann meiner Mutter nahegelegt, daß ich keinen Bock mehr habe an diesem Wolfsburger Massenausstoßprodukt noch weiter rumzubasteln. Ich stellte sie vor zwei Alternativen: Ente oder Käfer.

Käfer deshalb, da ich mit Schwenki an dessen Käfern viel geschraubt habe und zu diesem Zeitpunkt kannte ich mich mit Käfer und Ente gleichermaßen gut aus. Der Golf ging dann unter abenteuerlichen Umständen in die Hände von drei oder vier Jugoslawen. Sie entschloß sich dann für einen Käfer. Schwenki hatte damals einen Winterkäfer zu verkaufen, einen beigen 02er, der dann bald bei meiner Mama vor der Tür stand. Obwohl sie Anfang der 60er schon mal einen Käfer hatte, wurde sie mit diesem nicht so richtig warm. Sie quälte sich zwei Jahre durch, bis es wieder Zeit für den TÜV wurde. Aber es wäre ein riesiger Aufwand geworden, überall Löcher, die A-Säule durch und alles irgendwie lüngelich, Vorderachse, Lenkung und so.
Also stellte ich meine Mutter wieder vor die gleiche Alternative, wie vor zwei Jahren, mit dem Unterschied, daß es jetzt nur noch Ente war. Ich beharkte meine Mutter so lange bis sie entnervt aufgab und meinte irgendwann abends, ok, dann kauf mir ‘ne Ente.

Ich gleich zur Tanke gespurtet und den Auto-Kleinanzeigen-markt geholt, mich ans Telefon geklemmt und eine halbe Stunde später fuhr ich mit Armin und Göss und einer Handvoll Blankoschecks meiner Mutter Richtung Waiblingen. Dort wechselte für DM 1500 eine schwarz-gelbe Charleston-Ente den Besitzer. Wir kamen im strömenden Regen wieder in Mühlacker an und übergaben meiner Mutter Schlüssel und Papiere und deuteten aus dem Fenster:

“Da draußen steht deine neue Ente“. Göss hat dann noch seine Späße mit meiner Mutter getrieben, als sie fragte wozu der eckige Schlüssel sei. Er meinte dann der sei fürs Rolldach und meine Mutter glaubte das in ihrem Schock. Sie schnappte sich dann noch den Regenschirm und stiefelte ins Unwetter raus, da sie es immer noch nicht glauben konnte. Aber es war so. Am nächsten Tag habe ich dann Fahrlehrer gespielt und sie sehr einfühlsam auf die Ente trainiert. Ich setzte sie einfach rein und ließ sie die kurvenreichste Strecke der Gegend fahren. Danach konnte sie es. Mittlerweile ist die Charleston-Ente zur Edelente mutiert und meine Mutter hat eine Winterente und ist im Entenclub. Völlig infiziert, würde man ihr einen Ferrari vor die Türe stellen würde sie dankend ablehen. Wäre ja auch ein sozialer Abstieg, gell Mama ?

Die Charleston-Ente meiner Mutter und meine UNSAFE


Eierkarle

Ja, es war schon eine Idylle beim Eierkarle. Bei ihm hatte ich einen alten Hühnerstall gemietet, den ich zum Entenstall und Werkstatt umfunktionierte. Wer Eierkarle nicht kennt, muß ihn sich so vorstellen: Weit über 70, immer im blauen Kittel mit einem Eimer Hühnerfutter über den Hof wackelnd, zwischen seinen Bienenstöcken durch und sich an den Enten abstützend. Als er mich dann sah meinte er immer : “Au, dr Endäsepp isch widder do “ !

Er ließ dann seine Hühner raus, die sich um mich gesellten, als ich unter di-versen Enten lag. Schon heftig, wenn man gerade schweißt und genau vor dem Gesicht pickt ein Huhn in den Schrauben rum. Nicht selten kamen dann Kumpels vorbei und wir lagen im Gras und tranken Becks. Diese Idylle vermissen einige Menschen ( Sorry, Veit ! ), als ich dann nach Berlin ging. Eierkarle hatte immer irgendwas zu beanstanden, aber er war doch sehr froh, das es mich gab, da er alleine wohnte und sich oft mit mir lange über Gott und die Welt unterhielt oder ich ihm wieder mal ein 50 kg-Honigeimer in die Wohnung hochschleppte. Jochen erging es mal so, daß er ankam und fragte, ob er ihm kurz helfen könne einen Eimer hochzutragen. Als er dann bei ihm im Keller stand und fragte, welcher von den drei Eimern, meinte Eierkarle: “Ha, alle drei, awwer i hans em Kreiz, i darf net so schwer trage“.

Oder er fuhr mit seinem Passat auf den Hof, die Hinterachse sehr tief und ich ahnte schon was jetzt kommen würde. Als er ausstieg sagte er nur: “Trag mir doch gschwenn des Heahnerfuddär end Scheier“. Der Passat war bis unters Dach voll mit 10-12 Hühnerfuttersäcken á 50 kg. Ächz, schuft, kult. Die Scheune war richtig schön versteckt zwischen den Vereinigten Hüttenwerke des Eierkarles. Ich schwelge heute noch in Erinnerungen daran, war eine schöne Zeit, mit Eierkarle, den Bienen, den Hühnern und all meinen Enten, eine perfekte Symbiose.


Die Ente als Feuerwehrauto

Wie schon erwähnt war ich in Mühlacker bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wenn der Alarm-Piepser losging hieß es dann so schnell wie möglich zur Feuerwache zu fahren. Wenn die Leute im Dorf die Feuerwehrleute zur Wache düsen sahen haben es die meisten auch geblickt, da man sich im Dorf ja kennt, bzw. die meisten Feuerwehrleute auf dem Dach einen Dachaufsetzer, so mit Feuerwehr im Einsatz drauf hatten. Allerdings gestaltete sich das bei der Ente etwas problematischer, da es noch keinen Stoffmagneten gibt. Ich habe mir dann ein Holzbrett zum Einhängen in den Queue gebastelt, daß die Leute, wenn ich sie überholt hatte wenigstens dann sahen, warum die Ente jetzt so komisch fährt. Bald war ich aber bekannt wie ein bunter Hund und die Leute machten mir Platz, wenn ich wieder mal mit Warnblinker, Fernlicht und Nebelschein-werfer angeflogen kam. Zweimal habe bei dieser Gelegenheit meine Ente etwas ihrer Form beraubt.

Jugendliche, ungestüme Fahrweise und die Hektik der Alarmierung waren damals dafür ausschlaggebend. Freitag nachmittags fuhr ich nach einer Alarmierung in Mühlacker die Haupteinkaufstraße runter und mußte hinter einer Kolonne von ca. 5 Autos anhalten. Ich habe nicht so richtig erkannt, warum die Autos da jetzt stehen und zog auf die Gegenspur, um an der Kolonne vorbeizufahren. Was ich nicht erkannte, war, daß der erste in der Schlange nach links in eine Einfahrt wollte und dort aber auch einer rausfahren wollte. Es kam, wie es kommen mußte. Ich rasierte die Front eines Mercedes-Coupes und die linke Seite eines Audi 100. Rumms, da stand ich, stieg aus, sammelte das Nummernschild des Mercedes und die Zierleisten des Audis von der Straße auf und übergab sie ihren Besitzern. Die waren gar nicht begeistert, konnte sie aber be-ruhigen, so von wegen, klar meine Schuld und alles halb so wild, ist ja gar nicht viel passiert und so. Als der Audifahrer aber meine Ente begutachtete wurde es mir ganz anders.

Die Mercedes-Stoßstange ist doch so stabil, wie es immer heißt, denn meine Achse war auf der linken Seite komplett reingedrückt. Wir konnten die Ente nicht mal schieben. Mit vereinten Kräften von einigen Passanten trugen wir sie dann in eine freie Parklücke und ich dachte mir, daß ich am Wochenende in Ruhe den Schwingarm hier auf der Straße wechseln könne. Allerdings war da an diesem Wochenende in dieser Straße der Martini-Markt, so mit Freßbuden und Nippes-Händlern. Halteverbot ab Freitag 18 Uhr und es war gerade so gegen 17.30 Uhr. Oh no !

Es wurde dann ganz schön hektisch auf die Schnelle einen Abschlepper zu organisieren und so. Gottseidank war die Ente damals auf meine Mutter zugelassen und die ist im ADAC und es wurde dann nicht teuer. Schlußendlich und auch ärgerlich für mich, als Feuerwehrmann war, daß die Alarmierung einem brennenden Strohhaufen gegolten hat und die Hektik in oben beschriebener Art und Weise gar nicht nötig gewesen wäre. Aber bei einer Alarmierung geht einfach nur der Piepser los und man weiß nicht, ob ein Wohnhaus in Flammen steht mit Menschenleben in Gefahr oder nur eine Mülltonne vor sich hinkokelt. Einmal bin ich zu einem Hochwasser-Einsatz alarmiert worden und fuhr mit Luise, meiner ersten Ente durch einen wahren Platzregen Richtung Feuerwache. Dazu mußte ich die tiefste Stelle Mühlackers passieren und fuhr so voll in einen See, so ca. 75 cm tief.

Trotz Scheibenwischer konnte man die Straße nur noch ahnen und es waren nur noch die Feuerwehrleute auf der Straße unterwegs, der Rest stand. Ich auch, und zwar schlagartig, denn als ich in diesen See fuhr knallte ich wie gegen eine Betonwand. Ich legte den Rückwärts-gang ein und wollte aus der Pfütze wieder raus. Da meine Reifen doch so abgefahren waren und aus der Kanalisation der ganze Sumpf und Schlick mit hochgedrückt wurde, ging erst mal gar nix. Ok, dachte ich, wenn du nicht in die Richtung willst, probierens wir in die andere und fuhr weiter in den See, weil so hoch wirds ja schon nicht werden, dachte ich. Falsch gedacht, blubb blubb blubb ging der Motor aus und durch die Rostlöcher drückte das Wasser die Bodenmatten hoch. Ich konnte das nicht mit ansehen und machte die Tür auf. Schwapp, bis ca. 1,5 cm unterm Radio stand die Suppe.

Ich machte mich zu Fuß auf den Weg zur Feuerwache, es waren ja nur noch 150 m. Mit mir in dem See stand noch ein hellblauer Käfer mit ‘nem nassen, jungen Mädel drin. Mit Hilfe von einingen THW-Helfern schoben wir die beiden Tiere aus dem See bis hinter die Feuerwache.


Ich war dann noch die ganze Nacht im Einsatz zwecks Kellerauspumpen und so. Jaja, der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt. Am nächsten Tag bin ich dann zur Feuerwache runterge-laufen, um meine Luise wieder flott zumachen. In der Ente stank es, wie wenn ein toter Indiander im Koffer-raum liegen würde. Der ganze Dreck aus der Kanalisation in meiner Ente und dann knallte auch noch die Sonne drauf.

Reizend. Naja, ich schraubte die Zündkerzen raus und der Anlasser übernahm die Aufgabe einer Lenzpumpe, denn beim Durchdrehen des Motors spritzte ab-wechselnd links und rechts das Wasser aus den Kerzenlöchern im hohen Bogen raus. Ich legte alles trocken und Luise sprang auch wieder an. Allerdings war ich damals mit der Motorentechnik noch nicht so vertraut, denn es wäre mindestens ein Ölwechsel dringend erforderlich gewesen. Jedenfalls fuhr Luise und ich dachte, dann ist ja alles gut. Nach ca. 2 Monaten war der Motor aber hinüber, da eine Emulsion aus Wasser und Öl nicht das beste Mittel ist, um den Entenmotor zu schmieren und zu kühlen.


Neidische Nachbarn

Diese menschliche Spezies ist im Schwäbischen leider häufig anzutreffen. Besonderes Exemplar war der ältere Herr gegenüber, als ich in der Hermann-Hesse-Str. in Mühlacker wohnte. In dieser Straße sind ge-genüber meiner Wohnung Parkstreifen zwischen Bäumen, wo es keine Parkplatzprobleme gab und ich locker drei Enten zwischen die Bäume stellen konnte. Genau vor dem Haus des älteren Herren gegenüber, der einen Mercedes ( schwäbisches Muß als Rentner, sonst hat man was falsch gemacht im Leben ) sein Eigen nannte und natürlich eine Garage für dieses Gefährt hatte.

Er beschwerte sich bei mir, warum ich meine Enten vor sein Haus stellen würde und blockierte teilweise den Parkraum mit seinem Müllcontainer. Der müsse da stehen, weil vor dem Baum darf er nicht stehen, weil da die Feuerwehr durch müsse. Ich habe ihm dann die Erlaubnis gegeben den Müllcontainer doch da hin zu stellen, mit dem Verweis auf die Mindestdurchfahrbreite von 3 Metern und er könne sich ruhig beim Kommandanten vergewissern. Ich hielt ihm dann meinen Feuerwehrdienstausweis unter die immer blasser werdende Nase und Schluß der Dis-kussion. Dann war eine Weile Ruhe, bis ich eine Vorladung zum Ordnungsamt bekam, wegen einer Be-schwerde dieses Nachbarns.

Der hat doch tatsächlich zwei DIN A 4 - Seiten eng vollgeschrieben, welche Ente, welcher Farbe, welches Kennzeichen mit Datum und Uhrzeit vor seinem Haus stand. Es waren über fünfzig Enten in einem Zeitraum von 5-6 Monaten ! Da ich die Menschen auf dem Ordnungsamt alle gut kannte, zwecks Feuerwehr und so, war es eigentlich kein Problem. Es wurde mir auch vorgeworfen, daß ich aus der AK heraus heftige Reparaturen auf der Straße durchführen würde. Diese Beschuldigung wies ich von mir und Paul vom Verkehrsamt meinte dann gleich, so ein Quatsch, du hast doch die Scheune beim Eierkarle. Obwohl das nicht ganz rechtens war, so von wegen Nutzungsordnung und so war die Sache erledigt. Ganz gut, wenn man etwas Vitamin B hat. . .


Ententreffen Dotnacht/CH 1990

Dieses Ententreffen war eines der Verstrahltesten, das ich erlebt habe. Manne fuhr mit seiner roten Charlie, Markus mit dem Roadster und ich mit meiner schwarzen Chrom-Ente. Die Hinfahrt war schon ein Comic wert. Wir fuhren auf der A81 bis zum Bodensee und fuhren weiter zum Grenzübergang. Dieser Übergang war ultragesichert, so mit Panzersperren, Stacheldraht und zig Ordnungshütern. Wir passierten problemlos und fuhren weiter. Irgendwie haben wir uns aber verfranzt und fuhren über Waldwege und Felder in ein Dorf ein um zu bemerken, daß wir wieder in Deutschland waren !

Naja, es hat dann doch geklappt und wir fuhren spät abends in Dotnacht auf dem Treffenplatz ein, die Leute liefen unseren verstrahlten Enten hinterher, wie die Kinder um die Jahrhundertwende dem ersten Auto in der Stadt. Am nächsten Tag fingen wir an am Roadster eine Fliehkraftkupplung einzubauen, die Markus auf unserem letzten Frankreich-Schrottplatz-Trip ergattert hatte. Die Leute staunten nicht schlecht, wie wir auf der grünen Wiese in Windeseile die Maschine aus- und wieder eingebaut haben. Die Probefahrt war ein akustisches Ereignis der besonderen Art. Da das Lager der Kupplung am Anfang etwas trocken lief entwickelte es ein Geräusch ähnlich einer startenden JU 52.

Es legte sich aber und das Ding funktioniert heute noch problemlos. Von der Probefahrt nach Romans-horn zurückgekommen stand am Abend dann ein Schönheitswettbewerb für die Enten an. Es wurde ein Kantersieg für die angereiste Mannschaft aus Mühlacker: Manne belegte Platz drei, Markus Platz zwei und mir wurde ein Riesenpokal in die Hand gedrückt, aus dem wir ab dann das Bier genossen. Da haben wir ganz schön abgeräumt, angesichts der Tatsache, daß so ca. 40-50 Enten auf dem Treffen waren. . .


Maulwurf

Als sich Manne, ein Kumpel vom Entenclub mal eine Winterente zulegen wollte, fand er eine irgendwo in der Gegend von Bietigheim. Dort fuhren dann Peter, Manne und ich an einem Sonntag morgen hin zum verein-barten Termin. Nach dreimal läuten ragte ein zerzauster Kopf aus dem Fenster und meinte ach so, ihr, ja ich komm runter. Als die Tür aufging stand da ein Typ mit wilder Frisur und einer Brille Marke Glasbaustein Wolkendekor auf der Nase.

Er tapperte in die Garage und zeigte uns die Ente. Angesichts des niedrigen Preises gab es zwar einiges zu tun an der Kiste, aber Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte. Als der Typ dann noch meinte, da müssen noch irgendwo Entenräder rumstehen gingen wir auf die Suche. Nach kurzer Zeit meldete sich der Typ, er hätte eines unter der Werkbank entdeckt. Als wir unter die Werkbank guckten stand da ein riesiges Wagenrad aus Holz ! Der Typ war auch mit Brille blind wie ein Maulwurf, weshalb er auch nicht mehr Auto fahren solle. Damit hatte die Ente ihren Namen weg.


Eine Charleston-Ente auf Wanderschaft

Gemeint ist eine gelb-schwarze Charleston-Ente Bj. 1982, die ich seit 1988 kenne, liebe und schraube. Damals gehörte sie Steffi, die die Ente Anfang 1990 Armin verkaufte, einem Kumpel von mir, der dann auch in den Entenclub kam. Mit ihr war er 1991 auf dem Welt-Enten-Treffen in der Schweiz. Natürlich durfte ich wieder an ihr schrauben, Kupplungswechsel und andere Kleinigkeiten. Mitte 1995 kaufte dann Kerstin, meine damalige Freundin die Ente. Sie hatte schon eine, eine rot-schwarze Charleston, aber nach den In-spirationen auf dem Welt-Enten-Treffen in Slowenien wollte sie ein Pick-Up haben und die gelb-schwarze sollte dazu herhalten.

Gottseidank kam es nicht so weit, denn gelb-schwarze Charleston sind ultraselten, denn sie wurden nur ca. eineinhalb Jahre gebaut. Der Grund für das Scheitern des Pick-Up-Projektes war, daß Kerstin sich von mir trennte. Heute sehe ich diese Trennung positiv, denn dadurch konnte die Charleston-Ente komplett überleben. Im September 1995 kaufte dann Walburga die Ente, nachdem ich an Ihrer roten Ente ein Todesurteil aussprechen mußte. Also durfte ich wieder an ihr schrauben. Bis der Enten-GAU passierte, im Herbst 1997. Eine Hochzeitsgesellschaft, die zusammenbleiben wollten knallten bei Rot über die Ampel und ein Golf in die Ente. Der Golfkrieg war verheerend und die Ente nicht mehr fahrbereit.
Walburga hat dann mir die Charlie überlassen, die ich richten und meiner Sammlung einverleiben will. Jetzt darf ich wieder an ihr schrauben . . .

bis uns irgend jemand scheidet, jedenfalls nicht der TÜV . . .

So stand Charlie lange bei mir in Neukölln in der Werkstatt und hoffte auf eine Reanimation. Aber ich kam nicht dazu, außerdem hatte ich ja eigentlich genug Enten zum Rumfahren und kam angesichts steigender Kundenzahl nicht mal mehr richtig dazu mich um meine eigenen Enten zu kümmern. Ende 1998 zog ich dann mit meiner Werkstatt nach Kreuzberg und Charlie wurde bei Roland, einem Schrauberkollegen zwischen-gelagert.


Aua ! Dann trat Johannes in mein Leben und fuhr seine rote Ente, Frederike auf den Hof. Ich habe an ihr das Ge-triebe gerettet und in einer hektischen Aktion, so 10 min. vor einem Termin von Johannes auf der Straße die Lichtmaschine wieder zum Laden überredet.

rgendwie kamen wir mal ins Gespräch und ich erzählte Ihm von Charlie und Johannes war Feuer und Flamme und hat Charlie eigentlich ungesehen gekauft. Es dauerte dann einige Zeit, bis Roland in seinem Chaos es auf die Reihe brachte Charlie tatsächlich nach Kreuzberg auf den Werkstatthof zu transferieren. Johannes kam dann am gleichen Tag und tanzte wie ein Derwisch um Charlie herum, als gäbe es keine Frauen. Er wollte auch unbedingt mit dabei sein, wenn Charlie wieder zu einer Ente wird. Erstmal zerlegten wir Charlie und ich schweißte die übliche Stelle des äußeren Pedal-bodenbleches, dann wurde der neue Rahmen mit Achsen, Tank, Motor und Getriebe bestückt, das übliche Prozedere halt . . .

Johannes übte sich als Ritzenputzer und polierte glaub ich auch den Auspuff von innen. Den Motor hat er nach Hause genommen und vermutlich mit 38 Dosen Bremsenreiniger und 2,5 kg Putzlappen und etwas Lack auf Hochglanz gebracht. Bei allen Kundenenten muß ich mir nach den Arbeiten am Motor die Finger putzen, bei Charlie vorher . . .

Während Charlie so nach und nach komplettiert wurde haben wir anstatt den Anlasser eine Becks-Dose in das Loch am Getriebe gesteckt, paßt press. Als dann der Anlasser reinkam hat Johannes eine Becks-Dose auseinandergeschniebelt und um den Anlasser geklebt. Geile Optik. . .

Die Vorderfront wurde durch neue Kotflügel, gebrauchte Haube und Dreiecksbleche sowie Neulack wieder in den Originalzustand versetzt. Eingebaut wurde auch ein alter blauer Tacho, den Johannes mit Q-Tips reinigte, sowie ein altes blaues Lenkrad. Mittlerweile will Johannes chromtechnisch meinen Mephisto in den Schatten stellen, aber das ist aus bekannten Gründen nicht möglich. . .

Während der Restaurierung von Charlie hat Johannes Frederike getötet. Das heißt, der Rahmen war vorher schon scheiße geschweißt worden und ein Sandhaufen oder so hat ihm das Genick gebrochen. Der Versuch den Rahmen geradezudrücken wurde durch ein übles Geräusch im Keim erstickt. So stand Johannes nun da, eine halb zusammengebaute Charlie und eine komplett geknickte Frederike. Ich habe ihm dann eine blaue Ente gegeben, der durch Unzulänglichkeit der Zulassungstelle ein Jahr TÜV geschenkt worden ist. Sie wurde dann mit Hilfe mehrerer Spraydosen und Dekolack garniert, vielleicht wollte er UNSAFE in den Schatten stellen, aber das ist aus bekannten Gründen nicht möglich. . .

Anfang Februar war es dann für Charlie soweit, Kuzzeit-Kennzeichen und ab zum TÜV. War alles kein Problem bis auf einen Achsschenkelbolzen, der trotz neu etwas Spiel hatte. Prinzipiell hat der Prüfer Fertigungstoleranzen als schwerwiegenden Mangel angekreuzt. Naja egal, wenn das alles ist. Neuen Bolzen rein, kein Spiel und fertig war die Laube.


Im Alltagsbetrieb stellte sich aber ein übles Klackern des Motors ein, das auch zu leichten Leistungsverlusten führte. Johannes wollte dann gleich Nägeln mit Köpfen machen und sich einen Visamotor reindengeln. Ich glaube die Idee kam unsäglicherweise von mir . . .

Ich organisierte dann nach mehreren Telefonaten einen Motor bei Manni’s Entenfarm in der Eifel. Unser Visa-Enten-Crack aus Berlin hat uns Trauer angesagt, obwohl sein Keller überquillt, er aber genug Ersatz für seine Fahrzeuge bevorraten will. Johannes hat dann den Motor selber abgeholt und noch eine Impulsgeber-brücke organisiert und all so Zeug von denen ich keine Ahnung habe. Ich habe ihm dann gesagt, er könne das ruhig machen, aber ich will mich nicht in die Visatechnik reinknien, da ich der Entenmann bin und nicht der Visamann. Er hat es dann tatsächlich innerhalb einer arbeitsreichen Woche seinerseits geschafft das Fremdorgan zu implantieren. Es lief auch problemlos und die Ente hat das Organ bisher auch noch nicht abgestoßen. Es hat sich allerdings eine Ölundichtigkeit eingestellt, die vermutlich vom Öleinfüllstutzen herrührt. Nach einer Motorwäsche fuhr Charlie dann noch ein paar Meter und verendete am Potsdamer Platz. Wer nicht mit einem 22er-Schlüssel anrücken durfte war ich.
Kauf Dir mal so ein Ding !


Warum der Entenmann Entenmann heißt

Dieser Name, den ich irgendwie als Künstlername angenommen habe stammt ursprünglich von Inge, der Mutter von Veit. Ihn lernte ich über Andi Pioch, den Sohn meines damaligen Vermieters meiner Wohnung kennen. Andi kaufte während meiner Einweihungsfete meiner Wohnung eine gelbe Ente von mir, die er aber leider konsequent zu Tode geritten hat. Naja, egal, jedenfalls ist Inge eine lngjährige, eingefleischte Enten-fahrerin und sah mich immer mit irgendeiner anderen Ente an ihrem Haus vorbeifahren.

Sie hatte da irgendein Wehwehchen an ihrer Ente und meinte zu Veit, er solle mich doch mal fragen, ob ich mal danach gucken könne. Da sie nicht wußte, wie ich heiße hat sie immer gesagt, frag doch den Entenmann aus der Hermann-Hesse-Straße. So lernte ich Inge, die meinen Künstlernamen erschaffen hat kennen und Inge lernte dann auch irgendwann meinen richtigen Namen kennen. Leider hat sie Ihre Ente nicht mehr, die hat sie mir verkauft, die ich zur Zeit richte und weiterverkaufe. Seit ich nicht mehr in Mühlacker wohne haben schon einige Leute sich von Ihrer Ente getrennt, weil ich nicht mehr da bin . . .

Eine zweite Begebenheit hat mich dann darin bestärkt mich als Entenmann zu bezeichnen.
In der Nähe der Scheune in Lomersheim beim Eierkarle brannte mal eine Gartenlaube oder so. Ich war damals mit dem Tanklöschfahrzeug im Feuerwehreinsatz, irgendwann Samstag vormittags. Dieses dörfliche Großereignis zog dann viele Neugierige an, unter anderem auch etliche Nachbarn des Eierkarles, wo ich meine Scheune mit meinen Enten hatte. Als sie dann mich erkannten, guckten sie unter meinen Helm und meinten: Des isch doch dr Endämann !


Mephisto und das Radkäppchen

Mephisto, meine Ententreffen-Ente hat so ein komische Eigenart. Er hat ein Problem mit der linken Hinterflosse. Es ist schon sehr mysteriös, was da so passierte. Das erste mal war es 1995 nach dem Welttreffen in Slowenien. Kerstin und ich fuhren durch Italien über die Autostrada und wollten diese verlassen. In dem Augenblick, als ich blinkte und auf die Ausfahrtspur wechselte machte es dingel-dingeldingel und die Radkappe hinten links reihte sich auf die Überholspur ein und fuhr geradeaus weiter. Bis hier alles nicht so spektakulär. Zuhause wurde eine Radkappe montiert und fest angezogen. Ich habe auch die Mutter gewechselt.

Die hielt ziemlich genau 4 Jahre. Auf der Fahrt zum Welttreffen in Griechenland war ich auf der Suche nach einer Fähre von Venedig nach Ancona unterwegs. Na klingelts ? Italien - Mephisto - Radkappe . Dingeldingeldingel weg war das Ding und Achtung ! Hinten links ! Ich konnte die Radkappe, die auf dem Mittelstreifen der Straße lag unter Lebensgefahr angesichts der italienischen Fahrweise retten. Ich habe sie dann unter Zuhilfenahme sämtlicher Muskeln wieder draufgeschraubt.

Auf der Rückfahrt vom Treffen hat die Radkappe dann einen Suizidversuch erfolgreich abgeschlossen. Kurz vor Igoumenitsa, noch in den griechischen Bergen hat sie sich vor einer Kurve zwanglos von Mephisto gelöst. Diesmal machte es nur einmal dingel, da der Straßenrand eine Schlucht darstellte und sie 50 m den Abgrund runterstürzte. Es war die Radkappe hinten links. . .

Einmal ist mir auch ein Weißwandring um die Ohren geflogen. Es macht ziemlich häßliche Geräusche, wenn der Weißwandring bei ca. 140 km/h im Kotflügel rumrandaliert. Dreimal dürft ihr raten. Es war in Italien und es war das hintere linke Rad. Noch Fragen ? Mephisto wird mir untreu. Rückfahrt vom Ententreffen in Eddinghausen 2000. A2 Hannover - Berlin, kurz vorm Rasthof Buckautal. Das altgewohnte Geräusch. Ratsch, fetz, Weißwandring weg. Vorne rechts . . .


Erlebnisse mit Benjamin ( Caution ! Right-Hand-Drive ! )

Schon die Umstände, wie ich an Benjamin, meine Rechtslenker-Special-Dolly in jaune rialto / rouge delage geraten bin ist ein Erlebnis für sich. Ich fuhr im Sommer 1999 nach Schnelldorf zum Treffen am Erlensee. Am Laberfeuer lernte ich zu vorgerückter Stunde Jörg kennen, der mir was von einer Ente erzählte, die er verkaufen müsse, da er sich eine Vierzylinder-Rennente zugelegt hat. Als er erwähnte, daß es sich um eine englische Ente handelt, war ich sofort Feuer und Flamme.

Ich wollte in meiner Sammlung unbedingt noch eine originale Ente neben meinen ganzen verbastelten Kisten haben. Eigentlich wollte ich die gelbe Unfall-Charlie in meine Sammlung einverleiben, aber als ich von der Rechtslenker hörte, war sofort klar: Diese Ente brauche ich. Denn sie ist ja original, aber auch wenn ich eine originale Ente fahre, so muß sie doch etwas verstrahlt sein. . .

Zurück zum Laberfeuer: Jörg und ich hatten schon einige Brauereiprodukte konsumiert und die um-stehenden Freunde von Jörg und mir beobachteten die Szene, wie wir per Handschlag eine Ente mit Fixpreis ohne gesehen ohne TÜV verdealen . . .

Am nächsten Morgen hat mich Claudia gefragt, ob ich noch wissen würde, daß ich gestern nacht eine Ente gekauft habe. Natürlich wusste ich das noch, alles was mit Enten zu tun hat speichere ich sofort in gesicherten Auslagerungsdateien mit Sicherungskopie im Hauptspeicher meines Großhirns ab, egal welcher Zustand meinerseits.

Irgendwann kam dann auch Jörg angetapert und fragte mich, ob ich das ernst gemeint hätte gestern, die gleiche Frage stellte ich ihm, beide bejahten und bingo. Nach dem Treffen fuhren wir, Claudia und ich noch bei Jörg vorbei und er übergab mir die Papiere, damit ich die Ente in Berlin zulassen kann.
Zwei Wochen später fuhr ich mit Kennzeichen, Ente zugelassen und so wieder zu Jörg und schraubte die Schilder an Benjamin.

Jörg wollte zuerst fahren und mir zeigen wie das jetzt alles geht mit rechts sitzen, lenken und fahren. Aber ich war so kribbelig auf dieses Gefährt, daß ich sofort selber fahren wollte.
Hui, das isn Gefühl, alles anders, aber es klappte gleich von Anfang. Als mir Jörg sagte ich solle in den Dörfern doch etwas auf die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit achten guckte ich auf den Tacho und sah die Nadel bei 50 stehen. Ich realisierte erst jetzt, daß das ein Meilentacho ist und ich mit 80 Sachen durch die Ortschaften bretterte. Claudia hatte alle Mühe nachzukommen . . .

Es war schon eine heftige Umgewöhung, aber der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier. Am krassesten sind scharf gefahrene Kurven. In einer “normalen“ Ente wird man ja in Rechtskurven zwecks Entenschräglage nach unten gedrückt, in Linkskurven angehoben. Als ich das erste Mal in Berlin um den Großen Stern gebrettert bin hatte ich das Gefühl in einer Achterbahn zu sitzen und hatte alle Mühe Benjamin auf seinem von mir vorgesehenen Weg zu halten.

Eine heiße Geschichte ist auch die Sache auf der Autobahn. Man hat ja den optischen Eindruck, wenn man auf der Autobahn fährt, daß man auf seiner Spur bleibt und guckt nicht die ganze Zeit nach links und rechts auf die Begrenzungssteifen. Man guckt eher in die Ferne. In der Rechtslenker habe ich das zu Anfang auch so gemacht und habe dann das Problem gehabt, daß ich langsam aber sicher extrem weit links fuhr, teilweise mit der Ente mitten auf dem Mittelstreifen.

Heftig sind auch Autobahnbaustellen mit enger, linker Spur und wir wollen hier an den LKW’s vorbei. Das Gefühl wie weit Benjamin jetzt noch von den Betonplanken auf der linken Seite weg ist habe ich bis heute noch nicht ganz raus. Ich fahre dann immer ziemlich nahe an den LKW’s ran, was aber bei irgendwelchen schlingernden Anhängern nicht sonderlich prickelnd ist. Und dann noch Fenster offen und die LKW’s haben logischerweise ihre Auspüffe auf der linken Seite und in Entenfensterhöhe . . .

Mit dieser Ente kann man ganz schön Verwirrung stiften. An den Ampeln gucken die Leute rüber, drehen den Kopf wieder weg, um dann wieder ganz schnell mit fragendem Blick zu gucken und schauen sich dann in ihrem eigenen Auto um, was da jetzt nicht ganz in Ordnung ist. Ein schönes Schauspiel. Der beste Vorteil ist im Stadtverkehr von Berlin, mit dieser Kiste übersehe ich keinen Radfahrer mehr. Am geilsten ist es, wenn jemand auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, um den Stadtplan zu studieren, Joghurt zu löffeln oder gar auf der Rückbank rumkramt.

Oder ich packe da eine große Kiste rein, die dann noch zum Dach rausguckt. Steigerung hiervon ist es, wenn der Beifahrer bei offenem Dach auf selbigem Platz nimmt. Lustig sind auch Polizeikontrollen, wenn der Beamte auf der linken Seite steht und ich freundlich rüberwinke - huhu hier bin ich !Für entenfahrende Beifahrer ist es auch immer ein Erlebnis auf dem gewohnten Fahrersitz zu sitzen, in ein großes schwarzes Loch zu gucken und nichts tun zu dürfen.


Pfuscher, Stümper, Fachwerkstätten
. . . und andere Kuriositäten


Niemand ist unfehlbar. Das ist unbestritten.
Allerdings werden manchmal Reparaturen nicht nur aus Unwissenheit, sondern wissentlich falsch ausgeführt. Sei es, daß nicht das richtige Werkzeug oder Ersatzteil greifbar ist, sondern, vor allem in sogenannten Fachwerkstätten, weil das sowieso nur eine Ente ist. Diesen Spruch habe ich nicht nur einmal gehört . . .

Hier will ich mal die heftigsten Reparaturen, Verschlimmbesserungen oder einfach nur gedankenlosen Pfusch zu Papier bringen, das ich an verschiedenen Enten entdeckt habe. Das Verschweißen von verschiedenen Bauteilen, weil die richtige Schraube fehlt, ist noch das Harmloseste, wenn es keine sicherheitsrelevanten Teile sind, aber bei Demontagen ärgerlich. Hier einige Beispiele:
Der Lampenbaum wird auf den Rahmen geschweißt - prima. Oder der Quertopf zwecks Schellenmangel am Wärmetauscher. An diesen Enten habe ich einen Kupplungswechsel veranstaltet, also Motor raus . . . da kommt Freude auf . . .

Auch nicht schlecht, wenn die Schraube für den Kotflügel am Schweller rausbröselt, den Kotflügel einfach auf die Karosserie zu braten - bravo ! Noch besser war die Ente, deren Lenksäule mittels halblebigen Schweißpunkten “befestigt“ war - o-hauerha ! Das kann man alles machen . . .

Auch die beliebte Verschweißung von Antriebswellenmutter, Hinterachsmuttern, Radlagerschrauben oder Spurstangenköpfe auf den Achsschenkel, weil Schraube abgebrochen oder unter die Werkbank gekullert habe ich unter anderem an Enten entdeckt, deren Besitzer vorher zwecks Reparatur an diesem Bauteil teilweise sogar in einer Citroën-Werkstatt waren !

Bei Schweißungen im Bereich Rahmen und Karosserie sind die Beispiele mannigfaltig und an fast jeder Ente zu entdecken. Das beliebte Riesenblech unterm Rahmen unter Nichtberücksichtigung der inneren Stehbleche ist so der Spitzenreiter. Die aufwendigste “Reparatur“ eines Kofferraumbodens, die ich an einer Ente entdeckte gestaltete sich folgendermaßen:

Wir nehmen ein gerades Blech und wollen den Übergang vom Boden zum Reserveradbogen flicken. Dann schneiden wir viele kleine Laschen ein und basteln alá Micky-Maus-Bastelbogen das runde Blech nach mit 378 Überlappungen und setzen dann rosinengroße Schweißpunkte aufs Blech, vielleicht hält der eine oder andere Schweißbollen . . .

( Sagt der eine Schweißer zum anderen: Jetzt mach doch mal einen Punkt ) Es ist teilweise sehr bedenklich was manche Leute unter Schweißen verstehen, wenn das Blech abnehmbar ist. . .

oder auf bereits eingeschweißte Bleche noch mal eins drauf und noch mal eins, bis das Bodenblech 2 cm dick ist. Ganz abgesehen von der Schmiererei mit schwarzer Mumpe. Habe schon Bleche erlebt, die nur mit Karosseriedichtmasse aufgeklebt waren. Oder wir spachteln den Rahmen großflächig mit GFK-Matten. Wenn die Typen, die solche Flickwerke veranstalten Aktien der Firmen Teroson und Presto haben, mag das für die ja ok sein, aber nicht für die Ente. . .

Was immer wieder interessant anzuschauen ist, wenn eine “normale“ Autowerkstatt eine größere Re-paratur vorgenommen hat. Man muß sich als Kfz-Mechaniker nicht mit allen Autos bis ins kleinste Detail auskennen, aber eine gewisse Logik beim Auseinanderbauen, bzw. beim Wiederzusammenbasteln sollte doch nach einer 3-jährigen Lehre und entsprechender Berufserfahrung als Voraussetzung gelten. Und so kompliziert ist die Ententechnik ja sicher nicht, was machen die Buben, wenn’s mal wirklich tricky wird ?
So hatte ich letztens eine Ente in der Werkstatt, an der das Getriebe und der Hauptbremszylinder gewech-selt wurden.

Ein kleiner Auszug an unlogischen Meisterleistungen einer Kfz-Meister-Werkstatt: Der Haupt-bremszylinder wurde, so wie er verpackt war eingebaut, das heißt ohne Bremsleitungsdichtungen und ohne Zwischenbuchsen an der Pedalerie, dem Kunden blieb immer das Kupplungspedal an der Bodenmatte unten hängen, weil die Pedalerie irgendwie auf halb acht hing. Das Fehlen der Bremsleitungsdichtungen wurde einfach durch einen vermutlich nicht mehr meßbaren Drehmoment was die Überwurfmutter der Anschlüsse betrifft kompensiert. Davon abgesehen wurde ein Hauptbremszylinder für DOT-Bremsflüssig-keit in eine LHM-Ente montiert.

Auch eine interessante Variante der Verwechslung, was die Sache mit der Bremsflüssigkeit angeht. Eine Schraube der Antriebswellen an der Bremsscheibe war abgerissen, es sind ja noch fünf andere da. Und ich armer Idiot habe versucht den abgerissenen Bolzen Härte 10.9 aus dem Antriebswellenflansch zu bohren. Manchmal klappts ja, aber schlußendlich mußte ich doch den Flansch auswechseln. Die Handbremse auf der linken Seite war ohne Wirkung, dafür waren die Handbremsseile vertauscht eingebaut, mit dem Ergebnis, daß der eine Zug quasi ums Auspuffrohr gewickelt war. Ebenso die Zündkabel, die kleben ja hervorragend am Auspuffkrümmer und lockern sich dann nicht . . .

Die Heizungszüge waren gut festgeschraubt, leider auch vertauscht, damit man abwechselnd rechts auf und links zumachen kann, hat Unterhaltungswert im Winter wie im Sommer. Der Schalthebel war lieblos und verdreht festgeschraubt, damit die Gangwechsel etwas abenteuerlicher vonstatten gehen. Die Dis-tanzbuchse der Lichtverstellung wurde vermutlich Opfer der Schwerkraft und danach vergessen. Der Kunde hat sich in eigener Genialität die Buchse selbst wieder zurechtgesägt und eingebaut. Er hat mir auch erzählt, daß die Wärmetauscher am Anfang rechts/links verkehrt herum eingebaut waren und die Komiker den Auspuff dennoch irgendwie dicht gekriegt haben. Ich habe das ehrlich gesagt selber noch nicht pro-biert, bin ja schließlich kein Kfz-Meister. Aber es liegt mir fern eine solche Meisterleistung zu probieren . . .

Naja und das übliche Chaos im Bereich Kabelbaum, der über allerlei Schikanen nach vorne gewurschtelt wurde, wenn’s dem heiß wird ist der Stromfluß ja sicher besser, 3. Lehrjahr Kfz-Mechaniker. Und man muß sich keine Gedanken machen wozu der Halter am Luftfilter ist, vielleicht zum Zigarrenschmuggeln?
Im Bereich Bremsen hört der Spaß dann wirklich auf. Das Befüllen von Scheibenbrems-Enten mit DOT-Bremsflüssigkeit ist so das beliebteste, das auch Citroën-Werkstätten mit steigender Begeisterung veranstalten.

Verkehrt herum eingebaute Bremsklötze, also mit dem Metall zur Scheibe ist da schon seltener. Aber als die Kundin dann in der Werkstatt fragte, warum das sich nach der Reparatur so komisch anhört beim Bremsen und sie die Antwort erhält, daß sich das noch einschleifen müsse, so frage ich mich manchmal, was die Leute eigentlich denken, die so einen Pfusch bauen. Eine Entenwerkstatt in Berlin hat auch mal versucht die hinteren Bremsen zu entquietschen. Nach mehrmaligem Aus- und Einbau der Trommel mit halblebigen Zentrierversuchen wurden schlußendlich einfach die Bremsbeläge mit Kupferpaste eingeschmiert. Richtig, Auftrag war, daß die Bremsen nicht mehr quietschen sollen, niemand hat gesagt, daß die Bremse hinterher noch funktionieren soll . . .

Eine weitere Meisterleistung einer Citroën-Werkstatt war der Wiedereinbau der Bremssättel nach Scheibenwechsel. Einer war schlicht verkehrt herum eingebaut. Im Bereich Fahrwerk wird auch gerne gebastelt. Wenn man zum Beispiel beim Lösen der Antriebswellen-mutter abrutscht und das Gewinde eines Radbolzens der Nabe ruiniert, so flext man einfach so lange rum, bis nur noch gutes Gewinde da ist. Daß die Schraube dann nur noch eine dreiviertel Umdrehung greift ist dann irrelevant, sind ja noch zwei Schrauben dran . . .

Das Erneuern der Achsschenkelbolzen durch eine Feld-Wald-und-Wiesen-Werkstatt endet oft als übler Pfusch. In Ermangelung geeigneten Werkzeuges ist das Spiel mit den neuen Bolzen oft schlimmer als vorher. An einer Ente, an der das vor einem halben Jahr passiert ist war das Spiel des Achsschenkelbolzen oben am Rad ca. 3 cm ! Auf der anderen Seite ca. 1 cm, anscheinend haben die auf der einen Seite probiert und die gröbsten Fehler auf der anderen Seite unterlassen. Dafür haben die Kasper den Bolzen trocken verbaut und auch nicht abgeschmiert. Oder es werden einfach die Schmiernippel entfernt, ist doch Vorkriegstechnik und überhaupt alles Gewicht . . .

Interessant war auch die Rechnung eines Clubkameraden, der in einer Citroën-Werkstatt zwecks Kundendienst war, Ölwechsel, Zündung usw. Auf der Rechnung waren 4 Zündkerzen berechnet - von einer Citroën-Werkstatt ! Und es war eine gelbe Charleston und keine Sahara . . .

Den besten Gag hat mal ein Azubi bei Citroën gebracht, als er an einer Ente Ölwechsel machen sollte. Es wurden 6 Liter Öl berechnet. Dem Besitzer der Ente der Ente war das völlig klar, warum soviel. Als er auf den Werkstatthof kam, um seine Ente abzuholen sah er da den Typen an seiner Ente stehen, der gerade mit einem Schlauch und einem Trichter versuchte über das Rohr des Meßstabes die Ente mit Öl zu füttern. Der Einfüllstutzen wurde vermutlich zum Befüllen des Kühlwassers gedeutet . . .

Daß da gut und gerne über die Hälfte in den Motorraum und auf dem Boden kleckert ist ja klar und das wird dann auch auf die Rechnung geklatscht . . .

Fehler in Büchern sind normal. Auch in mienem . . .

Rächtschreibung ist so eine Sache, da braucht man einen guten Läcktor. Inhaltliche Fehler werden dann aber gerne übersehen und auch in neueren Auflagen mit sturer Beharr-lichkeit abgedruckt. So z.B. in der blauen Reparaturanleitung von Bucheli. Originalauszug aus dem Vorwort : Verwenden Sie nur Originalersatzteile von Renault. Na das probieren wir doch mal . . .

In der neuesten Auflage (Band 1202) dieser Reparaturanleitung ist im Schaltplan für die Club bzw. Special im hinteren Kabelstrang ein zweiter Öldruckschalter bezeichnet, waren das jetzt doch Neuauflagen der Sahara ? Zur Erklärung: es sollte die Innenbeleuchtung sein . . .

Auf Seite 115 zum Betrachten des Bildes Nr. 212 das Buch bitte um 180° drehen oder die Ente . . . dann ist die hintere Bremse in der richtigen Lage . . .

In einem neuen Entenbuch (hellblau / DIN A 4 . . . ich nenne keine Namen . . . )

ist unter der Maßzeichnung der Ente dieses Fahrzeug als 2 CV 8 bezeichnet . . .

ist mir da was entgangen ? Im gleichen Buch ist die orange Schmalente vom Schweizer Welttreffen als Threewheeler untertitelt. Wer aber zählen kann sieht, daß da noch alle vier dran sind . . .

Und eine normale Ente im Offroadlook wird kurzerhand als Sahara bezeichnet, nur weil das Ersatzrad auf der Motorhaube ist und im zugeklebten 3. Seitenfenster gefakte Lüftungsschlitze sind . . .

In einem anderen Entenbuch wird in einer Checkliste für Ersatzteile für Fernreisen angegeben eine Ver-teilerkappe mitzunehmen. Die kann man sich dann auf den Kopf stellen und einen indianischen Zündungs-tanz um die Ente veranstalten, wenn das Vieh nicht anspringen will, ehrlich das funktioniert ! Darüber hinaus soll eine Spurstange mit Bügel für vorne und hinten mitgenommen werden. Mit Bügel meinen die wohl den Lenkhebel, aber ich weiß ganz genau, daß die Ente nur vorne Spurstangen zum Lenken hat . . .

oder doch wieder so eine Sondervariante, die an mir vorbei ging ? Das Highlight in dieser Not-Ersatzteile-Liste ist aber der Hinweis Kunstharz und Glasfasermatten für Notreparaturen am Rahmen mitzunehmen. Fehlt eigentlich nur noch, daß man Dachlatten und eine Handvoll Spax für die Rahmenverstärkung verwenden soll oder doch lieber alles mit Isoband dauerhaft fixieren. . . ?

Interessant auch der Aufdruck auf einer Ölfilterverpackung original von Citroën für welche Autos dieses Teil nun ist: 2 CV 4 / 2 CV 6, Dyane usw. Ist anscheinend Citroën seit den letzten 30 Jahren nicht aufgefallen, daß die 4-er Ente gar keinen Ölfilter hat ! Aber auch die freien Teilehändler haben in ihren Listen Kuriositäten anzubieten. So wird ein Schraubenset aus Edelstahl für die hinteren Kotflügel detailliert mit der DIN-Nr. und den Abmessungen der Schrauben aufgelistet.

Aber wozu brauche ich 5 Schrauben für die Befestigung außen? Gab es doch mal Enten, die 15 cm höher waren oder geht der Händler davon aus, daß ich über dem Gully schraube und immer eine Schraube der Kanalisation zugeht ? Bei einem Teil haben sich die Buben aber zusammengetan, da in fast allen Listen der Teilehändler der Kantbolzen für die Federstrebenaufnahme an den Achsen als ein Teil mit einer Artikelnummer angeboten wird. Aber leider sind die Teile unterschied-lich, denn der hintere Bolzen ist dicker als der vordere. Welchen kriegt man jetzt dann, wenn man so ein Ding bestellt, oder wird dann eine Feile mitgeliefert zum dünnermachen oder Tesakrepp zum umwickeln. Muß ich vielleicht doch mal ordern, schaun mer mal was dann ankommt.